Nach Gewalteskalation von 2025 – Aufruf zu unbewilligter Demo: Bern vor brenzligem Wochenende

Nach Gewalteskalation von 2025 Aufruf zu unbewilligter Demo: Bern vor brenzligem Wochenende
Am Jahrestag der eskalierten Pro-Palästina-Demo in Bern rufen die gleichen linksradikalen Kreise erneut zu Protest auf. Polizei und Gewerbe sind alarmiert.
Die Brandspuren im Restaurant Della Casa im Berner Stadtzentrum sind erst seit Kurzem verschwunden. «Schreiner, Maler, Gipser – ich musste diverse Handwerker aufbieten», sagt Wirt Tobias Burkhalter. Demonstrierende hatten am 11. Oktober 2026 vor dem Restaurant Tische und Stühle angezündet, beinahe hätte das 500-jährige Gebäude gebrannt.
Burkhalter blickt deshalb mit gemischten Gefühlen auf das Wochenende. «Wir sind froh, dass die Demonstration an einem Sonntag angesagt ist. Es sind keine Gäste und Mitarbeitenden im Restaurant.» Die Angst vor der Zerstörung sei aber geblieben. Ebenso die Befürchtung, bald wieder Handwerker aufbieten zu müssen.
Ist die Stadt Bern gewappnet für Sonntag?
«Smash Imperialism» – unter diesem Motto rufen die gleichen linksradikalen Kreise für Sonntagnachmittag erneut zur Besammlung an verschiedenen Orten in der Stadt Bern auf. Pünktlich zum Jahrestag der eskalierten Demonstration. «Die Demonstration ist nicht bewilligt und wir wissen nicht, was genau auf uns zukommt», sagt der Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (GFL).
Die Polizei ist vorbereitet und wird alles dafür tun, dass die Demonstration nicht eskaliert.
Die Berner Kantonspolizei sei aber gut vorbereitet und werde alles dafür tun, dass die unbewilligte Demo dieses Mal nicht eskaliere. «Bern ist das Politzentrum des Landes und friedliche Demonstrationen sollen möglich sein», so von Graffenried. Wichtig sei, dass das Leben in der Stadt nicht zu sehr beeinträchtigt werde.
Noch keine Urteile gesprochen
Anders vor einem Jahr, als es zu heftigen Ausschreitungen kam. Die Polizei hielt am Tag der Demonstration 536 Personen an und kontrollierte sie. Mithilfe von Videoaufnahmen wurden mittlerweile 101 Straftäter und Straftäterinnen identifiziert. Gegen 75 von ihnen wurde Anzeige eingereicht, unter anderem wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung oder Körperverletzung. Urteile sind bislang keine gefallen.
Der Grossteil der identifizierten Personen sind Männer und stammen aus der Schweiz. Sie sind im Alter zwischen 16 und 65 Jahren.
Während die Polizei die Ereignisse weiter aufarbeitet, bleibt ihr damaliger Einsatz umstritten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den Polizeieinsatz scharf kritisiert. In einem Bericht hält sie fest, dass die Polizei ungerechtfertigt und unverhältnismässig Gewalt angewendet habe.
Politische Diskussionen bis ins Bundeshaus
Die Ausschreitungen vom Herbst 2025 hatten auch politische Folgen. Kürzlich haben National- und Ständerat entschieden, dass vorläufige Festnahmen bis zu 48 Stunden dauern können statt wie bisher 24 Stunden. Zudem sollen Organisatorinnen und Organisatoren für Sachschäden zur Kasse gebeten werden können.
Neue Gesetze schaffen nicht automatisch mehr Sicherheit.
Oriana Pardini politisiert für die SP im Berner Kantonsparlament und kritisiert diese Verschärfungen. Neue Gesetze würden nicht automatisch mehr Sicherheit schaffen. «Nicht alle Demonstrierenden dürfen unter Generalverdacht gestellt werden.»
Unbeteiligte Läden und Restaurants sind bei Demos nicht gut genug geschützt.
Anders sieht das Mitte-Politikerin Milena Daphinoff, die auch die Gewerbevereinigung BernCity präsidiert. «Geschäfte oder Restaurants in Bern bleiben nach wie vor auf allfälligen Schäden bei Demonstrationen sitzen.» Sie seien nach wie vor nicht gut genug geschützt. Ein Vorschlag für einen Härtefallfonds wurde im Berner Kantonsparlament abgelehnt.
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