Verborgene Insel erstmals seit 1952 wieder da – Champagner-Pause

- Der Wasserspiegel des Zürichsees sinkt auf 405,27 Metern über Meer ab – und unterbietet damit den Rekord von 1952.
- Vor Stäfa ist erstmals seit 74 Jahren wieder eine verborgene Insel sichtbar, ebenso eine Markierung am Stäfa-Stein von 1909.
- Bootsbesitzer kämpfen mit Problemen: Hafenkräne kommen mit dem Tiefstand kaum noch mit.
- Auch der gewöhnliche Ausstieg wird für Böötler vielerorts zur Kletterpartie.
Es riecht am Zürisee-Ufer nach Moder und Algen: Noch nie war der Wasserstand so tief. Zurzeit liegt der Pegel des Zürichsees bei 405,27 Metern über Meer. Damit wird der letzte Tiefstand von 1952 unterboten. Und damit bietet sich Besuchern in Stäfa ein erstaunliches Bild: Erstmals seit über 70 Jahren ist wieder die Stäfa-Insel zu sehen.
Sie wird rege besucht. «Wir sind mit dem Stand-up-Paddel gekommen und haben Champagner sowie Magenbrot von der Stäfa-Chilbi vom letzten Wochenende mitgebracht», erzählt Conny (54) aus Stäfa. Sie stösst mit Harry (67) an. Dieser erzählt: «Seit ich hier lebe, habe ich noch nie gesehen, dass die Insel begehbar ist.» Die Stäfa-Insel sei im August zum Vorschein gekommen, erzählt Harry, «im September wurde sie Tag für Tag grösser. Sonst steht das Wasser normalerweise bis zu meinem Knie.»
Unterdessen hat jemand Tisch, Stühle und eine Grillschale aufgestellt. «Es ist wirklich schön hier, richtig zum Geniessen», meint Harry.
Der tiefe Wasserpegel hat auch die Markierungen am Stäfa-Stein freigelegt: Die letzte datiert von 1909 und ist nun wieder komplett sichtbar.
Einstiegswinkel für Schiff-Rampen zu steil
Doch die anhaltende Trockenheit und das damit verbundene Niedrigwasser auf dem Zürichsee haben einige Schattenseiten. Wegen der abnehmenden Fahrwassertiefe und dem wachsenden Höhenunterschied zwischen den Landungsstegen und den Schiffen hat die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) den Shuttle-Betrieb zwischen Pfäffikon und der Insel Ufenau bis auf Weiteres eingestellt.
«Durch den sinkenden Wasserstand werden die Einstiegswinkel an zahlreichen Anlegestellen immer steiler. Dadurch kann die Sicherheit beim Ein- und Aussteigen nicht mehr an allen Anlegestellen gewährleistet werden», schreibt die Gemeinde Freienbach auf ihrer Webseite.
Wer anlegen will, muss klettern
Und auch den Böötlern macht der tiefe Wasserpegel zu schaffen. Roland (62) und Markus (61) aus Wollerau wollen in Stäfa einkehren – doch beim Aussteigen im Hafen müssen sie klettern. «Wir wollten mal schauen, ob im Kanton Zürich der Wasserstand auch so tief ist wie in Schwyz», sagt Roland lachend. Markus erklärt: «Auch beim Einwassern gibt es Probleme, weil die Rampe einfach nicht so weit reicht.»
Den Seglern aus Stäfa macht etwas anderes Sorgen: Wenn der Wasserstand noch weiter sinkt, können sie bald nicht mehr auswassern. Denn die Seile des Hafenkrans gehen nicht mehr weiter runter. Michael Aeppli (72) aus Stäfa hat zwar einen Bojen-Anlegeplatz und deshalb noch kein Problem mit der niedrigen Tiefe, sodass sein Kiel noch nicht den Grund berührt. «Aber jetzt wollen alle Bootsbesitzer auswassern, weil die Seile des Krans langsam zu kurz werden, deshalb müssen alle ‹fürschi› machen.»
Wie beurteilst du den tiefen Wasserstand des Zürichsees?
Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
