Thurgau schnappt dem Kanton Zürich Boden weg

SVP-Kantonsrat perplex
Thurgau schnappt dem Kanton Zürich Boden weg
Der Kanton Thurgau kauft in Altikon ZH wegen eines Renaturierungsprojekts viel Landwirtschaftsland. Das sorgt im Zürcher Kantonsrat für Fragezeichen.
Publiziert: vor 18 Minuten
- Der Thurgau kauft 622 Aren Landwirtschaftsland in Altikon als Ersatzfläche für Renaturierung der Thur
- Zürcher Kantonsräte verlangen Auskunft zum Verkauf; der Preis bleibt aus Datenschutzgründen geheim
- Das Land ist laut dem Kanton die bisher einzige ausserkantonal erworbene Fläche für das Projekt
Joschka SchaffnerRedaktor Politik
622 Aren – so viel Landwirtschaftsland kauft der Thurgau dem Kanton Zürich ab. Der Grund für den Deal: Das Grundstück wird als Ersatzfläche für das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt «Thur3» benötigt.
Doch im Zürcher Parlament sorgt das für Aufruhr: Warum verkauft der Kanton das Land an seinen Nachbarn? Und vor allem: Zu welchem Preis? Wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet, bleibt letzterer Punkt geheim – aus Datenschutzgründen.
Erstaunen über den Deal
Besonders stören sich die Zürcher Kantonsräte Urs Wegmann (SVP) und Martin Huber (FDP) an der Sache: «Mit Erstaunen» hätten sie festgestellt, dass der Thurgau die Fruchtfolgefläche in der Gemeinde Altikon gekauft hat, schreiben sie in einem Vorstoss.
Die beiden Parlamentarier fordern von der Zürcher Regierung Antworten auf zehn Fragen – darunter, ob das Grundstück überhaupt öffentlich ausgeschrieben wurde und ob lokale Bauern oder Pächter mit Vorkaufsrecht die Möglichkeit hatten, es zu erwerben. Bis Anfang Dezember muss die Regierung Stellung beziehen.
Gegenüber der «Thurgauer Zeitung» hinterfragt Landwirt Wegmann den Verkauf deutlich: «Ich hoffe, dass sich die Kantone nicht untereinander Land zugesprochen haben.» Das betroffene Land gehörte ursprünglich Privatpersonen. Da es sich um Landwirtschaftsfläche handelt, musste der Kanton Zürich den Verkauf genehmigen. Wegmann hinterfragt, wie oft solche Verkäufe an andere Kantone überhaupt vorkommen und wie Zürich mit der knappen Ressource Landwirtschaftsland umgeht.
Bisher einzige Fläche, die gekauft wurde
Aufseiten des Kantons Thurgau ist die Lage klar: Das Land in Altikon wird als Ersatzfläche für Bauern benötigt, deren Felder im Zuge von «Thur3» weichen müssen. Das erklärt Martin Eugster, Chef des Amts für Umwelt, gegenüber der «Thurgauer Zeitung». Das Grundstück in Altikon sei die bisher einzige ausserkantonal erworbene Fläche für dieses Vorhaben.
Zu welchem Preis das Land den Besitzer wechselte, bleibt jedoch ein Geheimnis. Eugster gibt lediglich an, dass der Kaufpreis den Schätzungen für landwirtschaftliche Nutzflächen entspreche. Ob das die Kritiker besänftigen wird, bleibt offen.
Interkantonale Käufe gibt es immer wieder
Normalerweise holen die Kantone ihre Parzellen – beispielsweise zur Arealentwicklung oder als Ausgleichsfläche – auf dem eigenen Gebiet. Doch Landkäufe zwischen Kantonen gibt es immer wieder. Der Kanton Thurgau war deswegen etwa bereits Anfang Jahr in den Schlagzeilen: Die Stimmbevölkerung des Kantons St. Gallen entschied an der Urne, die Grundstücke «Wil West» für rund 20 Millionen Franken wieder an seinen Nachbarn zu verkaufen. Das Gebiet liegt bereits auf Thurgauer Boden.
Auch der Kanton Schwyz, respektive seine Gemeinde Feusisberg, holte vor einigen Jahren Land zurück. Auf dem Rossberg kaufte diese vor sechs Jahren eine Parzelle, die seit 1988 im Besitz des Kantons Zürich war. Auch dort galt: Der Preis bleibt geheim.
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