Forschungsprojekt – Quantenphysik statt Tourismus: Der neue Plan für die Porta Alpina

Forschungsprojekt Quantenphysik statt Tourismus: Der neue Plan für die Porta Alpina
Einst sollte ein 800 Meter langer Lift Gäste nach Sedrun bringen. Nun will die Forschung den Schacht nutzen.
Von einem unterirdischen Bahnhof per Lift direkt in die Alpen. Das waren vor über 20 Jahren die hochfliegenden Pläne für die Porta Alpina, das «Alpentor» bei Sedrun im Kanton Graubünden.
Der 800 Meter lange Schacht sowie verschiedene Zugangsstollen und Notbahnhöfe waren während der Bauarbeiten für den Gotthard-Basistunnel entstanden. Diese Infrastruktur sollte weiter genutzt werden.
Aus dem ambitionierten 50-Millionen-Projekt wurde aber nichts. Es scheiterte an Finanzierung und Zeitplan. Seither wird in regelmässigen Abständen über alternative Nutzungen diskutiert.
Dunkle Materie statt Touristen
Nun gibt es konkrete Pläne, die Porta Alpina für die Wissenschaft zu nutzen. Es geht um Forschungen in der Quantenphysik.
Im Schacht könnte ein Atominterferometer installiert werden. Das ist ein spezielles Messgerät, welches unter anderem nachweisen soll, dass Dunkle Materie existiert.
Was ist Dunkle Materie?
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Niemand weiss, was Dunkle Materie genau ist. Bislang konnte sie nicht wirklich nachgewiesen werden. Aber die Forschungswelt ist sich ziemlich sicher, dass es sie gibt, denn sie beeinflusst das Universum durch die Schwerkraft.
Vor rund 90 Jahren folgerte der Glarner Physiker und Astronom Fritz Zwicky, dass es eine unsichtbare Masse geben muss, die die Galaxien zusammenhält.
Die Beobachtungen sollen helfen, den Weltraum besser zu verstehen. Sollte der wissenschaftliche Nachweis von Dunkler Materie tatsächlich gelingen, wäre das ein historisches Ereignis.
«Bester Standort Europas»
Dass dem Stollen in Sedrun neues Leben eingehaucht werden soll, geht auf eine internationale Forschungsgemeinschaft zurück. Aus der Schweiz sind unter anderem das Cern (Europäische Organisation für Kernforschung), die Universität Zürich sowie die Fachhochschule Graubünden beteiligt.
Zunächst sollte herausgefunden werden, ob sich die ehemalige Porta Alpina überhaupt für ein solches Unterfangen eignet. Letztes Jahr fanden seismische und elektrische Messungen statt.
Fazit: «Sedrun ist der beste Standort in Europa», sagt Lucas Lombriser. Er ist Professor an der Fachhochschule Graubünden und leitet das Projekt.
Gotthard-Basistunnel stört Messungen nicht
Unterhalb des Schachts befindet sich der Gotthard-Basistunnel. Im Messzeitraum befuhren rund 32'000 Züge die Nord-Süd-Verbindung.
Dazu sagt Lombriser: «Wir registrieren die Züge zwar, aber nicht in einem Bereich, der unsere Messungen tangiert. Dafür merken wir die Wellen von Atlantik und Mittelmeer.» Auch wenn diese hunderte Kilometer weit weg sind.
Noch ist die Standortfrage nicht entschieden. Die Kosten des internationalen Forschungsprojekts werden auf rund 500 Millionen Franken geschätzt. Verschiedene Länder und Institutionen sollen sich daran beteiligen.
Lucas Lombriser ist sehr optimistisch, dass bei der Porta Alpina statt eines Alpenbahnhofs dereinst eine Forschungsstation entsteht. Der Zeitplan ist ambitioniert. Baustart soll bereits 2030 sein, die Inbetriebnahme ist für 2035 vorgesehen.
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