Mit 2000 geliehenen Franken baute Jürg Marquard sein Imperium auf

- Der Schweizer Medienunternehmer Jürg Marquard ist nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben.
- Mit geliehenen 2000 Franken lancierte er 1965 die Jugendzeitschrift «Pop» – daraus entstand ein Imperium mit über 30 Titeln in zwölf Ländern.
- Die «Bilanz» schätzte sein Vermögen zuletzt auf rund 375 Millionen Franken.
Vom geliehenen Zweitausender zum 375-Millionen-Vermögen: Der am Montag verstorbene Schweizer Medienunternehmer Jürg Marquard hatte 1965 mit wenigen Tausend Franken Startkapital die Jugendzeitschrift «Pop» lanciert, bereits 1993 galt er als bestverdienender Schweizer Verleger. So entstand sein internationales Medienimperium.
Der Anfang
Mit 20 Jahren lieh sich der Maturand von einem ehemaligen Mitschüler 2000 Franken. Damit liess er 2000 Exemplare der Zeitschrift «Pop» drucken und verkaufte sie zunächst persönlich.
Den entscheidenden Schritt ermöglichte wenig später eine Investorengruppe, die 50’000 Franken einbrachte, wie die «Bilanz» berichtet. Marquard kaufte die Investoren später mithilfe von Bankkrediten wieder aus und wurde Alleininhaber.
«Pop» wird zum Erfolg
Der gebürtige Urdorfer erkannte früh, dass der Schweizer Markt allein zu klein war. Bereits 1967 expandierte er nach Süddeutschland. Die Auflage von «Pop» stieg von 25’000 auf rund 250’000 Exemplare.
Drei Jahre später lehnte Marquard ein angebliches Kaufangebot von acht Millionen Franken ab. Stattdessen übernahm er den Konkurrenten «Rocky». Aus der Fusion entstand «Pop/Rocky» – mit einer Auflage von rund 500’000 Exemplaren die zweitgrösste deutsche Jugendzeitschrift hinter «Bravo».
1981 gelang ihm mit «Cosmopolitan» der finanzielle Durchbruch. Die Auflage stieg auf rund 440’000 Exemplare, später expandierte Marquard mit dem Titel nach Osteuropa. Mitte der 1990er-Jahre umfasste sein Imperium mehr als 30 Titel in zwölf Ländern und erzielte einen Jahresumsatz von über 200 Millionen Franken.
Verkauf zum richtigen Zeitpunkt
Im Oktober 1999 verkaufte die Verlagsgruppe Marquard ihre 13 Jugend- und Musikzeitschriften an den Axel-Springer-Verlag. Laut «Bilanz» lag der Kaufpreis deutlich über 80 Millionen Franken.
Der Zeitpunkt erwies sich als günstig: Das Geschäft mit Jugendzeitschriften geriet durch Musikfernsehen und das Internet zunehmend unter Druck. Im selben Jahr veräusserte Marquard auch seine beiden ungarischen Tageszeitungen.
Vom Printgeschäft zu TV, Gaming und Digitalem
2005 war Marquard Co-Produzent und Protagonist der Reality-Serie «Traumjob», einer Schweizer Lizenzversion von Donald Trumps «The Apprentice». Die Sendung erzielte auf dem damaligen Schweizer Fernsehen hohe Einschaltquoten. Ab 2019 war er zudem als Investor in «Die Höhle der Löwen Schweiz» zu sehen, zunächst auf TV24, später auf 3+.
Parallel dazu richtete Marquard sein Unternehmen stärker auf Gaming und digitale Geschäftsmodelle aus. 2005 übernahm er den Computer- und Entertainmentverlag Computec, der damals rund 50 Millionen Franken Umsatz erzielte. Damit baute er die Bereiche Gaming, E-Commerce und digitale Medien weiter aus. 2025 schätzte die «Bilanz» Marquards Vermögen schliesslich auf rund 375 Millionen Franken.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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