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Monday, October 19, 2026

Fünf Jahre Pflegeinitiative – «Pflegefachpersonen auszubilden, reicht nicht»

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Knapp fünf Jahre ist es her, seit die Pflegeinitiative angenommen wurde. Erste Massnahmen sind in Kraft, weitere sollen folgen. Ihr Ziel: die Arbeitsbedingungen von Pflegefachpersonen verbessern und ihre berufliche Entwicklung fördern. Doch wie erleben die Pflegenden ihre berufliche Situation selbst? Dieser Frage geht Isabelle Peytremann Bridevaux mit schweizweiten Befragungen nach.

Isabelle Peytremann Bridevaux

Professorin und Ärztin Allgemeinmedizin

Isabelle Peytremann Bridevaux ist Professorin an der Universität Lausanne und Ärztin am Universitätszentrum für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit Unisanté. Im Rahmen der Langzeitstudie SCOHPICA untersucht sie die beruflichen Laufbahnen von Gesundheitsfachpersonen und die Situation pflegender Angehöriger.

SRF Wissen: Die Ausbildung im Bereich der Pflege soll durch Bund und Kantone während acht Jahren mit knapp einer Milliarde Franken gefördert werden. Wird der Fachkräftemangel damit bald Geschichte sein?

Isabelle Peytremann Bridevaux: Diese Ausbildungsoffensive ist zwar notwendig, um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. Doch mehr Pflegefachpersonen auszubilden allein, reicht nicht. Ebenso entscheidend ist, dass die ausgebildeten Fachpersonen tatsächlich in den Beruf einsteigen und langfristig darin bleiben.

Keine Selbstverständlichkeit?

Gemäss unserer SCOHPICA-Langzeitstudie nicht, nein. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen denken Pflegefachpersonen relativ häufig darüber nach, ihren Beruf aufzugeben. Jede fünfte diplomierte Pflegefachperson gibt an, bei unveränderten Bedingungen nicht oder eher nicht im Beruf bleiben zu wollen. Bei Pflegefachpersonen auf mittlerer Stufe, also mit Lehrabschluss, ist es sogar jede vierte Person.

Die Zahlen sprechen für sich. Aber wie lassen sie sich erklären?

Unsere Studienergebnisse decken sich weitestgehend mit dem, was bereits aus internationaler Forschung bekannt ist. Pflegefachpersonen verlassen ihren Beruf, weil sich dieser nur schwer mit dem Privatleben vereinbaren lässt, die Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten begrenzt sind und sich die Arbeitsbedingungen zunehmend verschlechtern. Hinzu kommt das Gefühl mangelnder Anerkennung und eines Sinnverlusts.

Die Ursachen des Problems sind also längst identifiziert.

Richtig. Wir wissen heute bereits sehr viel darüber, warum Pflegefachpersonen aus ihrem Beruf aussteigen. Die grösste Herausforderung besteht nicht mehr darin, die Ursachen zu erkennen, sondern wirksame Massnahmen umzusetzen.

Auch die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, scheint den Verbleib im Beruf zu begünstigen.

Zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und konkreten Verbesserungen im Berufsalltag besteht nach wie vor eine Lücke.

Wie liesse sich diese Lücke denn schliessen?

Viele der entscheidenden Faktoren betreffen die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsorganisation und die Führungskultur. Einige davon liessen sich vergleichsweise rasch verbessern: regelmässigere Arbeitszeiten und diese auch tatsächlich einzuhalten beispielsweise. Auch die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, scheint den Verbleib im Beruf zu begünstigen.

Das zeigt, dass sich die Situation verbessern lässt, wenn Massnahmen konsequent umgesetzt werden.

Allerdings dürfte die Wirkung einzelner Massnahmen begrenzt bleiben, solange sich an den übrigen Bedingungen nichts ändert. Um Pflegefachpersonen langfristig im Beruf zu halten, braucht es Veränderungen, die das System als Ganzes betreffen.

Eine realistische Vision?

Zumindest zeigen einige Länder bereits heute, dass Verbesserungen möglich sind. Gemäss eines Berichts der WHO schneiden insbesondere die skandinavischen Länder in vielen Bereichen besser ab: etwa hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, des Wohlbefindens der Pflegefachpersonen und ihrer Absicht, im Beruf zu bleiben. Das zeigt, dass sich die Situation verbessern lässt, wenn Massnahmen konsequent umgesetzt werden.

Das Gespräch führte Miriam Kull.

Sie arbeiten im Gesundheitswesen und möchten an der SCOHPICA-Studie teilnehmen?

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