Naturprodukte aus Kräutern – Wo die Lebensfreude blüht: Zu Besuch im Klostergarten

Nur wenige Schritte neben dem Trubel der Kronberg-Bahn liegt der ruhige Garten des Klosters Leiden Christi in Jakobsbad im Appenzellerland. Hier wachsen Kräuter, Gemüse und Blumen. Seit Generationen pflegen die Schwestern die Tradition des Klostergartens und tragen sie bis heute weiter.
Schwester Rita steht inmitten von Salbei, Zitronenmelisse und Pfefferminze. Seit zwei Jahren trägt die gebürtige Slowakin, die vor über drei Jahrzehnten im Appenzellerland ihre Heimat fand, die Verantwortung für den Kräutergarten.
Der Sommer war heiss und trocken, doch die Schwestern haben angepackt. Mit Chinaschilf deckten sie die Beete ab, um die Feuchtigkeit im Boden zu bewahren. Es ist dieses unkomplizierte Vorwärtsmachen, das den Ort prägt.
Die Gemeinschaft geht weit über die Beete hinaus. Enten schnattern, Hühner gackern und Kaninchen hoppeln durch ihr Gehege. «Wir haben die franziskanischen Ordensregeln und da gehören die Tiere auch dazu», erzählt Schwester Rita. Der heilige Franziskus habe Tiere schliesslich sehr gerne gehabt.
Selbst ist die Nonne
Vom lebendigen Garten führt der Weg hinein in das historische Gebäude, wo Schwester Dorothea in der Klosterapotheke arbeitet. Seit über 40 Jahren hütet sie diesen Ort der Düfte und Essenzen. Ob Hustensirup, Gurgelwasser oder der süssliche Angelika-Likör, die Produkte entstehen im Kloster selbst.
Als ein früher zugekaufter Hustensirup nicht mehr lieferbar war, beschloss sie kurzerhand: «Dann mache ich ihn eben selbst.»
Zusammen mit einem Apotheker entwickelte sie das Rezept. Als er die Kräuterdosis reduzieren wollte, setzte sich die Ordensfrau durch: «Der Hustensaft ist intensiv, weil er wirken und nicht einfach nur eine Wasserlösung sein soll.»
Die Kraft der Gemeinschaft
Obwohl heute nur noch acht Schwestern im Kloster leben, geht es hinter den Mauern lebendig zu. Angestellte und freiwillige Helferinnen arbeiten Hand in Hand mit den Nonnen zusammen.
An diesem Tag duftet es nach süssen Früchten – es ist «Konfitag». Eine Helferin rührt gerade Erdbeer-Rosenblüten-Gelee an, während eine Etage höher Teemischungen abgewogen werden.
«Es ist eine wunderschöne, abwechslungsreiche Arbeit. Wir haben ein tolles Team», sagt eine Mitarbeiterin. Gemeinsam stellen sie die Produkte her, füllen sie ab und bereiten sie für den Verkauf im Klosterladen und im Onlineshop vor.
Ein Blick nach oben
Zum Abschied führt Schwester Rita hinauf unter das Dach, in den riesigen Kräuter-Estrich, wo die Ernte auf grossen Holzsieben trocknet. Ganz am Ende des Raumes öffnet sie eine Luke.
Der Blick öffnet sich weit über das Grün und das Appenzellerland. Direkt unter dem First wacht eine hölzerne Statue des Heiligen Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm. Er blickt hinab auf den Garten, die Tiere und die Frauen, die hier ihr Zuhause haben.
Wer das Kloster verlässt, nimmt nicht nur den Duft von getrockneter Zitronenmelisse und frischem Gelee mit. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die vom Kloster Leiden Christi hängenbleibt: die Freude am Tun, ein wenig Eigensinn und die Kraft einer Gemeinschaft, die auch mit wenigen Mitgliedern lebendig bleibt.
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