Budliger und Keller-Sutter: Krachte es hinter den Kulissen?

- Staatssekretärin Helene Budliger Artieda tritt beim Bund zurück – offenbar auch wegen Spannungen mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter.
- Budliger soll gegenüber Vertrauten den Eindruck geäussert haben, Keller-Sutter gönne ihr ihre Erfolge bei den Zollverhandlungen nicht.
- Mit 61 Jahren nutzt Budliger die Gelegenheit, in die Privatwirtschaft zu wechseln.
Der überraschende Rücktritt von Staatssekretärin Helene Budliger Artieda soll auch mit Spannungen mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter zusammenhängen. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, habe der Konflikt Budliger zugesetzt. Auch ihre Karriereplanung habe eine Rolle gespielt.
Budliger galt als selbstbewusste und einflussreiche Figur in der Bundesverwaltung. Intern sei ihre forsche Art jedoch nicht überall gut angekommen. Ein bürgerlicher Politiker habe den Eindruck gewonnen, sie habe sich zeitweise eher wie eine Departementschefin verhalten.
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Verhältnis zu Keller-Sutter soll belastet gewesen sein
Besonders angespannt sei laut «NZZ am Sonntag» das Verhältnis zu Keller-Sutter gewesen. Eine wichtige Rolle habe der Zollstreit mit den USA gespielt. Keller-Sutters Telefonat mit US-Präsident Donald Trump im Sommer 2025 war bekanntlich zum Fiasko geworden. Kurz darauf belegten die USA die Schweiz mit Zusatzzöllen von 39 Prozent.
Danach hatte Budliger das «Team Switzerland» mit einflussreichen Unternehmern aufgebaut und bei den weiteren Verhandlungen eine zentrale Rolle gespielt. Später gelang der Schweiz eine Vereinbarung mit den USA, die den Zusatzzoll auf 15 Prozent begrenzte.
Budliger soll gegenüber Vertrauten den Eindruck geäussert haben, Keller-Sutter gönne ihr ihre Erfolge nicht. Im Umfeld der Bundesrätin sei die von Budliger vorangetriebene privatwirtschaftliche Diplomatie wiederum kritisch betrachtet worden. Keller-Sutters Mediensprecher habe die Vorwürfe als «absurd» bezeichnet.
«Durchsetzungskraft einer Maggie Thatcher»
SVP-Nationalrat Franz Grüter, ein Vertrauter Budligers, bedauert ihren Abgang. Sie habe die «Durchsetzungskraft einer Maggie Thatcher». Die Spannungen zwischen Budliger und Keller-Sutter seien öffentlich bekannt.
Auch mit Wirtschaftsminister Guy Parmelin sei es während der Zollverhandlungen teilweise emotional geworden. Ein grundsätzliches Zerwürfnis habe es laut «NZZ am Sonntag» aber nicht gegeben.
Für Budligers Rücktritt sei zudem ihre berufliche Zukunft entscheidend. Sie erklärte, nach 41 Jahren beim Bund sei mit 61 Jahren die letzte Gelegenheit gekommen, in die Privatwirtschaft zu wechseln.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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