Pu der Bär wird 100 Jahre alt – Der Bär, an dem sein Schöpfer zerbrach

Der Zauber der Geschichte entfaltet sich in erster Linie durch die Hauptfigur. Pu ist ein Bär «von wenig Verstand», wie er selbst sagt: «Lange Wörter jagen mir Angst ein.» Aber gerade diese Einfachheit verleiht ihm eine philosophische Weisheit.
Zum Beispiel dichtet und summt er gern, und er meint dazu: «Aber es ist nicht einfach. Weil Poesie und Summlieder keine Dinge sind, die man sich holt – es sind Dinge, die einen holen. Und alles, was man tun kann, ist, dorthin zu gehen, wo sie einen finden können.»
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Bild 1 von 4. Die Geschichten um Pu waren so beliebt, dass Disney sie auch erzählen wollte. Hier der Film «The Many Adventures of Winnie the Pooh (1974). Bildquelle: Getty Images/FilmPublicityArchive/United Archives.
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Bild 2 von 4. Königin Camilla schneidet während ihres Besuchs im Ashdown Forest am 7. Juli 2026 in Hartfield, England, einen Kuchen an. Mit dem Besuch wurde das 100. Jubiläum des kleinen Bären gewürdigt. Der Wald diente A. A. Milne als Inspiration für den «Hundred Acre Wood» in den Kinderbüchern. Bildquelle: IMAGO/Avalon.red/Chris Jackson.
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Bild 3 von 4. 2008 versteigerte Sotheby's eine seltene amerikanische Erstausgabe von «Winnie-the-Pooh», signiert vom Autor A. A. Milne und dem Illustrator E. H. Shepard. Aufs Bild drapiert: Figuren aus einem Pu-der-Bär-Spiel aus den 1930er-Jahren. Bildquelle: Getty Images/Peter Macdiarmid.
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Bild 4 von 4. Ebenfalls bei der Versteigerung dabei: eine Originalzeichnung von E. H. Shepard. Bildquelle: Getty Images/Peter Macdiarmid.
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Gelassenheit und die Fähigkeit, im Moment zu leben, zeichnen Pu ebenso aus wie Gutmütigkeit, Empathie und absolute Loyalität seinen Freunden gegenüber.
Sie sind seine Familie: das ängstliche Ferkel, der traurige Esel I-Ah, das rechthaberische Kaninchen, der quirlige Tiger, die dozierende Eule – und natürlich der Junge Christopher Robin, der immer Rat weiss. Es sind Archetypen, deren Verletzlichkeit – Ängstlichkeit, Traurigkeit oder Überdrehtheit – fraglos akzeptiert wird.
Gigantischer Erfolg
Erfunden hat Pu und seine Freunde der Vater des «echten» Christopher Robin, der englische Schriftsteller Alan Alexander Milne (auch A. A. Milne). In den 1920er-Jahren schrieb er die Geschichten über den liebenswerten Bären für seinen kleinen Sohn.
Das Originalbuch «Winnie-the-Pooh» erschien am 14. Oktober 1926 in London, eine Woche später in New York. Die «New York Herald Tribune», die damals über eine der renommiertesten Literaturbeilagen verfügte, war voll des Lobes. Bereits im ersten Jahr nach der Veröffentlichung verkaufte sich das Buch eine Million Mal.
Der weltweite Durchbruch kam dann in den 1960er-Jahren, als Disney den ersten Zeichentrickfilm veröffentlichte. Im Lauf der Zeit wurden die Bücher in über 70 Sprachen übersetzt. Laut einem Artikel der britischen Tageszeitung «The Daily Telegraph» haben Geschichten, Merchandise und Filme aus dem Hundert-Morgen-Wald bis heute über 70 Milliarden US-Dollar (etwa 58 Milliarden Franken) erwirtschaftet.
Im Vorwort erzählt der Autor Alexander A. Milne, dass sein Sohn Christopher Robin einmal einen Schwan «Pu» nannte. Und, schreibt er weiter, «… als wir uns von ihm verabschiedeten, nahmen wir den Namen mit, weil wir nicht glaubten, dass der Schwan ihn noch wollte.» Als dann Christopher Robins Teddybär wünschte, einen neuen Namen zu bekommen, war klar, er sollte «Pu» heissen.
«Winnie» – in der englischen Version von Pus Name – kam später dazu: Bei einem Besuch im Londoner Zoo verliebte sich Christopher Robin in eine Bärin mit dem Spitznamen «Winnie», und kurzerhand kombinierte er «Winnie» mit «Pu» (respektive «Pooh»).
Hinter diesem gigantischen Erfolg versteckt sich allerdings die tragische Lebensgeschichte des Schriftstellers Alexander A. Milne. Als die Pu-Geschichten entstanden, war er einer der bekanntesten Bühnenautoren Englands.
Doch seine Arbeit als Dramatiker ging über dem Erfolg mit Pu schnell vergessen. Ob diesem Los zerbrach er. Auch sein Sohn Christopher Robin distanzierte sich von den Geschichten. Er wollte nicht das ewige Kind sein und versöhnte sich erst als älterer Mann damit.
Im Hundert-Morgen-Wald fühlt man sich geborgen
Aber auch diese schwierige Familiengeschichte haben Pu und seine Freunde überdauert. Bis heute stehen sie für bedingungslose Freundschaft, und der Hundert-Morgen-Wald ist ein idyllischer Ort, an dem alle ihren Platz finden. Dieses Gefühl der Geborgenheit überträgt sich auf die Leserschaft. Dort kann man zur Ruhe kommen und über das Leben nachdenken. Pu weiss, was es ausmacht.
Zu Christopher Robin sagt er: «Am liebsten von der ganzen Welt mag ich, wenn ich und Ferkel dich besuchen gehen und du sagst: ‹Wie wär’s mit einem kleinen Imbiss?› und ich sage: ‹Gegen einen kleinen Imbiss ist eigentlich nichts einzuwenden, oder was meinst du, Ferkel?›, und draussen ist ein Tag, in dem irgendwie Gesumm drin ist, und die Vögel singen.»
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