«Brutale Folgen»: Gewerkschaft kritisiert SRF-Entlassungen

- SRF hat mehrere langjährige Journalisten entlassen – die Mediengewerkschaft SSM spricht von «brutalen Folgen».
- Auslöser ist die von Medienminister Albert Rösti beschlossene Reduktion der Serafe-Abgabe, die die SRG zu Einsparungen von 270 Millionen Franken zwingt.
- Das SSM fordert, den Druck auf die Mitarbeitenden zu senken und warnt vor negativen Auswirkungen auf Motivation und Qualität der SRG-Inhalte.
Bei SRF kommt es im Zuge des Transformationsprojekts Enavant zu Entlassungen. Die SRG will in den kommenden Jahren insgesamt 270 Millionen Franken einsparen. Grund dafür ist die von Medienminister Albert Rösti beschlossene Reduktion der Serafe-Abgabe ab dem kommenden Jahr.
Betroffen von den Einsparungen sind auch langjährige Mitarbeiter. Am Freitag wurde der unfreiwillige Weggang der Dokfilmerin Karin Bauer, seit 32 Jahren bei SRF, bekannt. Auch Radio-Auslandchefin Susanne Brunner (62) muss nach 40 Jahren beim Medienunternehmen gehen.
Lesermeinungen gehen auseinander
Unter den 20-Minuten-Lesern verbreitet sich Unmut. «Die alten, langjährigen Mitarbeiter zu entlassen, die keine Chance mehr auf eine Anstellung haben, ist gelinde gesagt eine Frechheit. Nach 32 und 40 Jahren Treue! Vergesst nicht, eine dicke Abfindung zu verlangen», schreibt User rogyann. Trollnald_Dump findet es «bedenklich, dass man ab 50 oft nicht mehr als wertvoll betrachtet wird». Er kenne einige Menschen, die diese Erfahrung machen mussten. Sie hätten es schwer damit, einen neuen Job zu finden.
«Klassisch: Man entlässt die teuren, erfahrenen und langjährigen Angestellten und kann dann un- oder weniger qualifizierte Junge einstellen, zu einem niedrigeren Lohn natürlich. Das ganze Know-how geht verloren», findet Go4ital.
Anderer Meinung ist antipos: «Das ist natürlich bitter, nachdem man nahezu 40 Jahre in der ‹geschützten Werkstatt› SRF angestellt war …! Aber ich hoffe, die zwei waren sich ihrer Privilegien bewusst, denn jetzt dürfen sie ihr Können auf dem freien Arbeitsmarkt beweisen.» Meerkatze77 meint: «Beide haben jahrelang hervorragend verdient und sind in einem Alter wo sich andere eine Frühpension gönnen. Leisten könnten sie es sich allemal. Das Mitleid hält sich darum in Grenzen.»
Mediengewerkschaft verurteilt Abbau
«Es war uns klar, dass mit dieser Reorganisation ‹Enavant› auch die Zukunft vieler Top-Journalisten gefährdet wird», sagt die Mediengewerkschaft SSM gegenüber 20 Minuten. «Am Beispiel dieser prominenten Fälle sieht man die brutalen Folgen eines Abbaus, den das SSM scharf verurteilt – und der alle betrifft.»
Das vom Bundesrat «ohne Not ausgelöste Sparprogramm» führe zusätzlich dazu, dass die «schon arg angeschlagene» Medienbranche als Ganzes massiv geschwächt werde. Das SSM kämpft nun dafür, dass der Abbau abgemildert werden kann. «Etwa durch eine Reduktion der betroffenen Stellen oder sozialverträglichere Massnahmen.» Sind die von einer Kündigung Betroffenen SSM-Mitglieder, erhalten sie juristische Unterstützung oder Beratung zum weiteren Vorgehen.
Gewerkschaft über die Folgen des Abbaus
Dass von Enavant überproportional viele ältere Arbeitnehmende betroffen sind, dafür hat das SSM keine Hinweise. «Bei der SRG gibt es viele ältere Arbeitnehmer, da die SRG als eines der wenigen Medienunternehmen in der Schweiz älteren Arbeitnehmenden überhaupt noch eine Perspektive bietet.»
Die Gewerkschaft kritisiert, dass der Umbau nicht nur dem SRF schade, sondern auch dem gesamten SRG-Programm, dem Journalismus und der Demokratie der Schweiz. Dass es auch langjährige Angestellte trifft, könne zudem negative Auswirkungen auf die verbleibenden Leute haben. «Wenn verdiente Journalisten ihre Jobs verlieren, dann zeigt das den übrigen SRG-Mitarbeitenden: Egal, wie gut und wichtig man ist, es kann alle treffen. Das raubt den verbleibenden Leuten nicht nur die Perspektive, sondern auch die Motivation, sich für den Journalismus einzusetzen.»
Forderungen
Die Mediengewerkschaft fordert von der SRG, den Druck auf die Mitarbeitenden zu verringern, «solange die Machbarkeit der Massnahmen noch nicht nachgewiesen ist». Vieles wirke «undurchdacht und unerprobt». Auch der Bundesrat übe mit den Sparmassnahmen Druck aus, das dürfe nicht auf Kosten des Personals und der Qualität der Sendungen gehen.
«Der Umgang mit Direktbetroffenen des Stellenabbaus, aber auch mit den zahlreichen Abteilungen und Teams, die unter Zeitdruck diese Massnahmen umsetzen müssen, muss sich ändern», fordert das SSM. «Die Angestellten versuchen – selbst unter den Vorzeichen einer ungewissen Zukunft – nach wie vor ihr Bestes zu geben und die Qualität der SRG-Inhalte Tag für Tag zu gewährleisten.»
Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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