Glarner Plakatgestalter – Dafi Kühne druckt gegen die Zeit

Wer Dafi Kühnes Werkstatt betritt, macht Bekanntschaft mit Maschinen, die älter sind als seine Kundschaft. Im ersten Stock einer Gewerbeliegenschaft stehen Druckmaschinen, die bis zu dreieinhalb Tonnen wiegen. Alle mussten mit Kranen ins Atelier gehievt werden.
Zwischen Bleischriften, Linolschnitten und schweren Pressen arbeitet der Gestalter an Plakaten, die weltweit Aufmerksamkeit erregen.
Ich wollte meine Produktionen von A bis Z autonom durchziehen.
Kühne wirkt selbst wie ein Teil seiner Gestaltung. An einer markanten Halskette hängt eine Lupe, die zugleich Schmuckstück und Werkzeug ist. Damit kontrolliert er Details seiner Drucke. Details sind für ihn entscheidend.
Gegen die Logik der Effizienz
Während heute fast alles digital produziert wird, geht Kühne bewusst den umständlichen Weg. Nach dem Studium kaufte er mit einem Studentenbudget von 500 Franken seine erste Druckmaschine und alte Bleischriften. Was als Experiment begann, wurde zum Lebensentwurf. «Ich wollte meine Produktionen von A bis Z autonom durchziehen.» Wer tagelang gestaltet, möchte auch die letzten Entscheidungen selbst treffen.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 8. Analoge Entwurfs-Maquette. Bis ein Plakat fertig ist, braucht es viel Vorarbeit. Bildquelle: zVg / Bild: Hanna Jaray.
-
Bild 2 von 8. Zu der Kundschaft von Dafi Kühne zählt auch Prominenz. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider hat ihre Neujahrskarte für 2026 von ihm gestalten und drucken lassen. Bildquelle: zVg Dafi Kühne.
-
Bild 3 von 8. Feinstarbeit. Dafi Kühne bei der Detailarbeit an einem Holzbuchstaben. Bildquelle: zVg/ Bild: Hanna Jaray.
-
Bild 4 von 8. Das Werkstatt-Atelier vom Glarner Plakatgestalter befindet sich im ersten Stock auf 450 Quadratmetern. Die Druckmaschinen an ihren Standort zu bringen, war jedes Mal ein Kraftakt und war ohne Kran nicht möglich. Bildquelle: SRF/Olivia Röllin.
-
Bild 5 von 8. Dafi Kühne hat sich bei der Beschaffung von Druckmaschinen auch schon verrechnet. Als er nach dem Studium die erste Maschine kaufte, kostete der Transport mehr als das Doppelte des historischen Relikts. Bildquelle: zVg/Bild: Hanna Jaray.
-
Bild 6 von 8. Beim Umgang mit Bleibuchstaben wie diesen mit 6 Punkten braucht es Fingerspitzengefühl. Bildquelle: SRF/Olivia Röllin.
-
Bild 7 von 8. Messingmatrizen zum Guss von Bleizeilen. Bleisatz war früher das Herzstück für den Druck von Schrift. Bildquelle: zVg / Hanna Jaray.
-
Bild 8 von 8. Der Geruch von Farbe, Metall und Öl verleiht dem Atelier von Dafi Kühne eine spezielle Note. Bildquelle: zVg/Bild: Hanna Jaray.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
In den vergangenen 17 Jahren hat der Plakatgestalter rund 40 Tonnen historisches Material zusammengetragen. Doch Kühne ist kein verstaubter Romantiker, der ein Museum betreibt. Seine Werkstatt verbindet alte Buchdrucktechnik mit modernster Grafik. «Ich brauche Schriften und Geräte, die für meine aktuellen Plakataufträge funktionieren.» Heute besitzt er eine kuratierte Sammlung von funktionalen Maschinen und Werkzeugen, die auf 450 Quadratmetern ihre Dienste leisten.
Perfektion mit Konsequenzen
Kühnes Arbeiten verlangen Geduld. Besteht ein Plakat aus 13 Farben, bedeutet das, dass jedes Blatt 13 Mal durch die Maschine geführt werden muss. «Es gibt im analogen Leben keine Abkürzungen», sagt Kühne. Dieser Satz beschreibt nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Haltung.
Wie kompromisslos er denkt, zeigt eine Ausstellung neulich in Tokio. Die Plakate dafür produzierte er entgegen den Erwartungen der Japaner selbst. Nach drei Tagen Arbeit bemerkte er einen winzigen Fehler: Das «ü» in seinem Namen war in der falschen Schriftgrösse gesetzt. Für viele unsichtbar. Für ihn nicht.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Hätten Sie den Fehler auch entdeckt? Ein Buchstabe hat die falsche Grösse – 42 statt 48 Punkt. Bildquelle: zVg Dafi Kühne.
-
Bild 2 von 3. In einer Tag- und Nachtaktion hat Dafi Kühne die fehlerhaften Plakate für die Ausstellung in Tokio nochmals gedruckt. Blatt für Blatt und Farbe für Farbe. Bildquelle: zVg Dafi Kühne.
-
Bild 3 von 3. Teile aus einem alten Meccano-Baukasten aus den 1960er Jahren verwendete Dafi Kühne für die Druckform des Plakats. Bildquelle: zVg Dafi Kühne.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Er besorgte auf die Schnelle neues Papier und druckte die gesamte Auflage noch einmal. In einer Tag- und Nachtschicht. «Es musste sein», sagt er rückblickend. «Es ist der eigene Anspruch, der einem im Weg steht.»
Alte Werkzeuge, neue Ideen
Kühne versteht sich nicht als Bewahrer der Vergangenheit. Zwar arbeitet er mit historischen Maschinen, doch seine Ideen sind radikal zeitgenössisch. Er kombiniert historische Techniken mit modernen Gestaltungsideen und schafft so etwas Eigenständiges.
Banales als Quelle der Inspiration
Inspiration findet Dafi Kühne oft im Unperfekten. Etwa in einer zertrampelten Zigarettenpackung, die bei Regen vor einer Bushaltestelle liegt. Aus dem Banalen und vermeintlich Unschönen schöpft er die Kraft, etwas völlig Neues zu kreieren – und das in Perfektion.
Dafi Kühne zeigt, dass Fortschritt nicht immer bedeutet, schneller zu werden. Das Besondere entsteht oft dort, wo jemand mehr Zeit und Herzblut investiert als andere.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.