Nach Nationalratsentscheid – Swiss Olympic will an Geschlechterquoten festhalten

Nach Nationalratsentscheid Swiss Olympic will an Geschlechterquoten festhalten
Der Nationalrat will diese Quote nicht mehr. Der Dachverband des Schweizer Sports, Swiss Olympic, dagegen sehr wohl.
23.09.2026, 17:30
Gleichberechtigung ist dem Bundesrat wichtig. Er hat beschlossen, dass in nationalen Sportverbänden seit letztem Jahr im Vorstand Männer und Frauen jeweils zu mindestens 40 Prozent vertreten sein müssen.
Doch diese Regelung steht jetzt schon wieder auf der Kippe: Der Nationalrat will die Quote abschaffen. Dies hat er vergangenen Dienstag mit 109 zu 81 Stimmen entschieden.
Voten aus der Debatte im Nationalrat
Swiss Olympic setzt die Quote jedoch aus Überzeugung um. «Dadurch können verschiedene Blickwinkel in die Gremien einfliessen», sagt der Medienverantwortliche Alexander Wäfler. «Ausserdem ist eine ausgewogene Geschlechtervertretung ein wichtiges Führungsinstrument der Good Governance: Sie trägt zu einer guten Verbandsführung bei.»
Für mich ist eine Geschlechterquote eine Beleidigung.
Deswegen habe sich Swiss Olympic im Vorfeld der Nationalratsdebatte auch dafür eingesetzt, an der Geschlechterquote festzuhalten. Swiss Olympic sei überzeugt, dass die Verbände die Vorteile diverser Führungen spürten. Laut Wäfler erfüllen mittlerweile 87 Prozent der Verbände die Vorgabe oder sind daran, diese umzusetzen.
Trotzdem soll die Geschlechterquote weg, sagt SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner. Sie hatte die Motion zur Abschaffung der Geschlechterquote eingereicht. Denn sie sieht darin keinen Vorteil – im Gegenteil: «Für mich ist das eine Beleidigung: Wenn ich in ein Gremium komme, in dem eine Quote besteht, weiss schlussendlich niemand: Ist sie da, weil sie etwas kann – oder weil man noch eine Frau gebraucht hat?»
Geschlechterquote «realitätsfremd»
Ausserdem sei die ausgeglichene Vertretung beider Geschlechter für gewisse Verbände realitätsfremd. Als Beispiel wird gerne der Schwingerverband genannt, der zu grossen Teilen männliche Mitglieder hat. Und gerade für kleine Sportverbände und Vereine seien Quoten eine grosse Hürde.
Zwar gilt die Geschlechterquote nur für die nationalen Sportverbände. Aber: «Jeder, der in einem nationalen Amt ist, wurde irgendwann einmal in ein regionales Amt rekrutiert oder hat dort seine Erfahrungen gesammelt», sagt SVP-Nationalrätin Heimgartner. Und erst nach solchen Tätigkeiten lande man in den allermeisten Fällen in einem nationalen Verband. Insofern wirke sich die Vorgabe auf alle Verbände aus.
Swiss Olympic ist es sehr wichtig, dass die Verbände die Vorgaben mit Augenmass umsetzen können.
Die nationalen Sportverbände müssen Sanktionen befürchten, wenn sie die Quote nicht erreichen und nicht glaubhaft darlegen können, wieso. Zumindest in der Theorie. Finanzielle Kürzungen wurden bisher keine ausgesprochen, erklärt Alexander Wäfler.
«Swiss Olympic ist es sehr wichtig, dass die Verbände die Vorgaben mit Augenmass umsetzen können», so der Medienverantwortliche. Mit dem «Comply or explain»-Ansatz sei dies gegeben: Die Verbände hätten also die Möglichkeit, zu erklären, mit welchen Massnahmen sie die Ziele erreichen wollten.
Nun liegt der Ball beim Ständerat
Dass es noch keine Konsequenzen gab, ist für Heimgartner kein Argument: «Ich gehe davon aus, dass sie irgendwann Konsequenzen befürchten müssen. Sonst wäre die Regelung ja ein Witz.» Deswegen will die SVP-Politikerin schon jetzt eingreifen.
Geschlechterquote: Ja oder Nein? Als Nächstes entscheidet der Ständerat.
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