Zoff um Subventionen: «Wir müssen die Bauernübermacht in den Parlamenten brechen!»
Zoff um Subventionen
«Wir müssen die Bauernübermacht in den Parlamenten brechen!»
517 Millionen Franken für Mercosur-Begleitmassnahmen, Milliarden für die Landwirtschaft und hohe Direktzahlungen an Politiker: Die Schweizer Bauern sorgen in der Community für Gesprächsstoff.
Publiziert: vor 23 Minuten
Darum gehts
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- Schweizer Parlament bewilligt 517 Mio. Franken für Mercosur-Begleitmassnahmen bis 2030
- Kritik an hohen Subventionen und ungleicher Verteilung zugunsten grosser Betriebe
- 2030–2033 plant Bund 14 Mrd. Franken für Landwirtschaftsausgaben
Für die Schweizer Bauern läuft es derzeit gut: Beim Freihandelsabkommen Mercosur hat das Parlament Begleitmassnahmen von 517 Millionen Franken für sechs Jahre beschlossen – mehr als dreimal so viel, wie der Bundesrat ursprünglich beantragt hatte. Gleichzeitig plant der Bund mit der Agrarpolitik ab 2030 die nächste grosse Reform. Für die Jahre 2030 bis 2033 sind knapp 14 Milliarden Franken für die Landwirtschaft vorgesehen.
Die Bauern bilden die mächtigste Lobbygruppe im Schweizer Parlament. Für Gesprächsstoff sorgen derweil auch die Direktzahlungen an Politiker: 2025 erhielt SVP-Nationalrat Didier Calame 239'217 Franken, sein Parteikollege Sylvain Freymond 167'240 Franken. Auch SVP-Präsident Marcel Dettling und Grünen-Nationalrat Kilian Baumann gehören zu den Politikern, die Direktzahlungen erhalten.
Bauernlobby sorgt für Ärger
Die Zahlen und die Macht der Bauernlobby lösen in der Community eine Grundsatzdebatte aus: Viele halten die hohen Subventionen und den Einfluss der Lobby für nicht mehr vertretbar. So schreibt Leser Peter Bucher: «Wir müssten die Bauernübermacht in den Parlamenten endlich brechen. 517 Millionen statt der beantragten 158 Millionen nur für Begleitmassnahmen zu Mercosur – das ist doch der pure Wahnsinn. Während wir alle zu kämpfen haben, schanzen sich die Bauern in den Parlamenten die Millionen selber zu.»
Michael Ronner kritisiert ebenfalls den Umfang der staatlichen Unterstützung: «Dass Direktzahlungen an Kriterien gebunden sind, ist unbestritten. Doch auch diese Mittel stammen vom Steuerzahler.» Die 78'201 Franken Direktzahlungen an SVP-Präsident Marcel Dettling im Jahr 2025 entsprächen beinahe einem Schweizer Jahresmedianlohn. «Für mich als Steuerzahler ist diese Dimension mehr als genug Anlass, über den Umfang der staatlichen Unterstützung zu diskutieren.»
Kritik an der Verteilung der Gelder
Andere stören sich weniger an den Subventionen an sich, sondern daran, wohin das Geld fliesst. Etienne Tamkin spricht von einem tiefen Verteilungsproblem: «Weil das System vor allem Fläche und Betriebsgrösse belohnt, fliesst das meiste Geld dorthin, wo die Höfe ohnehin schon gross und profitabel sind.» Besonders die kleinen Bergbauern, die unter härtesten Bedingungen den grössten Beitrag zum Landschaftsschutz erbringen, würden dabei zu kurz kommen. «Direktzahlungen gehören endlich transparent gedeckelt und gerechter verteilt», fordert er.
Diese Kritik kommt auch aus den Reihen der Bauern selbst. Elisabeth Barbara Zürcher schreibt: «Wir erhalten gerade mal knapp 300 Franken im Monat Direktzahlungen und sind in der Bergzone 3! Wenn die Falschen abschöpfen, sind es die, die riesige Betriebe haben. Die Kleinen werden langsam, aber sicher ausgeblutet!»
Verständnis für die Bauern
Andere Leser verteidigen dagegen die Unterstützung für die Landwirtschaft grundsätzlich. So argumentiert Leser Markus Berner: «Ohne die Unterstützung der Landwirtschaft könnten wir uns die Schweizer Lebensmittel nicht mehr leisten.» Die Bauern erhielten zu wenig für ihre Produkte, weshalb der Staat für entsprechende Leistungen einstehe. Zudem dürfe man die Zahlungen nicht isoliert betrachten: «Die Subventionen beziehen sich auf die Betriebe, also muss man die ganze Rechnung ansehen.»
Peter Furrer erinnert daran, wie viel Arbeit hinter der Landwirtschaft steckt: «Ich empfehle jedem, ein Jahr lang alle Arbeiten als Bauer zu machen. Von den Arbeitszeiten will ich gar nicht sprechen.» Gleichzeitig warnt er davor, die Bedeutung der Landwirtschaft für die Landschaft und die Versorgung zu unterschätzen: «Stellt euch mal vor, wie die Landschaft aussehen würde, wenn das Land nicht bearbeitet würde. Es würde alles verwuchern und zuwachsen. Deshalb appelliere ich an alle, dankbar zu sein, dass es überhaupt noch Bauern gibt!»
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