Entscheid in der Covid-Affäre: Xhaka und Embolo können aufatmen

Darum gehts
- Granit Xhaka und Breel Embolo dürfen ab dem 9. November wieder für die Schweizer Nati spielen.
- Der SFV beendet die Pause nach der Aufarbeitung der beiden Zertifikatsaffären aus der Corona-Zeit.
- Neue SFV-Leitlinien zu strafrechtlich relevantem Verhalten gelten für alle Nationalteams.
Wenn die Schweizer Nati am 9. November in St. Gallen zusammenkommt, dürfen auch Granit Xhaka (34) und Breel Embolo (29) wieder dabei sein. Der SFV hat nach der Aufarbeitung der beiden Zertifikatsaffären entschieden, dass einer Rückkehr der beiden Leistungsträger nichts mehr im Weg steht. Dies teilte der Verband am Dienstag in einem Communiqué mit.
«Der SFV hat die beiden Fälle umfassend geprüft und ist zum Schluss gekommen, dass die Rückkehr der Spieler nach Abschluss der juristischen Verfahren und unter Berücksichtigung der sportlichen Konsequenzen (vier verpasste Länderspiele im September und Oktober) vertretbar ist», so der SFV.
«Ist verantwortbar und richtig»
Nationalteam-Direktor Pierluigi Tami sagt: «Wir haben uns unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven damit auseinandergesetzt. Die konkreten Umstände der beiden Angelegenheiten, die abgeschlossenen juristischen Verfahren und die bereits erfolgten sportlichen Konsequenzen sind in den Entscheid eingeflossen. Wir sind überzeugt, dass eine Rückkehr ins Nationalteam im November verantwortbar und richtig ist.»
Auch wichtig zu erwähnen: Granit Xhaka bleibt Captain der Schweizer Nati. «Der Nationaltrainer und sein technischer Staff haben gemeinsam mit dem Spielerrat einstimmig entschieden, dass Granit Xhaka Captain der Nati bleibt», so der SFV.
Das steckt hinter den beiden Covid-Affären
Damit endet für Xhaka und Embolo die Zwangspause, die ihnen der Verband für die vier Nations-League-Partien im September und Oktober auferlegt hatte. Die beiden Spieler hatten wegen ihrer Verfehlungen aus der Corona-Zeit auf die Länderspiele gegen Nordmazedonien, Schottland und Slowenien verzichten müssen.
Im September war bekannt geworden, dass Nati-Captain Xhaka während der Pandemie eine gefälschte Impfbestätigung erworben hatte. Der Mittelfeldspieler räumte den Fehler – mit grosser Verzögerung – öffentlich ein und entschuldigte sich dafür.
Der 34-jährige Basler erklärte, während der Pandemie grosse Bedenken gegenüber der Covid-Impfung gehabt zu haben. Gemeinsam mit der SFV-Führung entschied er anschliessend, dem Nati-Zusammenzug fernzubleiben.
Wenige Tage später geriet auch Embolo wegen gefälschter Covid-Zertifikate in die Schlagzeilen. Der 29-jährige Basler hatte 2021 entsprechende Reisedokumente erworben und war dafür rechtskräftig zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 3000 Franken verurteilt worden. Der Stürmer musste ebenfalls auf den Nati-Zusammenzug verzichten.
Im Gegensatz zu Embolo war das Strafverfahren gegen Xhaka zum Zeitpunkt der Enthüllungen noch nicht abgeschlossen. Kurz vor dem Spiel gegen Nordmazedonien ist Xhaka in Luzern – zwei Kilometer Luftlinie vom Stadion Allmend entfernt – verurteilt worden.
Neue Leitlinien gelten auch für Frauen und Junioren
Die Fälle Xhaka und Embolo haben beim SFV die Frage aufgeworfen, wie der Verband künftig mit strafrechtlich relevantem Verhalten seiner Nationalspielerinnen und Nationalspieler umgehen soll. Dafür hat man im Hauptsitz in Bern neue Leitlinien erarbeitet, die als Grundlage für entsprechende Entscheidungen dienen sollen.
Im Zentrum steht ein Massnahmenpapier, das nach dem Prinzip eines Flussdiagramms funktioniert. Dabei wird unter anderem die Schwere eines Delikts berücksichtigt. Je nach Vergehen kommen unterschiedliche Massnahmen infrage.
Allerdings will der Verband keinen starren Strafenkatalog anwenden. Vielmehr soll jeder Fall individuell beurteilt werden. Das Papier dient als Orientierungshilfe, ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung mit den konkreten Umständen.
SFV-Präsident Peter Knäbel: «Mit unseren neuen Leitlinien schaffen wir verbindliche Grundlagen, um juristisch relevante Situationen künftig nach klaren, transparenten und nachvollziehbaren Kriterien beurteilen zu können.» Die Leitlinien treten per 1. November 2026 in Kraft und gelten für alle Sachverhalte, die ab diesem Zeitpunkt bekannt werden.
Bereits vor Inkrafttreten bekannte Sachverhalte können nach diesen Leitlinien beurteilt werden, soweit dies für einen zukünftigen Entscheid über ein Aufgebot oder einen Einsatz erforderlich ist. «Wichtig ist, dass basierend auf diesen Leitlinien jeder Fall einzeln beurteilt wird und dass die betroffenen Personen vom SFV auch begleitet und bei Bedarf geschützt werden», ergänzt Knäbel.
Umgang mit strafrechtlich relevanten Vorfällen
Dabei geht es dem SFV ausdrücklich nicht nur darum, fehlbare Spielerinnen und Spieler zu sanktionieren. Die neuen Leitlinien sollen einen differenzierten Umgang mit Verfehlungen ermöglichen und gleichzeitig für nachvollziehbare und einheitliche Entscheidungen sorgen.
Wichtig: Die Regeln gelten nicht nur für die Männer-Nati. Sie betreffen sämtliche Nationalmannschaften des SFV, also auch die Frauen-Nati sowie die Juniorinnen- und Juniorenauswahlen. Damit will der Verband eine gemeinsame Grundlage für den Umgang mit strafrechtlich relevanten Vorfällen schaffen.
SFV setzt auf Wiedereingliederung statt weitere Sperre
Bei Xhaka und Embolo zieht der SFV nun einen Schlussstrich unter die sportlichen Konsequenzen der beiden Affären. Nach der internen Aufarbeitung sieht die Verbandsführung keinen Grund, die beiden Spieler weiterhin von der Nati fernzuhalten. Eine zusätzliche sportliche Sperre ist nicht vorgesehen.
Trainer Murat Yakin hat sich schon vor dem Entscheid des Zentralvorstands für die beiden Teamleader ausgesprochen. Mit Xhaka kehrt der Captain und wichtigste Taktgeber im Mittelfeld zurück. Embolo ist im Angriff einer der zentralen Figuren.
Zwei entscheidende Spiele stehen bevor
Am Montag, 9. November, beginnt in St. Gallen die Vorbereitung auf die letzten beiden Nations-League-Partien des Jahres. Am Freitag, 13. November, trifft die Schweiz auswärts in Ljubljana auf Slowenien.
Drei Tage später empfängt die Nati in St. Gallen Schottland. Nach vier Siegen aus vier Spielen führt die Schweiz ihre Gruppe in der Liga B souverän an. Der Wiederaufstieg dürfte nur noch Formsache sein – genauso wie die Wiedereingliederung von Xhaka und Embolo.
Wie stehst du dazu, dass Xhaka und Embolo wieder in die Nati zurückkehren?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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