Teure Naturkatastrophen – Versicherer lagern mit «Cat Bonds» Risiken an Anleger aus

Klimaschäden werden für Versicherer zum Hochrisikofaktor. Immer öfter lagern sie ihre Risiken an den Kapitalmarkt aus.
26.09.2026, 07:05
Wenn ein Hurrikan Florida verwüstet, ein Erdbeben Japan erschüttert oder eine schwere Überschwemmung ganze Regionen lahmlegt, können für Versicherer und Rückversicherer Schäden in Milliardenhöhe entstehen. Um einen Teil dieses Risikos auszulagern, nutzen viele von ihnen sogenannte «Catastrophe Bonds» (Cat Bonds).
Dabei übertragen sie über eigens gegründete Zweckgesellschaften bestimmte Katastrophenrisiken an den Kapitalmarkt. Anleger werden dafür mit attraktiven Zinsen entschädigt, können aber auch viel oder im schlimmsten Fall alles verlieren.
Wachsender Markt
Je nach Risikoprofil können Cat Bonds Renditen von acht bis zwölf Prozent erzielen. Der Markt für Katastrophenanleihen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. 2025 war ein Rekordjahr.
Dass am Kapitalmarkt immer mehr auf das Nicht-Eintreten von Naturkatastrophen gewettet wird, mag angesichts der steigenden Anzahl Naturkatastrophen erstaunen. Doch auf den zweiten Blick sind die Anleihen attraktiv, weil sie unabhängig von den Finanzmärkten sind.
Ob ein Erdbeben oder ein Hurrikan passiert, hat nichts damit zu tun, wie die Aktienmärkte performen.
Mirjam Wiget, Leiterin für Alternative Kapitalanlagen beim Rückversicherer Swiss Re, beschreibt das Anlageinstrument so: «Ob ein Erdbeben oder ein Hurrikan passiert, hat nichts damit zu tun, wie die Aktienmärkte performen.» Zudem würden die Anleger – das sind vor allem institutionelle Anleger wie Pensionskassen – mit einer hohen Rendite für ihr Risiko kompensiert.
Bei Pensionskassen beliebt
Tritt das versicherte Katastrophenereignis ein, verlieren die Anleger einen Teil ihres investierten Kapitals oder erleiden gar einen Totalverlust. Das Geld wird von den Versicherern zur Deckung der Schäden verwendet. «Das Geld hilft dabei, das ganze Versicherungssystem robuster zu machen. Gerade sehr grosse Katastrophen können lokal sehr viel Kapital verschlingen», sagt Wiget. Cat Bonds helfen also, dass das Versicherungssystem nach einer Katastrophe nicht überlastet wird.
Nach Angaben des Beratungsunternehmens PPCmetrics ist mittlerweile rund jede dritte Schweizer Pensionskasse in Katastrophenanleihen investiert. Der Anteil am Gesamtvermögen bleibt meist gering. In der Regel dürften weniger als zwei Prozent des Anlagevolumens in solche Produkte fliessen. Insgesamt entspräche das etwa einem investierten Volumen von rund fünf Milliarden US-Dollar. «Pensionskassen nutzen sie als gut verzinste Form der Risikodiversifikation», sagt Stephan Skaanes, Partner bei PPCmetrics.
Aufgrund der vergleichsweise geringen Investitionen seien die Risiken für die Pensionskassen überschaubar. «Pensionskassen streuen ihre Risiken extrem breit und könnten auch einen hypothetischen Totalausfall sehr gut verkraften», so Skaanes.
Viel Potenzial
Umweltrisiken aus aller Welt in Fonds bündeln und mit Investorengeld absichern ist lukrativ für Anleger und gleichzeitig eine Absicherung für Katastrophengebiete. Vielerorts wäre Bedarf für mehr Kapital, vor allem in Lateinamerika, Asien und Afrika.
Zuletzt war nur die Hälfte der weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen versichert. Sabine Döbeli, Geschäftsführerin bei Swiss Sustainable Finance, hofft deshalb, dass künftig noch mehr Geld in Cat Bonds fliesst: «So könnten noch mehr Risiken an Privatinvestoren transferiert werden.»
Treten Umweltkatastrophen ein, bringen Cat Bonds schnell Geld für den Wiederaufbau. Bestenfalls bringen die Anleihen lukrative Renditen.
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