«Ferien funktionieren immer»: Coiffeure verraten Smalltalk-Tipps

Du wirst an einer Party einer fremden Person vorgestellt, es wäre angebracht, ein lockeres Gespräch zu beginnen – doch in deinem Kopf herrscht plötzlich gähnende Leere. Während andere scheinbar mühelos mit jedem quatschen können, kann Smalltalk ganz schön anstrengend sein, wenn man ihn nicht gewohnt ist. Vermeiden lässt er sich manchmal trotzdem nicht.
Wie gehst du mit Smalltalk um, wenn du neue Leute triffst?
Für Coiffeusen und Coiffeure gehört genau das zum Arbeitsalltag. «Wir sind Smalltalk täglich ausgesetzt, von morgens bis abends – da sind wir Profis», sagt Simone Rigliaco gegenüber 20 Minuten. Gemeinsam mit Larissa Ott und Jenny Weiss verrät er die besten Tipps, mit denen Gespräche leichter ins Rollen kommen.
Über die Experten
Simone Rigliaco ist Hairstylist und Inhaber der Zürcher Liquid Hair Salons.
Larissa Ott ist Hairstylistin und Inhaberin von Blushblond in Zürich.
Jenny Weiss ist Coiffeuse und Inhaberin von Viv Hair in Baden.
Such nicht nach der perfekten Einstiegsfrage
Was sage ich bloss? Darüber musst du dir laut Larissa Ott gar nicht so viele Gedanken machen. «Eigentlich bin ich keine klassische Smalltalkerin», sagt die Coiffeuse. Standardfragen wie «Was machst du beruflich?» stelle sie selten. Stattdessen entsteht das Gespräch bei ihr meist aus der Situation heraus.
Mach es genauso: Greif etwas auf, das euch ohnehin gerade verbindet – den Ort, den Anlass oder das, was ihr gerade tut.
Hab eine Notfallfrage parat
Wenn dir trotzdem nichts einfällt, hat Rigliaco einen unkomplizierten Gesprächsöffner: «Hattest du schon Ferien oder stehen bald welche an?» Auch Wochenendpläne oder Restaurants seien dankbare Themen.
Hinter der Standardfrage steckt eigentlich etwas anderes. «Ich stelle die Frage nicht, weil ich wissen möchte, wohin jemand reist, sondern weil sie ein super Einstieg ist. Plötzlich erzählt jemand vom neuen Job, einer bevorstehenden Hochzeit, einer Trennung oder einem Umzug», sagt Rigliaco. «Dann führt ein Thema zum nächsten.» Eine einzige offene Frage kann also reichen, damit das Gespräch von selbst weiterläuft.
Such nach Gemeinsamkeiten
Jenny Weiss fragt neue Kundinnen, wo sie wohnen oder ob sie aus der Nähe kommen. «Haben wir gemeinsame Bekannte oder Freunde, bondet das und lockert die Stimmung.»
Bei einer zurückhaltenden 19-jährigen Kundin suchte Weiss kürzlich bewusst nach einem gemeinsamen Nenner – trotz Alters- und Lifestyle-Unterschied. «Beim Thema Dating merkte ich, dass ich zu ihr durchdringen konnte.» Startet ein Gespräch harzig, kann eine Gemeinsamkeit reichen, damit es plötzlich läuft.
Hör zu, statt schon die nächste Frage zu planen
Du musst nicht im Kopf drei weitere Fragen vorbereiten, während dein Gegenüber noch spricht. «Das Wichtigste ist für mich, echtes Interesse zu zeigen und zuzuhören. Dann ergibt sich vieles ganz von selbst», sagt Rigliaco.
Auch Ott erlebt, dass aus anfänglichem Smalltalk mit ihren Kundinnen persönliche und tiefgründige Gespräche entstehen. Wer aufmerksam zuhört, bekommt die nächsten Gesprächsthemen häufig frei Haus geliefert.
Kurze Antwort? Du darfst aufhören
Vielleicht liegt es gar nicht an deinen Smalltalk-Fähigkeiten, wenn ein Gespräch nicht in Gang kommt. Manche Menschen möchten schlicht nicht reden. Das erkennt Rigliaco unter anderem daran, wie jemand auf seine Ferienfrage reagiert. Kommt nur eine knappe Antwort und nichts weiter, lässt er die Person entspannen.
«Ich finde, man merkt relativ schnell, wie jemand drauf ist, und sollte sich entsprechend anpassen.» Auch Weiss hält dieses Gespür nach 17 Jahren im Beruf für mindestens genauso wichtig.
Du musst nicht jede Stille füllen
Und dann wäre da noch der Moment, den einige besonders fürchten: Niemand sagt etwas. Rigliaco hat dafür eine simple Regel: «Nicht krampfhaft versuchen, jede Stille zu füllen!» Er sagt: «Wir Coiffeure sprechen den ganzen Tag. Da ist ein ruhigerer Termin zwischendurch auch für uns mehr als willkommen.»
Oft bringt gerade ein kurzer, ruhiger Moment dein Gegenüber dazu, noch mal nachzuhaken.
Offenheit hilft – aber übertreib es nicht
Etwas von dir selbst preiszugeben, kann Nähe schaffen. Weiss bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als Oversharerin. «Ich muss ab und an darauf achten, meine Kundinnen nicht zu überfordern», sagt sie. Gleichzeitig möge sie diese Eigenschaft, weil sie sie «greifbar und authentisch» mache.
Ihr Rezept: offen sein, aber darauf achten, wo die Grenzen des Gegenübers – und die eigenen – liegen.
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Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.
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