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Sunday, October 4, 2026

Tigers-Kultfigur Elik spricht über seine Krebs-Erkrankung

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Es ist früher Morgen in seiner Heimat Kanada, als Todd Elik mit Blick spricht. Aus Toronto stammend, lebt der 60-Jährige seit wenigen Jahren im beschaulichen Örtchen Ferland in der Provinz Saskatchewan. Oder eher in der Siedlung Ferland, die gerade mal 14 Einwohner zählen soll. Wie es das einstige Hockey-Raubein dorthin verschlagen hat? «Meine Frau ist aus dieser Gegend, wir leben in ihrem einstigen Elternhaus», erzählt Elik, «wir lieben das einfache, ruhige Leben auf dem Land. Wir haben einen Obstgarten.»

Sie beide seien sozusagen im Vorruhestand. Elik, der in der National League für die SCL Tigers, Zug, Davos, Lugano und in der Swiss League bei Langenthal und Thurgau Duftmarken hinterlassen hat, ist als ehrenamtlicher Trainer mit dem Hockey verbunden geblieben. In der eine Stunde entfernten Gemeinde Assiniboia betreut er das Junioren-Team Southern Rebels. Rebellen, das passt zum Charakterkopf, der hierzulande Kultstatus erlangt und sich auch in der NHL (Boston, San Jose, Minnesota, Edmonton) durchgebissen hat. «Ich brauche nicht mehr viel, es ist ein gutes Leben hier.» Worte eines Mannes, der vor neun Monaten von der Diagnose Darmkrebs erschüttert worden ist.

Blick: Todd Elik, wie geht es Ihnen heute? Todd Elik: Was den Krebs angeht, bin ich zuversichtlich. Die Werte sind gut. Der Tumor ist wirklich stark geschrumpft, extrem stark sogar. Mein Blutbild ist in Ordnung, alles andere auch. Es sind nur die Nebenwirkungen der Chemotherapie, die mich wirklich stören. Der Hautausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut.

Der Krebs hat bereits Metastasen gestreut? Genau, rückblickend habe ich einfach zu lange gewartet. Ich hätte es schon sechs Monate früher abklären lassen sollen. Letzten September ging es mir nicht gut, ich bekam Probleme beim Pinkeln. Als ich mich endlich habe untersuchen lassen und die Diagnose bekam, war der Krebs bereits im Stadium vier, was höchste Dringlichkeit bedeutet. Er hat Metastasen in meiner Leber und meiner Lunge gebildet. Ich bin gespannt, wie es um meine Leber und meine Lunge steht, denn ich habe mittlerweile zwölf Chemotherapien hinter mir und alle meine Werte sind gesunken. Es gibt wahrscheinlich noch einige, aber hoffentlich sind sie zurückgegangen.

Was hat Sie zunächst davon abgehalten, zum Arzt zu gehen? Weisst du, wir versuchen, harte Kerle zu sein, Eishockey-Jungs halt. Wir glauben, wir könnten mit den Schmerzen fertig werden und man denkt bei allen Problemen, dass sie schon wieder verschwinden werden. Aber dieses Mal sind sie leider nicht verschwunden, also musste ich es abklären lassen.

Wie hat sich Ihr Leben durch die Diagnose verändert? Es war ein Schock. Die Ärzte haben nichts beschönigt. Das Erste, woran man denkt, ist der Tod. Bei Krebs denkt man eben, man wird sterben. Dann leiteten wir die nächsten Schritte ein, sind zum Onkologen gegangen und haben dann mit der Chemo angefangen.

Sie waren immer ein charakterstarker Spieler. Hilft Ihnen das mental bei Ihrem Kampf gegen den Krebs? Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon andere Dinge gemeistert, wenn auch nicht gesundheitlich. Aber durch das Eishockey und die damit verbundenen Herausforderungen – das hilft mir auf jeden Fall. Ich bleibe stark.

Gab es auch Tage, an denen Sie mit Ihrem Schicksal haderten? Wir alle haben eine Geschichte, Nicole. Jeder Spieler, der das höchste Niveau erreicht hat, was für mich die NHL war. Meine Beharrlichkeit und die Tatsache, dass ich jeden Tag hart gearbeitet und mich aufs Neue beweisen musste – das lag mir einfach im Blut. Der Kampf war immer präsent.

Sie haben um Siege und Spiele gekämpft, aber jetzt kämpfen Sie um Ihr Leben. Genau, es ist jetzt einfach eine andere Herausforderung. Also stelle ich mich ihr und versuche, jeden Tag zu kämpfen und mich durchzubeissen.

Was hat Ihnen geholfen, an schwierigen Tagen durchzuhalten? Ihre Frau? Wir haben uns gefragt: Was können wir tun? Was bleibt einem übrig, ausser zu kämpfen? Wir müssen positiv bleiben. Das Wichtigste war eine positive Einstellung. Ich glaube, das hilft wirklich dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und gute Laune zu behalten. Das Einfachste wäre, aufzugeben. Das Einfachste wäre, auf der Couch zu sitzen und nichts zu tun. Aber ich stand gestern mit dem Team an der Bande, wir haben unser erstes Spiel gewonnen. Das hält mich auf Trab und lenkt mich ab. In meinem Leben hat sich nicht viel verändert, ich bin einfach erschöpfter und müder. Ich erledige immer noch alle meine Aufgaben in meinem Alltag.

Kostet Sie das Coaching nicht viel Energie? Der Klub geht ziemlich gut mit mir um. Die Jungs sind unglaublich. Wir haben da wirklich etwas Besonderes aufgebaut. Es ist eine kleine Stadt. Der Vorsitzende ist unglaublich. Er baut eine brandneue Eishalle und kümmert sich um alles rund um den Verein. Sie tun alles, was sie können, damit die Spieler richtig gut spielen.

Haben Sie offen mit den Spielern über ihre Krebs-Erkrankungen gesprochen? Natürlich, Offenheit ist für mich die richtige Herangehensweise. Themen direkt und klar anzugehen. Alle wissen es, sind sehr mitfühlend. Und sie kämpfen, sie wollen arbeiten, sie wollen gewinnen. Ich denke, zum grossen Teil für mich und dann auch für das Team. Das ist schön.

Gab es Tränen in der Garderobe? Oder bei einem harten Kerl wie Ihnen? An der Abschlussfeier nach der letzten Saison. Das war eine schwere Zeit für mich. Ich hatte einen Kloss im Hals, weil es für mich ziemlich emotional war. Wir überreichten den Spielern einige Auszeichnungen. In diesem Moment bin ich innerlich ein bisschen zusammengebrochen. Ich glaube, alle haben das verstanden, alle Eltern und Spieler. Also, ja, es gab Tränen.

Sie kämpfen seit Monaten gegen Krebs. Was würden Sie Betroffenen raten? Einfach weiterkämpfen. Das ist alles, was man tun kann. Positiv bleiben und weiterkämpfen.

Gab es viele Nachrichten und Reaktionen aus der Schweiz, die Sie berührt haben? Oh ja, auf jeden Fall. Es ist fast ein bisschen überwältigend. Die Leute waren sehr nett. Ich glaube, das würde doch jeder tun, oder? Ich meine, wenn jemand krank ist, wünscht man ihm alles Gute.

Ist es für Sie schwer, um Hilfe zu bitten oder Hilfe anzunehmen? Ja, man will diese Schwäche nicht zeigen, weil dich alle als diesen harten Kerl wahrnehmen. Man denkt, man könne mit allem fertig werden. Aber letztendlich suchst du nach Lösungen, die dir helfen, wieder gesund zu werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich das schaffen werde. Ich muss mich vielleicht später im Leben nochmals damit auseinandersetzen. Jetzt hoffe ich, dass das Krebsgeschwür weiter schrumpft, sodass man es vielleicht operativ entfernen kann. Das ist derzeit unser Ziel.

Sie haben den Tigers-Fans kürzlich eine Video-Botschaft zukommen lassen. Hat Sie das viel Mut gekostet, weil Sie die Leute jetzt mit anderen Augen sehen? Ich dachte einfach, es sei das Richtige, um ihnen etwas zurückzugeben. Ich weiss ihren Zuspruch wirklich zu schätzen.

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Elik meldet sich bei Fans:«Hoffe, dass ich nach Langnau zurückkehren kann»

Warum denken Sie, sind Sie in der Hockey-Schweiz, insbesondere in Langnau, zu einer Kultfigur geworden? Ich weiss es wirklich nicht. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und schätze dieses Leben. Einkaufen oder spazieren gehen, mit den Leuten sprechen. Ich bin als Mensch nicht anders als sie. Wir hatten, so glaube ich, grossen gegenseitigen Respekt.

Gibt es Geschichten aus Ihrer Zeit in der Schweiz, die Sie heute noch zum Lachen bringen? Das siebte Spiel der Liga-Quali 1999 mit Langnau gegen Chur. An diesem Abend hatte ich irgendwie einen guten Lauf. (Lacht.)

In Spiel fünf liess sich Elik von Zuschauern provozieren und schlug mit seinem Stock in die Zuschauerränge hinter der Spielerbank. Dafür wurde der Haudegen für zwei Spiele gesperrt. Doch dank eines Rekurses mit aufschiebender Wirkung durfte Elik in der Finalissima in Chur antreten. Nach einem 0:2-Rückstand drehte er das Duell fast im Alleingang. Mit einem Tor und sechs Assists orchestrierte er die Wende zum 7:2-Sieg und zum Ligaerhalt.

Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie den Spieler Todd Elik beschreiben? Ich habe gelernt, hart zu spielen, auf Sieg zu spielen, um jeden Preis. Verantwortung zu übernehmen, lag mir im Blut. So wurde es mir beigebracht. Das habe ich dann mit in die Schweiz genommen. Wahrscheinlich waren nicht viele Leute glücklich darüber, weil ich emotional war. Die Schiedsrichter vermutlich auch nicht. Ich war ein hart arbeitender Spieler mit Leidenschaft und Emotionen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie die Chemo-Behandlungen hinter sich haben? Ich denke nicht jeden Tag über die Zukunft nach. Ich stehe morgens auf, putze mir die Zähne und lebe einfach weiter. Das ist alles. Ich liebe es, zu trainieren. Ich liebe es, Erfolg zu haben. Ich liebe es, Spielern etwas beizubringen, und wenn sie gut abschneiden, ist das sehr befriedigend.

Möchten Sie die Fans hier in der Schweiz noch etwas wissen lassen? Ich möchte mich ganz herzlich für die vielen Nachrichten bedanken und dafür, dass ihr mir gute Besserung wünscht. Das bedeutet mir sehr viel.

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