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Saturday, October 3, 2026

«Völliges Versagen mehrerer medizinischer Fachkräfte»

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Ärzte amputieren US-Amerikanerin (74) das falsche Bein

«Völliges Versagen mehrerer medizinischer Fachkräfte»

Ein Ärztefehler machte Sharon J. zur doppelt Amputierten. Das OP-Team nahm der US-Amerikanerin trotz zwei Sicherheitschecks zunächst das falsche Bein ab, bevor das von Hautkrebs betroffene Bein entfernt wurde. Immer wieder kommt es zu solchen fatalen Vorfällen.

Publiziert: vor 30 Minuten

  • In Ohio verlor Sharon J. nach Hautkrebs-OP beide Beine
  • Trotz Checks wurde erst ihr gesundes Bein amputiert
  • Anwälte reichen Klage ein
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Weil ihr rechtes Bein von Hautkrebs betroffen war, legte sich die US-Amerikanerin Sharon J.* (74) im September im US-Bundesstaat Ohio auf den OP-Tisch. Wie der US-Sender WBNS berichtet, wurde eben dieser betroffene rechte Unterschenkel im Vorfeld der Amputation vorschriftsmässig markiert. Und dennoch wurde J. ihr gesundes linkes Bein abgenommen.

In der Klageschrift, die WBNS vorliegt, heisst es, dass mehrere Warnsignale übersehen worden seien. So wurde das gesunde linke Bein für die Operation vorbereitet und abgedeckt, die Druckmanschette zudem am falschen Oberschenkel angelegt. Und das, obwohl in den Krankenakten laut dem Sender zwei sogenannte «Time-outs», also spezielle Kontrollstufen für das OP-Team, dokumentiert sind.

Anwälte fordern Schadenersatz

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der 74-Jährigen noch das erkrankte rechte Bein amputiert. «Dieses Desaster ist auf das völlige Versagen mehrerer medizinischer Fachkräfte zurückzuführen», zitiert der Sender WCHS den Anwalt der Familie der Betroffenen, Brad Layne. «Nun muss Sharon J. ihr Leben lang mit den Folgen dieses Versagens leben», betonte Layne. Die Anwälte von J. fordern Schadenersatz und zusätzlichen Strafschadenersatz. Das letztere, spezielle Mittel wird nur in seltenen Fällen angewendet und soll besonders böswilliges Verhalten weiter bestrafen und von ähnlichen Taten abschrecken.

Das Selby General Hospital, in dem die Operation stattfand, drückte gegenüber WBNS sein Bedauern über das «vermeidbare Ereignis» aus. Die Beteiligten an der Operation seien nicht mehr dort tätig. Für alle OP-Beschäftigten wurden zudem Pflichtschulungen angeordnet.

Mehrstufiges Kontrollkonzept in der Schweiz

Um solche gravierenden Ärztefehler zu vermeiden, setzen Schweizer Spitäler auf verschiedene Massnahmen. Im Rahmen zweier Pilotprogramme zwischen 2013 und 2021 entwickelte die Stiftung Patientensicherheit ein mehrstufiges Kontrollkonzept. Mit der Charta Sichere Chirurgie wurde dieses zum Branchenstandard erklärt. Drei zentrale Kontrollschritte wurden dabei definiert:

  1. Sign-In: Vor der Operation werden die Identität des Patienten, die Eingriffsart und der Eingriffsort mit den Patientenakten und dem wach eingeholten Einverständnis des Patienten abgeglichen.
  2. Team-Time-Out: Vor dem ersten Schnitt überprüft das OP-Team nochmals die Patientendaten, die Operationsart und den markierten Eingriffsort. Zudem werden vorhandene Medikamente und Instrumente gecheckt. Erst wenn alle Beteiligten explizit zustimmen, darf der Schnitt erfolgen.
  3. Sign Out: Vor dem Verlassen des OP-Saals werden die entnommenen Gewebeproben über einen Abgleich der Patientendaten kontrolliert. Zudem werden alle Instrumente, Tücher und Nadeln nachgezählt.

Bei der Schulung von medizinischem Personal setzt man zudem auf simulierten Fallbeispiele, etwa zu Behandlungsfehlern. Durch das Training werde ein richtiges Handeln auch unter Druck geübt sowie das korrekte Ansprechen von Fehlern erlernt, hat Pflegeexperte Marius Möller gegenüber Blick erklärt.

Dennoch kommt es durch Unaufmerksamkeit, mangelnde Kommunikation oder Verwechslungen immer wieder zu fatalen Ärztefehlern:

Falsche Patientin im Unispital Basel operiert

Die Pflegefachfrau Sarah Miesch (32) unterzog sich im September 2024 im Universitätsspital Basel einer Operation am Gebärmutterhals, nachdem Gewebeproben vermeintliche Krebszellen gezeigt hatten. Der SRF-«Kassensturz» berichtete. Zwei Monate später folgte jedoch die Hiobsbotschaft: Das Labor hatte die Proben zweier Patientinnen vertauscht. Miesch war gesund, der chirurgische Eingriff völlig unnötig. Neben dem psychischen Trauma führte die Gewebeentnahme zu einem dauerhaft erhöhten Risiko für Frühgeburten.

Chirurg verwechselt Organe während Operation

Ein besonders tragischer Vorfall ereignete sich im August 2024. In seinen Florida-Ferien ging der damals 70-jährige William B.* aus Alabama wegen akuter Schmerzen im linken Unterleib ins Spital. Der behandelnde Chirurg diagnostizierte ein Problem mit der Milz und setzte eine Not-OP an. Während des Eingriffs verwechselte der Arzt jedoch die Organe und entfernte anstelle der Milz versehentlich die Leber. Dabei durchtrennte der Chirurg das Hauptgefäss, das die Leber versorgt. Ein massiver Blutverlust setzte ein und B. verstarb noch auf dem OP-Tisch.

Argentinier (41) im Spital versehentlich sterilisiert

Der Argentinier Jorge B.* (41) wollte sich Ende Februar 2024 in der argentinischen Stadt Córdoba nur einer routinemässigen Operation an der Gallenblase unterziehen. Doch stattdessen führte das Ärzteteam eine Vasektomie (Sterilisation) an ihm durch. B. wurde damit unfruchtbar. Grund für den fatalen Pfusch war offenbar eine Verwechslung der Operationspläne durch eine kurzfristige Terminverschiebung.

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