Illegale Party in Zürich eskaliert – was tut die Politik?

Darum gehts
- Eine illegale Party beim Zürcher Hardplatz eskalierte in der Nacht auf Sonntag in schwere Ausschreitungen.
- Ein Polizist wurde verletzt, mehrere Fahrzeuge stark beschädigt – teils Totalschaden.
- Bürgerliche Politiker machen unter anderem linke Parteien für deren Zurückhaltung mitverantwortlich.
- SP und Grüne verurteilen die Gewalt und wehren sich gegen die Schuldzuweisungen.
Eine illegale Party beim Zürcher Hardplatz eskalierte in der Nacht auf Sonntag. Anwesende – teilweise vermummt – lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Polizist wurde verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge schwer beschädigt.
Bei Zürcher Gemeinderäten sorgt der Vorfall für Entsetzen. Bürgerliche kritisieren insbesondere die bisherige Zurückhaltung linker Parteien bei Gewaltvorfällen – SP und Grüne wehren sich.
FDP-Politikerin: «Solange ein Teil der Politik solche Gewalttaten duldet …»
«Ich bin entsetzt über diese Gewaltbereitschaft, dass sogar Steine und Feuerwerkskörper in Richtung der Polizeikräfte abgefeuert wurden», kritisiert FDP-Gemeinderätin Martina Zürcher. Sie ist Präsidentin der Sachkommission Sicherheitsdepartement/Verkehr, die sich unter anderem mit Themen der Stadtpolizei sowie Schutz und Rettung befasst.
Die Randalierenden würden schwere Verletzungen von Polizisten nicht nur in Kauf nehmen, sondern diese auch provozieren. «Wer eine illegale Party in einer Unterführung veranstaltet und Feuerwerk mitnimmt, gefährdet ganz bewusst Leib und Leben von anderen – nicht nur von Polizisten», betont Zürcher.
Bestehende Massnahmen müssten endlich konsequent durchgesetzt und die Möglichkeiten des Strafrechts ausgeschöpft werden, fordert die FDP-Gemeinderätin. Aber: «Solange ein Teil der Politik solche Gewalttaten verharmlost und duldet, wird sich die Situation nicht bessern», betont Zürcher und richtet ihre Kritik insbesondere an die linken Parteien.
Mitte-Präsident: «Erwarte, dass sich alle Parteien hinter Polizei und Betroffene stellen»
Auch Wolfgang Kweitel, Präsident der Mitte Stadt Zürich, zeigt sich schockiert über «dieses Mass an Gewalt an Leib und Leben durch einen kriminellen Mob». Soweit er beurteilen könne, habe die Stadtpolizei umsichtig und richtig gehandelt.
Kweitel richtet ebenfalls Kritik an die Adresse der linken Parteien: «Ich erwarte, dass sich nun alle politischen Parteien hinter unsere Polizei und die betroffene Quartierbevölkerung stellen – ohne Wenn und Aber, ohne Ausflüchte oder Signale des ‹Verständnisses› an die Täterinnen und Täter», betont Kweitel. Man verfüge bereits heute über sämtliche notwendigen Präventions- und Repressionsmittel «gegen solche Kriminellen», sagt der Mitte-Präsident. Und fordert: «Sie sollen genutzt werden.»
SP-Politikerin: «SP kritisiert Gewalt immer und überall»
«Ich finde es krass, wie das ausgeartet ist, und kritisiere die Gewalt scharf», stellt auch SP-Gemeinderätin Nina Eggenschwiler klar. Sie ist ebenfalls Mitglied der Sachkommission Sicherheitsdepartement/Verkehr.
Auf konkrete Massnahmen, die nun ergriffen werden müssten, geht Eggenschwiler nicht ein. Stattdessen müssten die Vorkommnisse der Nacht auf Sonntag zunächst «sorgfältig und transparent» aufgearbeitet werden, fordert sie. «Aus meiner Sicht ist die Polizei gut auf solche Situationen vorbereitet», sagt die Gemeinderätin.
Auf die Kritik aus dem bürgerlichen Lager erwidert Eggenschwiler, dass die SP «immer und überall» Gewalt kritisiere. «Ich finde es allerdings problematisch, wenn solche Ereignisse unmittelbar für parteipolitische Schuldzuweisungen instrumentalisiert werden», schiesst sie zurück.
Grünen-Fraktionschef: «Unsere Priorität ist, dass es gar nicht so weit kommt»
Auch Martin Busekros, Co-Fraktionschef der Grünen im Zürcher Gemeinderat, betont: «Wir Grünen sind gegen Gewalt, darum ist unsere Priorität, dass es gar nicht erst so weit kommt wie am Samstag.» Nach seinem Kenntnisstand sei die Unterführung am Hardplatz für einen Outdoor-Rave besetzt worden, während die Polizei mit der Sicherung des Fussballspiels zwischen dem FC Zürich und dem FC Thun beschäftigt gewesen sei. «Dies nicht zum ersten Mal. An einem vorherigen Rave, an dem ich auch schon vor Ort war, kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen», erklärt Busekros.
Mit Ende des Fussballspiels habe es einige Fans zum Rave gezogen, der somit zu einem Besammlungsort mit Alkoholangebot geworden sei. Erste Streifenwagen vor Ort seien dann wohl «von gewaltbereiten Teilen der versammelten Menge gewaltsam zurückgedrängt worden», so der Co-Fraktionspräsident. Die Polizei habe mit einem Grosseinsatz und der Räumung reagiert, welche in Strassenkämpfe und Barrikaden ausgeartet sei.
Präventionsmassnahmen rund um Fussballspiele hätten in letzter Zeit dank einem konstruktiven Dialog mit allen Seiten «sehr gut» funktioniert, so Busekros. «Aufgrund der beschriebenen Verkettung von Ereignissen kam es nun doch wieder zu Ausschreitungen, die wir verurteilen.» Die Polizei hat indes bislang nicht bestätigt, dass es einen Zusammenhang mit dem Fussballspiel gibt.
Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
