«Noch nie erlebt»: YB-Stars zur Schock-Nachricht von Seoane

Darum gehts
- YB-Trainer Gerardo Seoane fehlt beim 2:0 gegen St. Gallen wegen einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs im Innenohr.
- Assistent Matteo Vanetta übernimmt an der Seitenlinie und führt die Berner zum Sieg.
- Nach dem Spiel rufen die Spieler Seoane aus der Kabine an, der ihnen einen zusätzlichen freien Tag schenkt.
Es ist ein Sieg, der für YB weit über die drei Punkte hinausgeht. Als die Berner am Ende des Spiels gegen den FC St. Gallen jubeln, fehlt ausgerechnet der Mann, der alles für diesen Triumph vorbereitet hatte.
Trainer Gerardo Seoane konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Seitenlinie stehen. Eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs im Innenohr setzte ihn kurzfristig ausser Gefecht.
Für Gerry, wie der allseits beliebte Coach genannt wird, übernahm Matteo Vanetta. Der langjährige Assistenztrainer führt YB zum Sieg – das souveräne 2:0 hat an diesem Abend eine ganz besondere Bedeutung.
Schon am Morgen erreicht die Mannschaft die Nachricht vom Ausfall ihres Trainers. «Logisch ist das ein Schock – vor allem, wenn es um die Gesundheit geht», sagt Christian Fassnacht. «Die Gesundheit geht immer vor, das ist das Allerwichtigste – da ist der Fussball zweitrangig.»
Es dominiert die Sorge um den Zustand des Trainers, der das Spiel nach einem Aufenthalt im Spital zu Hause vor dem Fernseher verfolgen muss. «Die Meldung kam völlig unerwartet – so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Cedric Zesiger, «die Videobotschaft von Gerry vor dem Match hat uns dann beruhigt.»
Ein Versprechen an den fehlenden Trainer
In der Folge lassen sich die Berner nicht vom Ausfall aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil. Die Mannschaft will ihrem Trainer einen Sieg schenken. Und sie hat dafür einen besonderen Plan: Disziplin, Disziplin und noch mal Disziplin.
Schon während der Vorbereitung habe man sich vorgenommen, zuerst die Arbeit auf dem Platz zu erledigen, um dann gemeinsam den Trainer zu kontaktieren. Vanetta: «Wir wussten, was zu tun war. Wir erledigten unseren Job, und dann riefen wir unseren Trainer an.»
Alle versammelten sich nach dem Sieg in der Kabine: «Das war ein sehr emotionaler und sympathischer Call.» Offenbar hatte der 47-Jährige vor dem TV einiges durchzustehen. Vanetta: «Er hat uns gesagt, er hätte mehr Stress gehabt, als wenn er an der Linie stehen würde.»
Fassnacht: «Die Moral war umso mehr da»
Nach dem Call trat Christian Fassnacht vor das Mikrofon von 20 Minuten. Der YB-Offensivspieler betont, dass das Team trotz der Schock-Nachricht vor dem Spiel genau gewusst habe, was zu tun sei. Seoane habe das Team die ganze Woche vorbereitet und den Matchplan vorgegeben.
«Mittlerweile sind wir wirklich eine geschlossene Mannschaft, da spielt es eigentlich keine Rolle, wer an der Seite steht», sagt Fassnacht. Die Spieler hätten vollstes Vertrauen in die Arbeit des Trainerstaffs gehabt.
Und doch war die Abwesenheit des Trainers eine zusätzliche Motivation – im Wissen, dass Seoane zu Hause genau zuschaut. «Wir wollten ihm einen möglichst ruhigen Abend schenken», sagt Fassnacht. «Ich glaube, die Moral war dann umso grösser.»
Vanetta: «Er war authentisch, er hat gestrahlt»
Den bösen Ausfall von Seoane kompensieren, das war auch das Motto des Assistenztrainers, der plötzlich als Chef an der Seitenlinie stand. Nervös sei er aber nicht gewesen. «Die Jungs haben genau das umgesetzt, was in den Tagen zuvor vorbereitet worden ist», sagt Vanetta.
Auch der Staff habe zusätzliche Verantwortung übernommen, um Seoanes Ausfall aufzufangen.
Entsprechend gross war die Freude nach dem Sieg, als Seoane in der Garderobe auf dem Handy-Bildschirm erschien. Für einmal zeigte der sonst so reservierte Seoane seine emotionale Seite. «Er hat über das ganze Gesicht gestrahlt», erzählt Vanetta.
Die Geste seiner Mannschaft habe ihn sehr berührt. Und Seoane bedankte sich auf seine Weise: Er schenkt den Spielern einen zusätzlichen freien Tag. «Die Spieler haben sich sehr gefreut», sagt Vanetta und hofft, dass sie ihren Coach bald wieder im Training sehen.
Was löst der Ausfall von Gerardo Seoane bei dir aus?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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