Musikalisches Erbe – Friedrich Theodor Fröhlich – der fast vergessene Komponist

Musikalisches Erbe Friedrich Theodor Fröhlich – der fast vergessene Komponist
200 Jahre nach seinem Tod wird der Komponist Friedrich Theodor Fröhlich als Schweizer Genie der Frühromantik gelobt.
Die Geschichte des Schweizer Komponisten Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836) könnte tragischer kaum sein. Ein junger Mann mit grossem Talent und Ehrgeiz reist voller Hoffnung ins Ausland. Doch sein Schaffen wird kaum gewürdigt, der Erfolg bleibt aus, die Ehe zerbricht. Sein Leben endet mit 33 Jahren viel zu früh mit einem Sprung in die kalte Aare.
Doch seit einigen Jahren erlebt die Musik von Friedrich Theodor Fröhlich eine Renaissance. Kompositionen, die jahrzehntelang in Archiven verstaubten, werden erstmals veröffentlicht. Heute gilt der gebürtige Aargauer als bedeutendster Schweizer Komponist der Frühromantik.
Musikalische Detektivarbeit nötig
Einer, der sich intensiv mit dem Leben und der Musik von Fröhlich auseinandergesetzt hat, ist Alexandre Clerc, Leiter des Wettinger Kammerorchesters 65. Das Orchester hat eine Symphonie von Fröhlich eingeübt, die zuvor noch nie gespielt wurde.
«Dafür war viel Detektivarbeit nötig», erklärt Clerc. Monatelang wühlte er sich durch die uralten, handgeschriebenen Manuskripte und erweckte die Noten Takt für Takt zum Leben. Am zehnten Fröhlich-Tag in Brugg findet die Erstaufführung statt.
Die Internationale Friedrich-Theodor-Fröhlich-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, den grossen musikalischen Nachlass des Komponisten zu sichten, Werke auszuwählen und in moderne Notenschrift übertragen zu lassen.
Beim jährlich stattfindenden Fröhlich-Tag in Brugg AG werden diese Werke von verschiedenen Musikerinnen und Musikern aufgeführt.
Am Samstag, 7. November, findet um 19.30 Uhr das Orchesterkonzert des Kammerorchesters 65 in der Reformierten Stadtkirche in Brugg statt.
Clerc hat sich intensiv mit Fröhlich und seiner Musik auseinandergesetzt. «Mit der Zeit erkannte ich an seinem Schriftbild, ob er gerade gestresst war, als er die Noten schrieb.» Fröhlich sei sehr romantisch gewesen und ein fleissiger Schaffer. «Der ausbleibende Erfolg trieb ihn in jungen Jahren in eine schwere Depression.»
In der Provinz in Vergessenheit geraten
Fröhlich kam 1803 im aargauischen Brugg zur Welt. «Schon zu Lebzeiten galt er als aussergewöhnlich talentiert», sagt David Schwarb von der SRF‑Musikredaktion. In jungen Jahren reiste der Komponist nach Berlin, um Musik zu studieren. «Er arbeitete Tag und Nacht – und konnte trotzdem nicht Fuss fassen in der deutschen Metropole.»
Zurück im Aargau arbeitete Fröhlich als Musiklehrer und Dirigent. Doch er vermisste den Weltstadt-Geist und die Hochachtung gegenüber der Kunst. «Als dann auch noch seine Ehe scheiterte, wurde Fröhlichs Verzweiflung zu gross. Mit 33 Jahren setzt er seinem Leben mit einem Sprung in die kalte Aare ein Ende.»
Renaissance von Fröhlichs Musik
Fast 200 Jahre später erreicht Fröhlichs Musik ein breiteres Publikum als zu Lebzeiten. Das dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass Friedrich Theodor Fröhlich eine Lobby bekommen hat: Die Fröhlich-Gesellschaft in Brugg setzt sich seit fast zehn Jahren dafür ein, dass seine Werke aufgearbeitet und gespielt werden.
Dabei käme Musik zum Vorschein, die Fröhlichs Originalität zeige, sagt SRF-Musikredaktor David Schwarb. «Es gibt Stücke von ihm, die bemerkenswert sind. Die Wiederentdeckung seiner Streichquartette hat in der Szene viel Staunen ausgelöst.»
Ist der Aargauer Komponist zu Unrecht in Vergessenheit geraten? «Nein», findet David Schwarb. «Seine Musik war zwar gut und spannend, aber nicht von einer epochalen Originalität wie die von Beethoven oder Schubert.»
Die Geschichte von Fröhlich sei weniger, dass mit ihm ein neuer Schubert entdeckt wurde, sondern die, dass die Schweiz sich jahrzehntelang nicht für seine Komponisten interessiert habe.
Die Renaissance von Fröhlichs Musik habe gezeigt: «Es gab auch in der Schweiz des 19. Jahrhunderts eine Musikgeschichte von Qualität. Vielleicht nicht auf 4000er-Höhe. Aber auch von den Jurahöhen eröffnen sich doch ganz spannende Perspektiven.»
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