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Saturday, October 31, 2026

«Als Expat-Paar verdienen wir hier mindestens dreimal so viel»

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Enrique Garcia und seine Frau leben gemeinsam mit ihren zwei kleinen Töchtern, drei Jahre und fünf Monate alt, in der Stadt Zürich. Kennengelernt haben sie sich während des Medizinstudiums in Barcelona.

In die Schweiz zogen sie aus beruflichen Gründen: Der heute 39-Jährige arbeitete bereits in Spanien für ein Schweizer Unternehmen, das ihm eine Stelle in Zürich anbot. Eigentlich war der Umzug nur für ein Jahr gedacht, doch das Paar empfand die Schweiz rasch als perfekten Ort, um eine Familie zu gründen.

RMS

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Garcia, der in Wirklichkeit anders heisst, hat sich nach dem Medizinstudium gegen eine fachärztliche Spezialisierung entschieden und wechselte stattdessen ins digitale Marketing. Heute ist er Marketingleiter einer Onlineplattform im Modebereich. Dieses Jahr hat er zudem die Firma Clino gegründet, die Familien hilft, eine Haushaltshilfe oder Nanny selbst anzustellen: mit Arbeitsvertrag, Lohnabrechnung und AHV-Anmeldung.

Enriques Frau, 37, arbeitet Teilzeit als Neurologin in einem Spital.

In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt die Familie ihren Kontoauszug und erzählt, wie sie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?

Einnahmen

Ich arbeite Vollzeit und verdiene monatlich 10’416 Franken netto. Dazu kommt durchschnittlich ein jährlicher Bonus von 15’000 Franken.

Meine Frau arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum. Ihr Nettolohn beläuft sich auf 6250 Franken pro Monat.

Damit sind unsere Löhne rund dreimal (meiner) beziehungsweise viermal (derjenige meiner Frau) so hoch, wie sie für den gleichen Job in Spanien wären.

Eine weitere Einnahmequelle ist unsere 5-Zimmer-Wohnung in Barcelona, die wir vor knapp zehn Jahren für 390’000 Euro gekauft und innerhalb von drei Jahren abbezahlt haben. Nach Abzug von Steuern und Nebenkosten bringt uns die Vermietung monatlich umgerechnet rund 1500 Franken ein.

Dazu kommen monatlich 430 Franken Familienzulagen.

Unser Einkommen beläuft sich somit auf insgesamt knapp 20’000 Franken im Monat.

Ausgaben

Wohnen: Wir wohnen in einer 3-Zimmer-Wohnung in Zürich. Wir waren vor fünf Jahren Erstbezüger. Für die Miete zahlen wir monatlich 3100 Franken plus 250 Franken Nebenkosten.

Telefon, Internet und Abos: Für diesen Budgetposten geben wir 180 Franken im Monat aus. Darin enthalten sind zwei Handyabos, das Internet, die Serafe-Gebühren sowie ein DAZN-Streaming-Abo, damit ich die Fussballspiele des FC Barcelona verfolgen kann. Seit die Kinder da sind, haben wir kein Netflix-Abo mehr, weil uns fürs Serienschauen schlicht die Zeit fehlt.

Versicherungen: Für Hausrat und Haftpflicht zahlen wir 450 Franken im Jahr.

Eine Rechtsschutzversicherung habe ich nicht. Als Spanier bin ich es mir einfach nicht gewohnt, jede Eventualität zu versichern. Ich spare mir die Prämien lieber und lege das Geld selbst auf die Seite. So habe ich es im Notfall direkt auf dem Konto, wenn ich es brauche.

Externe Kinderbetreuung: Unsere dreijährige Tochter besucht an drei Tagen pro Woche die Kita, was aktuell 1750 Franken im Monat kostet.

Unser Baby ist zurzeit noch zu Hause. Da meine Frau wieder arbeitet, habe ich vorerst Ferien genommen, um die Betreuung zu übernehmen. Im Anschluss kommen die Grosseltern aus Spanien und wohnen bei uns, um uns zu unterstützen. Erst im Januar, wenn das Baby acht Monate alt ist, fühlen wir uns wohl dabei, es in die Fremdbetreuung zu geben. Dass wir uns für eine Kita und gegen eine Nanny entschieden haben, hat einen klaren Grund: Wir wollen, dass unsere Kinder früh die lokale Sprache und Kultur kennenlernen. Sobald beide Kinder in die Kita gehen, rechnen wir mit Kosten von monatlich 3600 Franken.

Gesundheit: Die Krankenkassenprämien für die ganze Familie schlagen monatlich mit 900 Franken zu Buche. Ich habe lediglich die Grundversicherung und dabei die höchste Franchise. Meine Frau besitzt eine Zusatzversicherung und die zweithöchste Franchise. Für die Kinder haben wir die günstigste Grundversicherung ohne Zahnzusatz abgeschlossen. Allfällige Behandlungskosten decken wir bei Bedarf lieber direkt aus unserem Ersparten. Im vergangenen Jahr fielen zusätzlich rund 1000 Franken für Franchisen, Selbstbehalte und Arztrechnungen an.

Mobilität: Ein Auto besitzen wir nicht. Meine Frau pendelt mit dem Zug zur Arbeit, ich gehe zu Fuss ins Büro. Ein- bis zweimal im Monat fahren wir in die Zürcher Innenstadt, um am See spazieren zu gehen und den Blick übers Wasser zu geniessen – das entschädigt uns ein wenig für das fehlende Meer.

Wir haben beide ein Halbtax-Abo und Billettkosten von ungefähr 150 Franken pro Monat.

Haushalt: Ich bin bei uns der Koch und stehe sehr gern am Herd. Es kommt vor allem Mediterranes auf den Tisch – Fleisch, Fisch aus dem Ofen oder Tortilla. An die Schweizer Esskultur habe ich mich aber schnell gewöhnt. Wir haben mittlerweile sogar einen eigenen Racletteofen zu Hause. Und die riesige Auswahl an Schokolade und Brot hat mich von Anfang an begeistert. Nur Fertigrösti aus dem Supermarkt kaufe ich nie – die schmeckt einfach nicht.

Für den täglichen Einkauf bei Lidl oder Aldi geben wir unter der Woche etwa 20 Franken pro Tag aus, am Wochenende mache ich einen grösseren Einkauf, die Rechnung ist meist rund 100 Franken. Insgesamt beläuft sich unser Budget für Lebensmittel und Haushalt auf 900 Franken im Monat.

Zudem beschäftigen wir eine Haushaltshilfe. Sie kommt vier Stunden pro Woche, putzt, wäscht und bügelt. Ihr Stundenlohn ist 34 Franken, was aufs Jahr hochgerechnet 7072 Franken ausmacht. Die Sozialabgaben machen jedes Jahr nochmals 600 Franken.

Für mich habe ich eine Haarschneidemaschine gekauft und lege selbst Hand an – meine Mutter war schliesslich Coiffeuse. Meine Frau geht alle drei bis vier Monate für jeweils 150 Franken zum Coiffeur, während die Kinder ihre Haare ab und zu bei Verwandtenbesuchen in Barcelona geschnitten bekommen. Für Coiffeur und Körperpflegeprodukte budgetiere ich ungefähr 50 Franken pro Monat.

Verpflegung ausser Haus: Vom täglich frisch gekochten Essen bleibt immer etwas übrig, das nehmen meine Frau und ich zur Arbeit mit.

Für auswärtiges Essen geben wir deshalb im Monat nur etwa 250 Franken aus. Ungefähr zweimal im Monat gehen wir als Familie auswärts essen für rund 80 Franken. Etwa einmal im Monat gehe ich mittags zum Italiener. Eine klassische Paar-Date-Night hatten wir in den letzten fünf Jahren nie.

Kleidung und Schuhe: Meine Frau kauft ungern online, viel lieber vergleicht sie Angebote im Laden, vor allem für die Kinder. Da ich in der Modebranche arbeite, erhalte ich Rabatte oder gelegentlich Kleidung gratis.

Als wir aus Spanien in die Schweiz zogen, mussten wir uns zuerst an die Kälte gewöhnen und haben in hochwertige Winterschuhe und Boots investiert. Monatlich veranschlagen wir 200 Franken für Kleidung und Schuhe.

Freizeit: Ich spiele regelmässig Padel, im Sommer besuchen wir die Badi oder nutzen lokale Kulturangebote wie Kinderkonzerte. Spontane Wochenenden liegen uns näher als lange Vorausplanung – das durchgeplante Freizeitverhalten in der Schweiz war für mich am Anfang ein kleiner Kulturschock. Für Hobbys und Sport geben wir etwa 200 Franken im Monat aus.

Für Fachbücher, Elternratgeber und Onlineweiterbildungen meiner Frau geben wir monatlich rund 100 Franken aus.

Zeitungen, Zeitschriften: Wir haben keine Abos, sondern kaufen die Ausgaben direkt am Kiosk. 20 Franken im Monat geben wir für verschiedene Schweizer Zeitschriften oder Zeitungen wie den Beobachter oder den «Tages-Anzeiger» aus, um mein Sprachverständnis und das Gefühl für das Land zu schärfen.

Ferien und Ausflüge: Für Ferien planen wir rund 3000 Franken pro Jahr ein. Mindestens zweimal im Jahr fliegen wir nach Barcelona, meist an Weihnachten und im Sommer. Vielfach wohnen wir bei unseren Familien, manchmal gehen wir aber auch nach Mallorca.

Bevor ich in die Schweiz gekommen bin, hatte ich in meinem Leben erst dreimal Schnee berührt. Skifahren habe ich nie gelernt und möchte mit 39 Jahren auch nicht mehr damit anfangen. Unsere Kinder sollen es aber später lernen dürfen, wenn sie das wollen.

Geschenke: Den Kindern kaufen wir selbst eher wenig, weil sie von Verwandten, Bekannten und den Nachbarn ohnehin schon so viele Sachen geschenkt bekommen. Wir beschenken vor allem unsere Eltern – letztes Jahr zu Weihnachten gab es für sie zum Beispiel ein Parfum von der Schweizer Marke Gisada. Insgesamt geben wir für Geschenke rund 600 Franken im Jahr aus.

Spenden: Wir spenden jährlich rund 500 Franken, hauptsächlich an eine Hilfsorganisation in Spanien, die Kindern in Not hilft.

Altersvorsorge: Wir zahlen beide schon das siebte Jahr den Maximalbetrag in die Säule 3a ein, was derzeit 14’516 Franken pro Jahr entspricht. Dafür nutzen wir die Säule-3a-App Frankly.

Steuern: Weil sich unsere Arbeitspensen verändern und wegen der Kinderabzüge ist es für uns schwer abzuschätzen, was dieses Jahr steuerlich auf uns zukommt. Ich lege monatlich 1670 Franken für die Steuern auf die Seite.

Die letzten paar Jahre haben wir unsere Steuererklärung von einem Treuhänder machen lassen. Das kostet 300 Franken und ist super praktisch, weil wir dadurch das Steuersystem und die Abzüge Schritt für Schritt verstehen konnten.

Sparen und Vermögen: Jeden Monat fliessen 3000 Franken in ETF bei Interactive Brokers, womit wir ein Wertpapiervermögen von rund 300’000 Franken aufgebaut haben. Einen Teil des übrig gebliebenen Geldes legen wir schrittweise in kurzfristige Festgelder an. Als Notgroschen halten wir zudem 100’000 Franken auf der Seite.

Unser grösster Luxus

Wir sind beide nicht sehr materialistisch. Uns sind vielmehr Dinge wichtig, die direkt mit Gesundheit und Wohlbefinden zu tun haben – wie wirklich gute Schuhe oder hochwertige Lebensmittel.

So fühlen wir uns

Wir schlafen nachts beruhigt. Wir kommen gut über die Runden, ohne Existenzängste, aber auch nicht in Saus und Braus. Mein langfristiges Ziel ist finanzielle Unabhängigkeit – also zu arbeiten, weil man möchte, und nicht, weil man muss. Derzeit bereitet mir die Arbeit Freude. Dass ich nebenbei eine Firma aufgebaut habe, empfinde ich nicht als Belastung, sondern als Lerngelegenheit. Andere schauen abends Netflix, ich lerne lieber etwas Neues. Warum ich mein Budget offenlege? Ich rechne beruflich jeden Tag Familienbudgets durch, vor allem für Kinderbetreuung und Haushaltshilfen. Da ist es nur fair, auch unser eigenes offenzulegen.

Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.

Hier findest du die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung».

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«Als Expat-Paar verdienen wir hier mindestens dreimal so viel» — KioskNews