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Sunday, October 4, 2026

Gläubige Eltern, queerer Sohn – «Ich habe gewusst, dass das laut Bibel eine Sünde ist»

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Timon Imfeld spaziert durch die Strassen Londons. Er trägt schwarze Stiefel und ein rotes Netz-Shirt mit der Aufschrift «Jesus was a bloody Queer».

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  • Bild 1 von 2. Der 36-Jährige Timon lebt seit Jahren in London. Die christliche Symbolik, die er trägt, ziehe ihn an, weil sie sehr visuell sei. Bildquelle: SRF.

    Person in rotem Netzoberteil geht auf Bürgersteig in Wohngegend.
  • Bild 2 von 2. In der britischen Hauptstadt arbeitet Timon als selbständiger Kostümbildner. Bildquelle: SRF.

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Sein Kleidungsstil fällt auf, auch sein Tattoo am Hals. In hebräischen Buchstaben steht dort JHWH, der Eigenname Gottes. Gleich darunter ein silbrig geschwungener Kreuzanhänger. Zwei Symbole, die auf den ersten Blick nicht zum provokanten Spruch auf seinem Shirt passen und doch aufzeigen, was Timon in seinem Leben beschäftigt: seine Ablösung vom Glauben, mit dem er aufwuchs.

Christliche Erziehung

Zusammen mit vier Geschwistern ist Timon in Murten im Kanton Freiburg aufgewachsen. Sein Vater war Pfarrer. Als Kind habe er versucht, ein guter Christ zu sein.

Gleichzeitig merkte er früh, dass er schwul ist. «Ich habe gewusst, dass das laut Bibel eine Sünde ist.» Der innere Konflikt habe Selbsthass ausgelöst und er habe sich gewünscht, einfach «normal» zu sein.

Mit 19 Jahren outete sich Timon seinem Vater gegenüber. «Wir sassen zusammen im Auto. Für meinen Vater war das ein Schock. Ich kann sein tiefes Einatmen noch heute hören.» Seiner Mutter gegenüber hat er sich bis heute nicht geoutet, aus Angst vor ihrer Ablehnung. Dies bereue er heute ein wenig. Sie habe es durch den Vater erfahren.

Lange Klärungssuche

Für seinen anstehenden Besuch in der Schweiz hat sich Timon etwas vorgenommen: Dinge anzusprechen, die jahrelang unausgesprochen geblieben sind.

Stundenlang reden Timon und seine Eltern. Über seinen Umzug nach London, und den Glauben, von dem er sich distanziert hat, und über seine Homosexualität. Die Mutter sieht Timons Umzug positiv: «Ich musste nur viel beten, dass dir nichts passiert.» Timon fühle sich zwar geliebt, wünsche sich aber mehr echte emotionale Nähe statt religiös begründeter Zuwendung. Das sei auch ein Grund, wieso er viele Dinge für sich behalte und nicht teile.

Timons Mutter räumt ein, dass dies ihre Art sei, mit Jesus zu leben und so Halt zu finden, doch hinterfrage sie dies auch, um es sich selbst nicht zu einfach zu machen. Der Vater gesteht, seine eigenen Lebensvorstellungen auf den Sohn projiziert zu haben.

Zum ersten Mal spricht Timon auch vor seiner Mutter über sein Schwulsein. Er wolle nicht darauf reduziert werden, wünsche sich aber, dass es ausgesprochen werden darf, ohne dass es unangenehm ist. «Für mich war verletzend, wenn abschätzig über homosexuelle Menschen geredet wurde, das hat mich verrissen. Damit habe ich am meisten Mühe», erzählt Timons Mutter.

Schwieriges Gespräch

Schliesslich nimmt Timon seinen Mut zusammen. Er sagt: «Ich sehe mich nicht mehr als Christ, ich glaube nicht mehr an diesen Gott, an diesen Jesus.» Ein Atheist sei er deshalb nicht, aber er sei auf der Suche nach etwas Neuem. Auch habe er befürchtet, seine Eltern damit zu verletzen.

Seine Mutter macht klar, dass dem nicht so sei: «Als Eltern kann man Kinder erziehen und formen, aber die Begegnung mit Gott nicht.» Der Vater bedauert, dass sein Sohn Angst vor den Konsequenzen seines Unglaubens hatte.

Für Timon sei dieses Gespräch eines der wertvollsten gewesen und eine gute Basis, um künftig offener miteinander zu sprechen.

In London erzählt er seinen Freunden davon: «Ich habe Dinge von meiner Mutter gehört, die ich zuvor nie gehört habe.» Besonders berührt habe ihn, wie sie sich über queere Menschen geäussert habe. Seine Stimme wird brüchig, seine Freunde umarmen ihn.

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