«Zahle pro Quartal 700 Fr.»: Zu Besuch bei den Strom-Verlierern

- Strompreise sinken in der Mehrheit der Schweizer Gemeinden im nächsten Jahr. In über 260 Gemeinden der Schweiz werden sie steigen.
- In Niederhelfenschwil SG steigen die Preise prozentual am meisten.
- Kestenholz hat 2027 mit 45.88 Rappen pro Kilowattstunde die höchsten Stromkosten.
- 20 Minuten hat mit Betroffenen gesprochen.
Die Mehrheit der Schweizer Gemeinden kann sich über sinkende Strompreise im kommenden Jahr freuen. Nur wenige Gemeinden müssen tiefer ins Portemonnaie langen. Darunter Niederhelfenschwil SG mit der grössten prozentualen Steigerung von 15 Prozent auf 45.82 Rappen pro Kilowattstunde und Kestenholz SO mit den höchsten absoluten Stromkosten von 45.88 Rappen pro Kilowattstunde im nächsten Jahr.
20 Minuten hat sich in beiden Gemeinden umgehört und die Anwohnerinnen und Anwohner gefragt, was sie von den Preissteigerungen halten und wie sie damit umgehen.
Mona (44): «Ich schaue, dass ich wenig Energie verbrauche»

«Als alleinerziehende Mutter muss ich dreimal überlegen, wofür wir Geld ausgeben. Auch einen Wegzug könnte ich mir vorstellen – obwohl uns das Dorf sehr gefällt. Da wir verschiedene Einkaufsmöglichkeiten haben und ich im Dorf arbeite, kann ich mir ein Auto sparen.
Ich schaue darauf, dass ich wenig Energie verbrauche. Mit meinen zwei Teenager-Kindern in einer Altbauwohnung ist es jedoch herausfordernd, den Energiehaushalt klein zu halten. Im Moment zahle ich 160 Franken im Monat, bald werden es 180 Franken sein.
Im Jahr 2023 habe ich etwas Geld von dem Fonds, den die Gemeinde für Härtefälle zur Verfügung stellte, bekommen. Den Fonds gibt es leider seit 2025 nicht mehr.»

Michel (31): «Die Strompreise sind beschissen»

«Die Strompreise sind einfach nur beschissen. Alle drei Monate zahle ich 700 Franken. Ich verzichte deswegen aber auf nichts.»
Maurus (37): «Im Sommer zahlen wir praktisch nichts»

«Im Sommer zahlen wir praktisch nichts, da wir eine Solaranlage haben. Im Winter ist es teuer, die genauen Kosten kenne ich nicht, da meine Frau die Buchhaltung bei uns zu Hause macht.
Wir leben noch nicht so lange in der Gemeinde, deswegen weiss ich auch nicht, wie gut die Gemeinde es mit dem Stromeinkauf macht. Für mich ist es wichtig, dass die Strompreise stabil bleiben sollten. Wegen der hohen Preise, die wir im Winter haben, schränken wir uns aber nicht finanziell ein.»
Johann (79): «Für eigenen Strom verdiene ich wenig»

«Seit ungefähr drei Jahren habe ich auf meiner Werkhalle eine Solaranlage montiert. Den produzierten Strom verkaufe ich zu einem schlechten Preis an die Gemeinde weiter und beziehe für Wohnungen, die ich vermiete, teuren Strom von der Gemeinde. Für mich steht dies in keinem vernünftigen Verhältnis.»

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Roni Bürgi: «Zum Glück in eine Solaranlage investiert»

«Ich betreibe den Spar hier im Dorf Kestenholz seit 25 Jahren und bekomme die Stimmung deshalb sehr gut mit. Viele sind bedrückt und mit der Gemeinde unzufrieden. Ich habe das Glück, dass ich in eine Solaranlage investiert habe und im Sommer unabhängig bin. Im Winter muss ich jedoch weiterhin Strom dazukaufen.
Besonders unverständlich ist für mich der Umgang mit dem Solarstrom aus dem Dorf. Statistisch gesehen haben wir die meisten Solardächer der ganzen Schweiz. Kestenholz produziert deshalb viel Solarstrom, der ins Netz fliesst. Trotzdem bezahlen wir weiterhin den höchsten Strompreis der Schweiz. Ich verstehe nicht, wie das heute noch so schlecht geregelt sein kann.»
Anonym: «Der Strom muss bezahlbar sein»

«Wir müssen nicht den billigsten Strom der Schweiz haben. Aber der Strom muss bezahlbar sein. Weil ich selbst nur wenige hundert Meter entfernt von Kestenholz in einem Dorf wohne, zahle ich nur ein Drittel der Stromkosten. Daher trifft mich die Preiserhöhung glücklicherweise kaum. Für Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe sind diese Preise jedoch problematisch. Ich denke etwa an Milchbetriebe, die ihre Milch kühlen müssen und deshalb viel Strom brauchen. Für sie macht dieser Preis einen riesigen Unterschied. Ich verstehe nicht, wie solche Preisunterschiede in der Schweiz heute noch möglich sind. Das ist nicht fair geregelt.»
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Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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