E-Bike statt Töffli: Wie Frölein Da Capo mit Stil älter wird
Die Kinder werden flügge, und das Töffli bleibt ungenutzt: Die Willisauerin ist in ihrer Lebensmitte angekommen. Auch ihre Kunstfigur Frölein Da Capo ist erwachsen geworden. Zu sehen ist dies in ihrer «Halbzeit-Show».
Publiziert: vor 11 Minuten
Darum gehts
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- Irene Brügger alias Frölein Da Capo feiert 20 Jahre Bühnenjubiläum
- Die 46-Jährige thematisiert in ihrer neuen Show humorvoll das Älterwerden
- 2027 plant sie eine Tournee mit dem Secondhand Orchestra
Eine Halbzeit gibt es nicht nur im Fussball, sondern auch im Leben. Meist fühlen sich Menschen zwischen 40 und 50 an diesem Punkt. So auch Irene Brügger alias Frölein Da Capo (46). Mit bunten Petticoats, verschiedenen Blasinstrumenten und viel Witz trat sie 2007 erstmals als Einfrauorchester auf. Von 2010 bis 2012 unterhielt sie die Zuschauerinnen und Zuschauer der Comedy-TV-Sendung «Giacobbo/Müller».
Die Themen des Fröleins waren Chilbi-Erinnerungen oder ihr geliebtes Pony-Sachs-Töffli. Nun, bald 20 Jahre später, ist Frölein Da Capo erwachsen geworden, und Irene Brügger mit ihr. «Meine Tochter wurde gerade 18 Jahre alt, und in 18 Jahren werde ich pensioniert!», sagt sie. «Nächstes Jahr feiere ich bereits mein 20-Jahr-Bühnenjubiläum. Und ich fahre plötzlich E-Bike statt Töffli.» Für die Musikkabarettistin war klar: «Meine eigene Halbzeit gehört auf möglichst humorvolle Art auf die Bühne.» Und so sitzt sie nun an einem sonnigen Nachmittag zu Hause, hoch über Willisau LU, zeichnet und bastelt für ihr neues Programm, die «Halbzeit-Show», mit der sie ab 16. September auf Tour geht.
Dank Überwindung zum Sport
Graue Haare, Wechseljahre, veränderte Familienverhältnisse: Gerade für Frauen ist das Älterwerden nicht nur lustig. «Mich plagt das Thema aber nicht besonders, und mit Humor ist es – wie so vieles – leichter», sagt Irene Brügger. Ihre langen Haare hat sie schon vor sechs Jahren während der Coronapandemie aufgehört zu färben, bereut hat sie es nie. Mit den Wechseljahren habe sie sich «ein bisschen» zu beschäftigen begonnen, als sie nicht mehr schlafen konnte. «Ich habe ein erhellendes Buch dazu gelesen, aber eigentlich lasse ich solche Dinge lieber auf mich zukommen.»
Auch das Familiengefüge verändert sich im Hause Brügger: Sowohl die 18-jährige Tochter als auch der 16-jährige Sohn haben im August eine Lehre begonnen. «Das ist ein komplett neuer Abschnitt, aber sie sind selbständig und haben tolle Freundesgruppen.» So falle das Loslassen leichter. Sie hofft, dass es die Kinder noch möglichst oft an den gemeinsamen Mittagstisch schaffen – ein Familienritual, das ihr wichtig ist. Weiter freut sie sich auf gelegentliche gemeinsame Fernsehabende, Ausflüge in den Europapark oder auf die alljährlichen Skiferien.
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Plötzlich wandert sie
Dass sich die Jungen von zu Hause lösen, verändere die Beziehung zwischen Irene Brügger und ihrem Mann René (49) und verschaffe ihnen mehr Paar-Zeit. «Und ich kann mich Sachen widmen, die bislang etwas zu kurz gekommen sind.» Sport etwa habe sie immer vernachlässigt. «Doch nun habe ich gemerkt, dass man etwas tun muss, um fit zu bleiben.» Sie sei eine «Hexenschusskandidatin» und habe das bislang mit Methoden zu bekämpfen versucht, bei denen man sich selbst nicht bewegen muss. Jetzt hätten sie und René sich einen Ruck gegeben und sich im Fitnesscenter angemeldet. Mindestens einmal pro Woche machen sie gemeinsam schweisstreibendes Bodycross-Training. Und plötzlich gehen sie auch wandern – eine Aktivität, für die die Kinder nie zu begeistern waren.
Gern geht sie mit ihrem Mann auch auf eine Töfftour. Ihr «Pony Sachs» aber stehe nun meist in der Garage. Als Teenager war sie wegen ihres Wohnorts darauf angewiesen. Frölein Da Capo besang das Töffli gar als «mini grossi Liebi». Heute finde sie das E-Bike für Velotouren oder um ins Städtchen zu fahren praktischer.
Biketour mit Viktor Giacobbo
Einmal pro Jahr geht sie auf eine ganz besondere Biketour, und zwar mit Komiker Viktor Giacobbo (74) und Domenico Blass (59), dem damaligen Headwriter von «Giacobbo/Müller». Auch Mike Müller (62) würde sie gern öfter sehen, denn sie denkt gern an die gemeinsame Zeit bei der Comedyshow zurück: «Ich genoss das Privileg, alles, was in der Politik oder auf der Showbühne Rang und Namen hatte, persönlich kennenzulernen.»
«Meine Halbzeit ist ein schönes Kapitel», sagt Irene Brügger. Sie sei zufrieden mit ihrem Leben und glücklich darüber, ihre Leidenschaft für die Kleinkunst zum Beruf gemacht haben zu können. Auf das, was kommt, freue sie sich. Und auch das Frölein dürfe älter werden, genauso wie sie selbst. «In meiner Show arbeite ich musikalisch und humoristisch vieles auf, was war und was noch kommen wird.» Ein Thema sei etwa, dass ihre eigene – noch handylose – Pubertät praktisch nicht dokumentiert sei: «Es gibt aus dieser Zeit kaum Fotos von mir», sagt sie.
Irene Brügger hat noch einiges vor: Ihr Konzertkalender ist prall gefüllt. 2027 ist wieder eine Tournee mit ihrem Secondhand Orchestra geplant. Und die Fans ihres jährlichen «Tages-Abreisskalenders», in dem sie allerlei Schönes und Skurriles präsentiert, dürften sich auf Ende Jahr freuen. Vielleicht gelingt es ihrer reisefreudigen Tochter, sie ab und zu aus ihrem geliebten Willisau zu entführen, um mehr von der Welt zu sehen. «Und dann probier ich vielleicht doch noch, die Weltherrschaft an mich zu reissen», witzelt sie. «Man braucht schliesslich immer Ziele im Leben.»
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