Baller-Liquids erreichen Schweizer Pausenplätze

- Sogenannte Baller-Liquids mit synthetischem Cannabis verbreiten sich an Deutschlands Schulen und nun auch in der Schweiz.
- Die Kantonspolizeien Zürich und St. Gallen haben bereits erste Fälle mit dieser Art von Betäubungsmittel festgestellt.
- Die Flüssigkeiten werden in Vapes geraucht und können Ohnmacht, Herzrasen oder einen tödlichen Kreislaufkollaps auslösen.
Man nennt sie Baller-Liquids, Görke, Zombie-Liquids oder Knaller-Liquids. Sie sind bunt verpackt und kommen in verschiedenen Farben daher – im Internet gibt es sie schon ab 15 Euro. Bei den bunten Flüssigkeiten handelt es sich um Liquids mit synthetischem Cannabinoid, die in Vapes geraucht werden können. Und sie sind derzeit auf Deutschlands und Frankreichs Schulhöfen besonders populär.
Es kommt immer wieder zu Notfällen mit sehr jungen Patientinnen und Patienten, die direkt vom Pausenplatz in die Notaufnahme gebracht werden müssen – zuletzt etwa in der Ortschaft Selb im ländlichen Bayern. Berichte über die gefährlichen Liquids erscheinen seit Anfang Jahr in deutschen und französischen Medien sowie auf Social Media.
Und offenbar ist der Trend bereits in die Schweiz geschwappt. «Die Kantonspolizei Zürich kennt diese Thematik und es sind wenige Fälle mit dieser Art von Betäubungsmittel bekannt», sagt der Zürcher Polizeisprecher Florian Frei auf Anfrage von 20 Minuten. Auch die Kantonspolizei St. Gallen verzeichnete erste Sicherstellungen solcher Liquids. «Da diese Produkte insbesondere über Online-Händler bezogen und zu Hause konsumiert werden können, werden solche Liquids vereinzelt bei Kontrollen festgestellt», sagt der St. Galler Polizeisprecher Simon Abderhalden.
«Ein Zug kann unberechenbare Wirkung haben»
Die Flüssigkeiten mit den synthetischen Cannabinoiden können in Vapes eingefüllt und geraucht werden. Innert Sekunden werden Jugendliche – denn auf sie zielen die Produkte ab – davon high. Oder sie fallen in Ohnmacht und landen eben im Notfall.
Eindringlich warnt etwa die Oberfränkische Polizei: «Sie wirken auf den ersten Blick harmlos. Sind sie aber nicht.» Es handle sich nicht um normale Aromastoffe, sondern um Betäubungsmittel. Schon ein einziger Zug könne die «unberechenbare Wirkung» entfalten. Die Polizei appelliert vor allem an die Eltern, ihre Kinder zu beobachten und gegebenenfalls das Gespräch zu suchen.
Der Spiegel beschreibt den Effekt der Baller-Liquids in einer Videodokumentation so: «Zieht man an der Vape, wird die Flüssigkeit verdampft. Über die Lunge erreicht der Stoff blitzschnell das Gehirn. Die Folge: Ein kurzer, intensiver Rausch, der ballert. Starke Euphorie oder Betäubung. Aber auch: Plötzliches Wegtreten, Herzrasen, Erbrechen, Angstattacken oder ein Kreislaufkollaps, der tödlich enden kann. Nach etwa 15 bis 30 Minuten ist der akute Rausch vorbei. Deshalb legen viele der Konsumenten sofort nach, was schnell in die Abhängigkeit führen kann.»
Kioske in der Nähe von Schulen verkaufen es
Verkauft werden die Baller-Liquids nicht nur im Netz: Auch Kioske wollen am neuen Trend mitverdienen. In Essen begleitete ein Reporter der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) diesen Monat eine Polizeikontrolle. Die Beamten prüften Kioske in der Innenstadt – besonders in der Nähe von Schulen. «Schliesslich sind die Zielgruppe der knallbunten ‹Baller-Liquids› mutmasslich Schüler», schreibt die WAZ.
Auch in Frankreich ist die Droge bereits verbreitet, wie TF1 berichtet. Der Pariser Laborant Jean-Claude Alvarez zeigt zahlreiche bunte Produkte, die bei Minderjährigen beschlagnahmt wurden, die hospitalisiert und teilweise gar reanimiert werden mussten. «In diesen Produkten, die man bei Schülern findet, sollte es nur Nikotin haben. Aber wir haben sechs verschiedene Cannabinoide darin gefunden», so Alvarez. Diese synthetischen Cannabinoide seien bis zu 200-mal stärker als normales Gras. Die Auswirkungen aufs Gehirn seien enorm: «Das geht von Vergesslichkeit bis hin zu schwerwiegenden Psychosen.»
Wurden dir auch schon Baller-Liquids angeboten oder konsumierst du solche ab und zu? Dann melde dich bei uns:
Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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