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Sunday, October 25, 2026

Die Schicksalsschläge der Boxer

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Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne

Die Schicksalsschläge der Boxer

Das Wort Schicksalsschlag hat im Boxsport eine ganz besondere Bedeutung. Die Kolumne von Felix Bingesser.

Publiziert: vor 27 Minuten

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Felix BingesserReporter Sport

Vor einigen Tagen starb der ehemalige Boxer Denis Boytsov (†40). Boytsov galt vor 20 Jahren als eines der grössten Talente im Schwergewicht. Er wird als neuer Mike Tyson gefeiert, gewinnt 36 seiner 37 Profikämpfe. Im Sommer 2013 steht er in der Rangliste der World Boxing Organization hinter Wladimir Klitschko an zweiter Stelle.

Aber 2015 nimmt das Leben von Boytsov eine tragische Wendung. Man findet ihn regungslos auf den Gleisen eines Berliner U-Bahn-Tunnels. Was passiert ist, weiss niemand. Eines der vielen Rätsel in der Welt des Boxsports. Boytsov hat schwere Kopfverletzungen, wird mehrmals operiert und liegt sieben Wochen im Koma. Er muss fortan künstlich ernährt werden, kann nicht mehr sprechen und sich nicht mehr bewegen. Ein Blutgerinnsel setzte seinem Leben vor einer Woche ein Ende. Es ist das jüngste Boxer-Schicksal.

Das Leben schlägt hart zu. Vor allem bei den Boxern. Boxer und zunehmend auch boxende Frauen stammen vielfach aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Das Klischee der Underdogs, die sich im Leben nach oben boxen wollen, ist belegt. Wenig Anerkennung, wenig Bildung, kaum Aussichten auf einen sozialen Aufstieg. Es bleibt vielfach nur der Boxring.

Da gibt es keinen Status, keinen Schein, sondern nur die nackte und schonungslose Realität des Augenblicks. Im Meisterwerk «On Boxing» entschlüsselt Joyce Carol Oates den Boxsport als existenzielle Metapher für das Leben. «Man spielt Fussball, man spielt Tennis – aber man spielt nicht Boxen. Es geht nicht primär darum, Schmerz zuzufügen. Es geht darum, Schmerz zu ertragen und trotzdem weiterzugehen. Es ist der Triumph des menschlichen Geistes über die Zerbrechlichkeit des Fleisches.» Jeder Schlag hat reale und teilweise irreversible Konsequenzen für Körper und Geist.

Exemplarisch dafür steht der Kampf des Südkoreaners Kim Duk-koo 1982 in den USA im WM-Kampf gegen Ray Mancini. Kim bricht nach einem Niederschlag zusammen und stirbt an den Folgen der schweren Hirnverletzung. Kims Mutter nimmt sich wenige Monate später das Leben. Genauso wie Ringrichter Richard Green. Mancini litt in der Folge an schweren Depressionen.

Die Schicksalsschläge, Abstürze und Skandale von Boxern, die im richtigen Leben nie mehr zurechtkommen, sind ungezählt. Das tragische Schicksal von Denis Boytsov ist das jüngste Kapitel.

Die vielleicht traurigste Geschichte ist immer noch diejenige des lebensfrohen und unbeschwerten Amerikaners Billy Collins. Ihm steht die Welt offen, als er 1983 im Madison Square Garden gegen Luis Resto kämpft. Die Schläge des mittelmässig talentierten Resto zermalmen das Gesicht von Collins.

Nach dem Kampf stellt man fest, dass bei Resto die Polsterung der Handschuhe entfernt wurde und die Bandagen mit Gips verhärtet waren. Collins erleidet schwerste Verletzungen und dauerhafte Schäden an beiden Augen. Seine Karriere ist zu Ende.

Ein Jahr später stirbt der zerstörte 23-jährige Collins unter schwerem Alkoholeinfluss bei einem Autounfall.

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