Kein Exploit in Brasilien – Davis-Cup-Dämpfer als Abbild des Schweizer Männertennis

Wäre es anders herausgekommen, wenn Stan Wawrinka (ATP 134) seine klare 4:1-Führung im Tiebreak des 2. Satzes gegen Gustavo Heide (ATP 123) zum Gewinn des Matches genutzt hätte? Hätte Captain Severin Lüthi mit einem anderen Einzelspieler als Dominic Stricker (ATP 262) gegen João Fonseca (ATP 29) mehr Erfolg gehabt? War die Schweiz auswärts gegen Brasilien einfach vom Lospech verfolgt? Wohl kaum.
Vereinzelt nah dran und doch weit weg
Zum einen wäre das Team von Lüthi auch gegen andere gesetzte und damit mögliche Gegner wie Australien, Argentinien, die Niederlande, Ungarn, Dänemark oder Serbien klarer Aussenseiter gewesen. Im letzten Jahr stieg man nach einer desolaten Vorstellung in Biel gegen das vermeintlich klar unterlegene Indien ab.
Nun war Brasilien eine Nummer zu gross. «Brasilien hat verdient gewonnen», stellte Lüthi nüchtern fest. «Klar, wir hatten unsere Chancen, vor allem im Match von Stan. Aber über das Ganze gesehen, waren sie klar die bessere Mannschaft.» Die Entscheidung fiel bereits nach 3 von potenziell 5 Spielen und somit schnellstmöglich.
Seit 2024 kein Schweizer in Top 100
Die Schweiz gehört damit auch im kommenden Jahr nicht zu den 28 Teams, die in der Topgruppe die Chance haben, den Davis Cup zu gewinnen. Mögliche Schweizer Gegner sind Nationen wie Bolivien, Bosnien, Libanon oder Marokko. Die Rückkehr von Stan Wawrinka, die gleichzeitig der Abschied war, ist eine schmerzhafte Erinnerung an glorreichere Tage mit dem Gewinn des Davis Cups 2014 als Glanzpunkt.
Die Tatsache, dass der 41-jährige Routinier einem Sieg am nächsten kam ist ein Indiz, dass weitere magere Jahre drohen. Statt Stricker hätte Lüthi auch Rémy Bertola (ATP 187) oder Jérôme Kym (ATP 284) als zweiten Einzelspieler aufstellen können, gegen Fonseca wären ihre Siegchancen aber ebenso gering gewesen. Am 30. September 2024 stand letztmals ein Schweizer in den Top 100 des ATP-Rankings (Alexander Ritschard eine Woche als Nummer 99).
Aktuell ist man davon weit entfernt. In diesem Jahr war Wawrinka der einzige Schweizer, der es in das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers schaffte, drei der viermal nur dank einer Wildcard. Seine beiden schönen Siege Anfang Jahr an den Australian Open waren folglich die einzigen Schweizer Erfolgserlebnisse auf höchster Stufe.
Dank an Wawrinka
An Wawrinka liegt es gewiss nicht, das Schweizer Männertennis wieder aus der Talsohle zu holen. Vielmehr drückte Lüthi noch einmal seine Bewunderung für den dreifachen Grand-Slam-Champion aus. «Wir sind sehr froh und glücklich, dass er so lange gespielt hat und noch einmal den weiten Weg nach Brasilien gemacht hat.»
Seinen wettkampfmässigen Abschied wird Wawrinka im Oktober an den Swiss Indoors in Basel geben.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.