Ein charaktervoller Bergwein

Nun bricht sie wieder an, die Zeit der grossen Bühne für eine bisweilen etwas sperrige, aber höchst interessante Rebsorte aus dem Alpenraum: die Walliser Humagne rouge.
Publiziert: vor 10 Minuten
- Die Walliser Humagne rouge ist ursprünglich aus dem Aostatal eingewandert
- Die anspruchsvolle Sorte bringt spannende, charaktervolle Weine hervor, die nach Waldbeeren, Veilchen und Unterholz duften
- Die Humagne rouge passt wunderbar zu eleganten Wildgerichten, ist also der Herbstwein par excellence
Eva ZwahlenRedaktorin Wein
Wer im Herbst gerne Wild isst und sich bei den Walliser Spezialitäten auskennt, greift jetzt mit Vorliebe zur Humagne rouge du Valais. Die Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorbene, dann aber gerettete Sorte wurde danach oft als «Urwalliserin» gefeiert, erdverbunden, charaktervoll, mit Ecken und Kanten wie die Walliser selbst.
Doch, oha: Als Rebgenetiker José Vouillamoz um die Jahrtausendwende nachweisen konnte, dass die Humagne rouge genetisch identisch ist mit dem Cornalin aus dem nahen Aostatal und folglich von dort ins Wallis eingewandert sein muss, war die Aufregung im Wallis gross.
Vouillamoz stellte zudem fest, dass der Walliser Cornalin (auch alter Landroter genannt) identisch ist mit der Sorte Humagne rouge aus dem Aostatal, also ebenfalls ein Immigrant – und erst noch der Vater der Walliser Humagne rouge. Womit die Namensverwirrung komplett ist…
Alpine Kostbarkeiten
Doch lassen wir uns davon nicht irritieren! Beide Sorten gehören längst zum ampelografischen Rebsorten-Schatz des Wallis und bringen Weinkennerinnen und Weinkenner ins Schwärmen. Die Walliser Humagne rouge – die übrigens weder verwandt noch verschwägert ist mit der Humagne blanche – ist eine sehr anspruchsvolle, spät reifende Sorte (drei Wochen nach dem Fendant). Deshalb verlangt sie nach allerbesten Lagen. Zudem muss man ihren Ertrag zügeln, sonst überbordet sie.
Nach den neusten Zahlen von 2025 wird sie auf 141 Hektar angebaut, fast ausschliesslich im Wallis (mit winzig kleinen Ausnahmen in der Waadt). Sie präsentiert sich in strahlendem Rubinrot als kräftiger, straff gebauter, sympathisch rustikaler Wein, der in seiner Jugend mit ausdrucksvoller Beerenfrucht (Waldbeeren), aber auch mit Noten von Veilchen gefällt und mit zunehmender Reife spannende Akzente von Unterholz oder Baumrinde entwickelt.
Authentisch und wild
Kluge Winzerinnen und Winzer versuchen nicht, durch übermässigen Holzeinsatz die Authentizität, diese charakteristische wilde Seite der Humagne rouge zu zähmen. Denn genau das ist es ja, was sie so unverwechselbar macht. Und was sie prädestiniert zur perfekten Begleiterin von edlen Wildgerichten wie Rehrücken oder Hirschmedaillons.
Wild zu wild, das passt einfach! Ausserdem wird die Walliser Humagne rouge ab zwei, drei Jahren Flaschenreife immer komplexer und eleganter – ein Wein, der auch bei Gourmet-Diners rund um Wild selbst anspruchsvollste Weinkenner zu begeistern vermag.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.