«Amt für Positivität» – Baslerin sammelt Glücksmomente – gegen das Negative

«Amt für Positivität» Baslerin sammelt Glücksmomente – gegen das Negative
In der Basler Spalenvorstadt sammelt Sabine Koitka handgeschriebene Glücksgeschichten. Die ungewöhnliche Meldestelle soll dem Negativen etwas Positives entgegensetzen.
Am Altstadthaus «Zum Österreich» in der Basler Spalenvorstadt blühen rote Geranien. Hinter der historischen Fassade befindet sich eine ungewöhnliche Institution: die Meldestelle für Glücksmomente. Hier sammelt Sabine Koitka Geschichten über das Glück. Menschen können ihre persönlichen Glücksmomente bei der Baslerin in den Briefkasten einwerfen.
Es gibt keine typischen Glücksgeschichten. Jede einzelne ist ein Unikum.
Mehr als 70 handgeschriebene Briefe, Notizzettel und Fotografien sind seither eingetroffen. Jede Geschichte sei anders, erzählt Koitka: «Es gibt keine typischen Glücksgeschichten. Jede einzelne ist ein Unikum.»
Inspiriert vom Journalisten und Glücksforscher Mark Riklin sammelt die Baslerin seit fünf Jahren Glücksgeschichten. Darunter sind bewegende Zufälle wie eine wiedergefundene Liebe oder kurze Botschaften wie: «Mein heutiger Glücksmoment: Du!» Wer sie geschrieben hat, weiss Koitka nicht. «Das spielt eigentlich auch keine Rolle.»
Von Weihnachtsguetzli bis zur Rettung am Berg
Oft berichten die Baslerinnen und Basler in ihren Zuschriften von kleinen Alltagsfreuden wie dem Ausschlafen an einem freien Tag oder dem Duft von frisch gebackenen Weihnachtsguetzli. Andere erzählen von prägenden Erlebnissen, etwa einer Rettung am Berg oder einer gelungenen Flucht nach Basel.
Wenn man mit Menschen über Glück spricht, dann entstehen die schönsten und tiefsinnigsten Gespräche.
Besonders in Erinnerung geblieben ist Koitka der Brief einer schwer kranken Frau. Darin schreibt diese, die schmerzfreien Minuten ihres Tages seien ihr grösstes Glück. «Das hat mich sehr berührt», sagt Koitka.
Wünsche zum Mitnehmen
Wer an der Meldestelle vorbeikommt, findet an der Tür nicht nur einen Briefkastenschlitz, sondern auch kleine «Wünsche to go». Darauf stehen Gedankenanstösse wie: «Eine Vision ist am Anfang nur eine Baustelle» oder «Die Menschen sind wie Engel mit einem Flügel. Sie müssen sich umarmen, um fliegen zu können.» Die Zettel seien oft schon nach wenigen Tagen vergriffen. Dann hängt Koitka neue auf.
Die Meldestelle sei auch ein Begegnungsort: «Wenn man mit Menschen über Glück spricht, entstehen die schönsten und tiefsinnigsten Gespräche», sagt Koitka.
Ein Gegengewicht zu schlechten Nachrichten
Die Idee hinter dem Projekt ist für Koitka eine bewusste Gegenbewegung zum alltäglichen Nachrichtenstrom. «Mir ist aufgefallen, dass ich durch die vielen schlechten Nachrichten heruntergezogen werde. Ich wollte einen Weg suchen, das Positive in den Vordergrund zu rücken», sagt sie.
Bewusst setzt sie dabei auf analoge Kommunikation. «Einen richtigen Brief zu schreiben hat eine ganz andere Energie, als eine E‑Mail in den Computer zu tippen.» Mit jedem neuen Brief wachse ihre Sammlung. Und damit, so hofft sie, auch das Gegengewicht zu den Krisen und Konflikten dieser Welt. «Je grösser die Glückssammlung wird, desto grösser wird das Gegengewicht zur schlimmen Weltlage.»
Farben und Glück unter einem Dach
Untergebracht ist die Meldestelle in einem Haus, in dem Kreativität eine grosse Rolle spielt. Im Erdgeschoss verkauft Koitka Farben, Pigmente und Künstlerbedarf, darunter auch Raritäten aus dem Nachlass des Reinacher Farbingenieurs Theodor Bolsinger.
Ich bin das Amt für Positivität. Meldestellen, wo man sich beschweren kann, gibt es schon genug.
Für Koitka ist das kein Zufall. Farben und Glück hätten etwas gemeinsam: Beide machten die Welt ein wenig heller. «Ich bin das Amt für Positivität. Weil: Meldestellen, wo man sich beschweren kann, gibt es schon genug.» Koitkas grosser Traum ist es, die gesammelten Wünsche in einem Buch zu publizieren.
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