Maximalbestand an Wölfen – Parlament will Schutz von Wölfen in der Schweiz weiter lockern

Maximalbestand an Wölfen Parlament will Schutz von Wölfen in der Schweiz weiter lockern
Ein Schwellenwert soll regeln, wann Kantone Wölfe oder Rudel abschiessen dürfen. Das Jagdgesetz müsste dafür geändert werden.
23.09.2026, 19:17
Bisher galt in der Schweiz, dass es einen Minimalbestand für den Fortbestand des Wolfes braucht, nämlich 12 Rudel. Mit der am Mittwoch diskutierten Motion wäre es möglich, auch einen Maximalbestand festzulegen. Dazu trafen im Nationalrat zwei Sichtweisen aufeinander.
Es geht ausdrücklich nicht darum, den Wolf auszurotten.
Monika Rüegger von der SVP sah als Sprecherin der Mehrheit der vorberatenden Kommission vor allem das Problem der Risse durch die immer weiter wachsende Wolfspopulation: «Innerhalb von sieben Jahren sind die Wolfrudel von drei Rudeln auf 43 Rudel massiv angestiegen. Alleine letztes Jahr kamen 155 Welpen zur Welt und 13 neue Rudel wurden gebildet.»
Dem müsse Einhalt geboten werden, aber dabei sei wichtig: «Es geht ausdrücklich nicht darum, den Wolf auszurotten. Sein Bestand soll weiterhin gesichert bleiben. Und die Umsetzung muss mit der Berner Konvention vereinbar sein.»
Noch mehr Regulierung ist nicht nötig, nicht zweckmässig und nicht faktenbasiert.
Ganz anders als SVP-Nationalrätin Monika Rüegger sah es SP-Nationalrat Hasan Candan. Mit dem vor drei Jahren revidierten Jagdgesetz sei eine präventive Regulierung des Wolfsbestands bereits möglich: «Noch mehr Regulierung ist nicht nötig, nicht zweckmässig und nicht faktenbasiert. Die Statistiken belegen dies eindeutig. Die Risszahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen, obwohl die Anzahl Wölfe und Rudel stark zugenommen habe.»
Bundesrat hat Annahme empfohlen
SVP-Bundesrat Albert Rösti sprach sich für diesen Vorstoss aus, mit dem Wölfe ab einer bestimmten Anzahl geschossen werden dürfen. Er gab zu bedenken: «Wir dürfen Herdenschutz und die Dezimierungspolitik nicht gegeneinander ausspielen. Es braucht beide Massnahmen. Beide Massnahmen zusammen haben dazu geführt, dass die Schäden zurückgehen. Das gilt es anzuerkennen. Und dieser Rückgang sollte noch weiter fortgesetzt werden.»
Der Vorstoss wurde mit 116 Ja zu 73 Stimmen deutlich angenommen. Die Annahme geht einher mit der zuletzt harten Linie des Parlaments gegenüber dem Wolf. So sollen Wölfe auch in Jagdbanngebieten gejagt werden dürfen. Das Parlament sprach sich auch dafür aus, dass sogenannte Problemwölfe ganzjährig gejagt werden dürfen.
Kritik an «Rasenmäher-Methode»
Die heute beschlossene Möglichkeit, Maximalbestände einzuführen, stösst bei Umweltorganisationen wie Pro Natura, WWF, Birdlife und der Gruppe Wolf Schweiz auf Kritik.
David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz sagt: «Wir haben heute nahezu 50 Wolfsrudel in der Schweiz bei gleichzeitig rückläufigen Konflikten. Einzelne Voten haben sich dahingehend geäussert, dass der heutige Mindestbestand von zwölf Rudeln der neue Maximalbestand werden könnte. Falls das umgesetzt werden soll, dann würde das zu einem Abschuss der grossen Mehrheit der Schweizer Wölfe führen. Das ist eine Rasenmäher-Methode.»
Widerstand zeichnet sich ab. David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz sagt es so: «Wenn gewisse Dinge, die heute Morgen im Nationalrat geäussert wurden, so kommen sollten, dann ist ein Referendum selbstverständlich sehr ernsthaft in Betracht zu ziehen.»
Im Falle eines Referendums wäre ein emotionaler Abstimmungskampf vorprogrammiert.
Zuerst ist nun Bundesrat Rösti am Zug – er muss die Revision des Jagdgesetzes ausarbeiten.
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