«Wir Boomer sind nicht geizig – wir haben gelernt zu sparen»

- Babyboomer haben viel Vermögen angehäuft, geben im Alter aber erstaunlich wenig davon aus.
- In der 20-Minuten-Community sorgt das für Diskussionen: Ist das Sparsamkeit oder Geiz?
- Während ältere Leser und Leserinnen ihre Lebensleistung verteidigen, kritisieren jüngere die ungleichen finanziellen Chancen.
Die Babyboomer gehören zu den vermögendsten Generationen der Geschichte. Trotzdem halten sich viele auch im Ruhestand mit Ausgaben zurück. Statt ihr Erspartes für Reisen, Restaurantbesuche oder andere Annehmlichkeiten auszugeben, legen sie weiterhin Geld auf die Seite. Das zeigt eine Analyse des «Economist». Mehr dazu liest du hier im Originalartikel.
Doch sind die zwischen 1946 und 1964 Geborenen tatsächlich geizig? In der Kommentarspalte von 20 Minuten gehen die Meinungen auseinander. Besonders die Frage, ob sich junge Menschen heute mit harter Arbeit noch denselben Wohlstand aufbauen können, sorgt für Diskussionen.
«Bitte kein Neid»
Für Leser RH13 ist klar, weshalb viele Babyboomer finanziell gut dastehen. «Der grosse Generationenunterschied ist, dass wir voll gearbeitet haben und vor dem Kaufen Geld gespart haben», schreibt er.
Die jüngeren Generationen seien dagegen verwöhnt und würden sich Wünsche erfüllen, die sie sich eigentlich nicht leisten könnten. Als Beispiele nennt er teure Autos und Schönheitsbehandlungen. Sein Rat: «Also bitte kein Neid, sondern einfach uns nachmachen.»
Diese Haltung bringt Leser t.ttt auf die Palme. Er arbeite seit seinem 15. Lebensjahr 50 Stunden pro Woche. Trotzdem könne er sich kein Eigenheim leisten. «Mit der Logik hätte ich mir mit 35 ein Haus leisten können, so wie mein Vater, aber hey, dieses Haus kostet heute nicht mehr 200’000 Franken, sondern 3,5 Millionen.»
«Hört auf, Boomer als stinkreich zu bezeichnen»
Dass längst nicht alle Babyboomer vermögend sind, zeigt der Kommentar von Gitt@Ferien. Die Leserin hat ihre beiden Kinder jahrelang allein grossgezogen und musste mit Teilzeitjobs und Stundenlohn über die Runden kommen.
Was sollte mit einem grösseren Vermögen im Alter eher passieren?
Sie schreibt: «Ich war nur am Rotieren mit Geldverdienen, um meinen Kindern ein einigermassen normales Leben zu ermöglichen.» Ferien habe es nur selten gegeben, wenn überhaupt auf dem Campingplatz.
Sie appelliert: «Also bitte hört auf, die Boomer als stinkreich zu bezeichnen, und denkt auch an jene, die leider das Glück nicht auf ihrer Seite hatten.»
«Ich will mein Geld nicht aufbrauchen»
Leser Dimetrius hingegen lebt mit seiner Partnerin in einem fast abbezahlten Haus. Er fragt: «Und jetzt sollen wir es möglichst billig abgeben und uns eine kleine Wohnung für das Sechsfache an Miete anschaffen?» Er wolle sein Geld nicht aufbrauchen, um später auf Ergänzungsleistungen angewiesen zu sein.
Auch Leser FbFa erinnert daran, wie teuer das Alter werden kann. «Ich betreute einen 85-jährigen Vollinvaliden während sechs Jahren, nach dieser Formulierung einen ‹stinkreichen Alten›, und bezahlte seinen Aufenthalt im Pflegeheim – monatlich fast CHF 10’000 – von seinen Ersparnissen. Noch Fragen?»
«Ich habe beschlossen, mir mehr zu leisten»
Dass es auch anders geht, zeigt Gerber54. Jahrzehntelang lebte er sparsam, doch mit 70 Jahren änderte er seine Einstellung. «Ich habe beschlossen, mir deutlich mehr zu leisten als vorher und mehr Geld auszugeben», erzählt er. Seither habe er sein Haus renoviert, gönne sich jährlich drei teure Ferienreisen und erfülle sich Wünsche, auf die er früher verzichtet habe.
Wieder andere möchten ihr Vermögen lieber an die nächste Generation weitergeben. Leser Markus-S hat damit nicht bis zu seinem Tod gewartet: «Ich habe viel Geld meinen Kindern geschenkt. Sie brauchen es jetzt, nicht erst, wenn ich im Grab bin.»
«Die Zukunft gehört uns Jungen»
Genau das wünscht sich auch LaylaBailey21 von der älteren Generation. Die 21-Jährige findet es enttäuschend, wenn vermögende Eltern ihr Geld lieber behalten, statt ihre Kinder zu unterstützen. «Gerade die Babyboomer haben doch von den Immobilienpreisen und einer guten Wirtschaft profitiert», schreibt sie. Ihre eigenen Eltern hätten früh Immobilien gekauft und würden sie heute finanziell unterstützen.
«Wofür baut man denn sonst ein Vermögen auf, wenn nicht für seine Kinder?» Sie studiere und arbeite gleichzeitig, sehe aber nicht ein, weshalb junge Menschen jahrelang auf alles verzichten müssten. «Schliesslich gehört die Zukunft uns Jungen.»
Wie siehst du das?
Viele Babyboomer haben über die Jahre ein Vermögen aufgebaut. Doch bis ihre Kinder dieses erben, stehen sie oft selbst kurz vor der Pensionierung. Wie ist das bei dir? Hast du von deinen Eltern bereits einen Erbvorbezug erhalten oder würdest du dir einen wünschen? Traust du dich, das Thema anzusprechen, oder findest du es unangenehm, deine Eltern um Geld zu bitten?
Vielleicht ärgerst du dich auch darüber, dass deine Eltern ihr Vermögen ausgeben, während du selbst finanziell kämpfen musst. Oder bist du der Meinung, dass deine Eltern mit ihrem Geld machen dürfen, was sie wollen? So oder so: Erzähl uns deine Geschichte unten im Formular!
Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.
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