«Geh wandern mit Bro»: Emirhan (23) tauscht Club gegen Berge

Kein Club, kein lauter Bass und auch kein Kater: Junge Männer tauschen den Ausgang gegen die Bergluft. Sie schnappen ihre Jungs und verbringen ihre Wochenenden auf dem Wanderweg statt im Partygedränge. Was für sie zählt, sind die frische Luft, gute Gespräche und die Zeit miteinander.
Auf Social Media gehen Videos von jungen Creators viral, die sich und ihre Kollegen beim Wandern filmen. «Geh wandern mit Bro», schreiben sie zu ihren Clips, die kurz und dynamisch geschnitten sind – sie sollen zeigen, dass für einen gelungenen Tag in den Bergen kein grosses Abenteuer nötig ist.
Wofür nutzt du freie Zeit mit deinen Freunden am liebsten?
Die Reaktionen auf die Videos sind überwiegend positiv. «Ich glaube, es wäre so spassig mit euch», kommentiert ein Nutzer. «Geil, ich hätte so Lust», schreibt jemand anderes. Viele markieren ihre Freunde und schlagen vor, selbst einmal gemeinsam loszuziehen, ganz nach dem Motto: «Das könnten wir auch mal machen.»
Hier finden die Jungs ihren Ausgleich
Wir haben bei Emirhan (23) und Marinho (24) nachgefragt, was die Berge für sie so besonders macht. Beide nehmen ihre Follower in Videos regelmässig mit auf ihre Bergtouren – manche ihrer Videos haben drei oder gar vier Millionen Views.
Emirhan (23) war als Kind nie wandern. Der Deutsche erzählt, dass er sein neues Hobby eher zufällig entdeckte. Während seiner Wellness-Ferien wollte er von der Arbeitswelt abschalten. «Ich habe dann schnell gemerkt, dass ich nicht 24/7 saunieren kann.» Stattdessen probierte er das Wandern aus und es gefiel ihm. Danach wollte er öfter in die Berge, «vor allem auch mal mit meinen Jungs».
Dass seine Videos auf Social Media so gut ankommen würden, habe er nicht erwartet. Tiktok sei für ihn zunächst «mehr wie so eine Art Tagebuch» gewesen. «Ich wollte einfach den Vibe des Wanderns vermitteln.» Auf die Frage, was die Berge für ihn so besonders machen, antwortete er: «Dort wird mir bewusst, wie klein man als Mensch ist.» In den Bergen fühle Emirhan sich der Natur verbunden. «Diese Art von Verbundenheit spüre ich nicht, wenn ich im Club bin oder in einer Bar sitze.»
Marinho erzählt, dass er schon früher mit seiner Familie in Baden-Württemberg wandern war und damals schon «total fasziniert davon» war. Richtig für sich entdeckt habe er das Wandern aber erst wieder vor etwa drei Jahren, nachdem er den Führerschein gemacht hatte. Seither zieht es ihn immer wieder nach draussen: «Ich liebe die Natur und fühle mich in den Bergen einfach unglaublich wohl.» Er sagt: «Die Berge bedeuten für mich Freiheit und Abstand vom Alltag.» Gemeinsam mit Freunden erlebt er Abenteuer, entdeckt neue Orte, sieht Tiere und badet in Bergseen in den Schweizer Alpen oder in Deutschland. Allein kann er abschalten und seine Gedanken sortieren.
Social Media lockt Junge in die Berge
Patricia Cornali, Mediensprecherin der Schweizer Wanderwege, sieht soziale Medien als wichtigen Treiber des Outdoor-Trends. «Content-Creator haben Aktivitäten wie Wandern und Joggen in den vergangenen Jahren bei jüngeren Menschen beliebter gemacht.» Sogar Fast-Fashion-Anbieter seien auf den Trend aufgesprungen und hätten ihn mit modischer Outdoor-Kleidung weiter verstärkt.
Cornali vermutet, dass junge Menschen in der Natur einen Ausgleich zum herausfordernden, ungewissen und stark technisch geprägten Alltag suchen. «Wandern ist die perfekte Möglichkeit, zu entspannen, die eigenen Gedanken zu ordnen oder sich mit Gleichgesinnten fernab digitaler Kommunikationskanäle auszutauschen», sagt sie.
Auf die Frage, was den Einstieg ins Wandern erleichtert, antwortet Cornali, dass es je nach Tour nicht viel Ausrüstung brauche. «Für einfache Wanderungen im Unterland reichen bequeme Turnschuhe mit gutem Profil.» Zudem gebe es passende Routen für fast jedes Fitnesslevel.
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Yasmina Al Dubai (yad), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juni 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Lifestyle-Ressort.
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