Umstrittener Gaza-Film «Naza» kommt ans ZFF

- Der Gaza-Dokumentarfilm «Naza» der israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor wird am Zurich Film Festival (24. September bis 4. Oktober) gezeigt.
- Der Film erhielt in Venedig den Spezialpreis der Jury, in Israel fordert Kulturminister Miki Zohar den Entzug der Staatsbürgerschaft der Regisseure.
- Die israelische Armee bestreitet zentrale Aussagen des 80-minütigen Films und prüft rechtliche Schritte.
Der umstrittene Gaza-Dokumentarfilm «Naza» kommt nach Zürich. Das Zurich Film Festival (ZFF), das vom 24. September bis 4. Oktober stattfindet, zeigt den Film der israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor.
Das Werk sorgte erst vor wenigen Tagen beim Filmfestival in Venedig für Aufsehen. «Naza» erhielt dort den Spezialpreis der Jury und wurde bei seiner Premiere rund 25 Minuten lang mit Standing Ovations gefeiert. In Israel fiel die Reaktion deutlich anders aus.
«Naza» steht für militärische Abkürzung
Im rund 80-minütigen Film erzählen 24 anonymisierte israelische Militär- und Geheimdienstmitarbeiter von ihren Erfahrungen im Gaza-Krieg. Thematisiert werden unter anderem die Auswahl von Angriffszielen, KI-gestützte Systeme und zivile Opfer.
Der Titel «Naza» steht laut den Filmemachern für eine militärische Abkürzung, mit der die erwartete Zahl ziviler Opfer eines Angriffs bezeichnet werde.
Israelische Armee weist Vorwürfe zurück
Die israelische Armee bestreitet zentrale Aussagen des Films. Sie kritisiert, dass die Vorwürfe auf anonymen Quellen beruhen, und betont, Entscheidungen über Angriffsziele würden von Menschen getroffen. Generalstabschef Eyal Zamir liess zudem prüfen, ob rechtliche Schritte gegen die Filmemacher möglich sind und ob geheime Informationen weitergegeben wurden.
Noch weiter ging Kulturminister Miki Zohar. Er forderte, einen Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft der Regisseure zu prüfen. Zudem verlangte er eine Untersuchung durch den Inlandsgeheimdienst Shin Bet.
ZFF nimmt Stellung
Auf Anfrage von 20 Minuten erklärt das Zurich Film Festival: «Wir verstehen uns als Plattform für eine Vielfalt an Stimmen, Perspektiven und Themen.» Die Auswahl der Filme erfolge unabhängig und nach kuratorischen, filmischen Kriterien.
Regisseure verteidigen Film
Yuval Abraham und Rachel Szor weisen die Kritik zurück. Sie betonen, die Aussagen ihrer Quellen seien überprüft worden und die Anonymisierung diene deren Schutz. Abraham sagte bereits in Venedig, es sei ihm besonders wichtig, dass auch Israelis den Film sehen. Zugleich betonte er, Israel sei sein Zuhause.
Für das Regieduo ist es nicht die erste international beachtete Produktion. Beide arbeiteten bereits an «No Other Land» mit, der 2025 den Oscar als bester Dokumentarfilm gewann.
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Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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