Grossdemos in Frankreich: 20 Minuten berichtet aus Paris

Schüler-Proteste
Grossdemo in Frankreich: Polizei kontrolliert Schüler in GenfIn Frankreiche sind für Dienstag landesweite Schüler-Proteste angesagt. Nach früheren Ausschreitungen rüstet sich die Stadt. Auch in der Schweiz sind erste Auswirkungen zu spüren.
Darum gehts
- An zahlreichen Schulen in Frankreich demonstrieren Schülerinnen und Schüler für bessere Bedingungen. Teils kam es zu Ausschreitungen.
- Für Dienstag ist eine grosse Demonstration angekündigt.
- In der Schweiz wachsen die Befürchtungen, dass die Proteste überschwappen könnten.
Deine Meinung zählt
06.10.2026
Di 12:06
Gewalt auf beiden Seiten
Laut «Le Monde» haben die Staatsanwaltschaften die französische Polizeiaufsicht IGPN mit sechs Ermittlungen beauftragt. In Lens verlor ein 15-Jähriger bei einem Polizeieinsatz durch eine explodierende Granate eine Hand, der genaue Ablauf ist noch offen. In Saint-Ouen-l'Aumône wurde ein 14-Jähriger Videos zufolge aus kurzer Distanz von einer Tränengasgranate im Gesicht getroffen, kurz nachdem er einen Polizisten getreten hatte. In Tours verlor ein 16-Jähriger auf einem Auge das Sehvermögen, laut Staatsanwaltschaft passt der Befund zu einem Gummigeschoss.
Laut Bildungsministerium wurden 190 Schülerinnen und Schüler sowie 78 Schulmitarbeitende verletzt. Das Innenministerium meldet seit dem 28. September 650 verletzte Einsatzkräfte, ohne Angaben zu Schwere und Ursachen. In Belfort wurde ein Polizist nach einer Festnahme zu Boden gebracht und gegen den Kopf getreten. In Marseille sitzt ein 15-Jähriger in Untersuchungshaft: Er soll einer Passantin mit Spraydose und Feuerzeug eine Flamme ins Gesicht gesprüht haben.
06.10.2026
Di 11:20
Schülerinnen in Genf kontrolliert
Gemäss «watson Romandie» sind erste Auswirkungen der Proteste auch in der Schweiz spürbar. Schülerinnen und Schüler des Lycées «Madame de Staël» hätten dem Online-Portal berichtet, dass sie am Bahnhof von der Polizei kontrolliert worden seien. «Sie haben uns Parfüm, Feuerzeuge und Deodorants abgenommen», berichtete eine Schülerin.
Die Stimmung vor Ort sei angespannt. Die Bereitschaftspolizei sei Ende letzter Woche vor Ort gewesen, der Schuleingang sei mit Mülltonnen versperrt worden. Laut eines Videos brannte später eine der Mülltonnen. Seit dieser Woche habe sich die Stimmung allerdings beruhigt.
Auch die Walliser Polizei hat bereits vor einem Überschwappen der Proteste auf die Schweiz gewarnt. Die Polizei habe Aufrufe zur Blockade mehrerer Orientierungsschulen im französischsprachigen Kantonsteil festgestellt. Sie warnte auf sozialen Netzwerken davor, konkrete Aufrufe zu Gewalt oder Blockaden weiterzuverbreiten. Die Juristin Meriam Mastour kritisierte gegenüber 20 Minuten die Kampagne als Einschüchterung. Die Polizei betont, politische Meinungsäusserungen und Solidaritätsbekundungen seien davon nicht betroffen.
06.10.2026
Di 10:30
Polizei mit Grossaufgebot im Einsatz
Nach den teils gewaltsamen Ausschreitungen der vergangenen Tage hat die Polizei ihre Präsenz verstärkt. Innenminister Laurent Nuñez verteidigte den Einsatz von Granaten und Gummigeschossen bei Ausschreitungen als verhältnismässig. Amnesty International kritisiert das Vorgehen als unverhältnismässig.
06.10.2026
Di 10:14
Gewerkschaften unterstützen Protest
Mehrere Bildungsgewerkschaften unterstützen den Aktionstag und rufen teils zum Streik auf. Auch die Sozialisten und die linkspopulistische Partei La France Insoumise erklärten ihre Solidarität. Damit erhält die bisherige Schülerbewegung deutlich breitere Unterstützung.
06.10.2026
Di 10:14
Grosse Demo für Dienstag erwartet
Für Dienstag haben Schülervertretungen zu einem landesweiten Protesttag aufgerufen. In Paris ist ab 14 Uhr eine Demonstration auf der Place de la République geplant. Erwartet werden laut dpa zwischen 20'000 und 40'000 Teilnehmende. Im Grossraum Paris sollen vorsorglich 200 Gymnasien geschlossen bleiben.
06.10.2026
Di 10:13
Regierung stellt Verbesserungen in Aussicht
Premierminister Sébastien Lecornu hat mehrere Ministerien beauftragt, konkrete Verbesserungen an den Schulen vorzubereiten. Er bezeichnete die Sorgen der Schülerinnen und Schüler als berechtigt, verurteilte aber Gewalt und die Instrumentalisierung der Proteste.
06.10.2026
Di 10:13
Schwere Verletzungen verschärften die Kritik an der Polizei
Besonders erschüttert hat der Fall eines 15-Jährigen in Lens: Bei einem Polizeieinsatz verlor ein 15-Jähriger durch die Explosion einer Polizeigranate eine Hand. Welcher Granatentyp eingesetzt wurde und wie es genau zu der Verletzung kam, wird durch die Generalinspektion der Nationalpolizei (IGPN) untersucht. Auch nach weiteren Verletzungen Jugendlicher stehen die Sicherheitskräfte in der Kritik. Amnesty International spricht von einem unverhältnismässigen Vorgehen.
06.10.2026
Di 10:13
Tausende Festnahmen seit Beginn der Proteste
Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Justizministeriums 5060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Gegen 1802 Betroffene wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Regierung beziffert die Schäden an Schulen und im öffentlichen Raum auf mehrere Millionen Euro.
06.10.2026
Di 10:12
589 Schulen am Montag von Unruhen betroffen
Am Montag, 5. Oktober, kam es nach Angaben der Behörden landesweit an 589 Schulen erneut zu Protesten und Blockaden. Vielerorts fiel der Unterricht ganz oder teilweise aus. In Paris musste ein Gymnasium evakuiert werden, nachdem am Eingang mehrfach Feuer gelegt worden war.
06.10.2026
Di 10:11
Proteste weiteten sich aus
Aus der Schülerbewegung ist rasch eine landesweite Protestwelle geworden. Besonders gross ist die Unzufriedenheit laut Berichten in sozial benachteiligten Gegenden, wo Schulen oft schlechter ausgestattet sind. Neben Gymnasien sind inzwischen auch einzelne Universitäten von Aktionen betroffen.
06.10.2026
Di 10:10
Seit einer Woche wird protestiert
Seit rund einer Woche protestieren Schülerinnen und Schüler in ganz Frankreich. Auslöser waren fehlendes Personal und schlechte Bedingungen an vielen Schulen. Gefordert werden unter anderem mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen, kürzere Schultage sowie besser ausgestattete Schulgebäude.
Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.
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