Nemo totgebissen, doch Schäferhund läuft weiter ohne Maulkorb rum

- Der Labradoodle Nemo (2) wurde beim Panoramaweg am Uetliberg von einem Deutschen Schäferhund totgebissen.
- Das Veterinäramt übernahm den Fall, doch ob Sicherheitsmassnahmen angeordnet wurden, erfuhr Besitzerin Lisa bis heute nicht.
- Vier Monate nach dem Angriff sah Lisa den Schäferhund erneut am Uetliberg – ohne Maulkorb.
Der 22. Mai sollte eigentlich ein schöner Tag werden und begann für die Zürcherin Lisa deshalb mit einem sonnigen Spaziergang am Panoramaweg beim Uetliberg. Mit ihrem zweijährigen Labradoodle Nemo war sie gerade auf einer Blumenwiese unterwegs, als die beiden an einer Frau mit einem Deutschen Schäferhund vorbeikamen.
«Nemo machte einen grossen Bogen um den Hund», erinnert sich die 32-Jährige. Doch kurz nach der Begegnung riss sich der Schäferhund los, rannte auf Nemo zu und biss ihn tödlich. Was folgte, beschreibt Lisa als «Horrorerlebnis»: Schwanger mit Zwillingen versuchte sie verzweifelt, den grossen Hund von ihrem eigenen wegzuziehen. Vergeblich. «Ich war völlig hilflos und musste alles mitansehen.» Die Halterin habe nicht versucht, ihren Schäferhund zurückzuhalten.
Vom Mittagsspaziergang direkt ins Krematorium
Zunächst bat Lisa eine Passantin, den Rettungsdienst zu alarmieren. Kurz darauf bemerkte sie aber, dass Nemo nicht mehr atmete. Stattdessen verständigten sie die Polizei. Diese nahm die Personalien auf und leitete den Fall an das Veterinäramt weiter.
Danach sei alles sehr schnell gegangen. «Ich rief meinen Mann an und wir fuhren direkt ins Krematorium», erzählt Lisa. Für die Familie sei es eine schwere Zeit gewesen. Zwei Jahre lang hätten sie Nemo erzogen und sich darauf gefreut, dass ihre Zwillinge mit ihm aufwachsen würden. «Er war lebensfroh und lieb zu allen.»
Neben der Trauer beschäftigt Lisa auch die Frage der Kosten. Nach ihren Angaben lastete die Haftpflichtversicherung der anderen Hundehalterin ihr eine Mitschuld von 50 Prozent an. Die Begründung: Nemo sei ohne Leine unterwegs gewesen. «Dabei waren wir im Freilaufgebiet, also ausserhalb des Bereichs der saisonalen Leinenpflicht», sagt Lisa.
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Vier Monate später: Schäferhund wieder ohne Maulkorb unterwegs
Nach dem tödlichen Angriff habe die Halterin des Schäferhundes Lisa persönlich versprochen, den Hund künftig nur noch mit Maulkorb auszuführen. Im September, also vier Monate später, habe die 32-Jährige jedoch noch keine entsprechenden Sicherheitsmassnahmen bemerkt: «Ich war fassungslos, als ich den Hund wieder sah – ohne Maulkorb.» Dabei war die Zürcherin mit ihren neugeborenen Zwillingstöchtern und ihrem neuen Welpen unterwegs.
«Ich frage mich: Muss erst wieder ein Hund – oder gar ein Kind – sterben, bevor sich etwas ändert?»
«Ich meide den Panoramaweg inzwischen», sagt sie zu 20 Minuten. Gleichzeitig mache sie sich Sorgen um die Sicherheit anderer. Die Gegend sei besonders bei Familien mit kleinen Kindern und Hundehalterinnen und Hundehaltern beliebt. Auch andere Personen aus der Umgebung hätten ihr gegenüber bereits Bedenken wegen des Schäferhundes geäussert.
Bei Lisa bleibt das Gefühl zurück, dass die Interessen der Halterin des Schäferhundes stärker geschützt wurden als ihre eigenen Anliegen als Betroffene. «Ich frage mich: Muss erst wieder ein Hund – oder gar ein Kind – sterben, bevor sich etwas ändert?», sagt Lisa.
Das sagt das Veterinäramt
Ob das Veterinäramt nach dem Vorfall tatsächlich Sicherheitsmassnahmen angeordnet hat, weiss Lisa nach eigenen Angaben bis heute nicht. Trotz mehrfacher Nachfragen habe sie dazu keine Auskunft erhalten.
Gegenüber dieser Redaktion bestätigt das Zürcher Veterinäramt, dass ihm der Vorfall bekannt ist. Aus Datenschutzgründen könne man sich dazu allerdings nicht äussern. Gemeldete Vorfälle würden zeitnah geprüft und anhand einer standardisierten Risikoeinschätzung beurteilt. Dabei würden unter anderem die Umstände des Vorfalls, das Verhalten des Hundes und die Leinenführung berücksichtigt.
Je nach Risiko ordne das Amt geeignete Massnahmen an, bei Bedarf auch sofort. Ziel sei es, weitere Vorfälle zu verhindern und Menschen sowie Tiere bestmöglich zu schützen.
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Josephine Schertenleib (jos), Jahrgang 2001, arbeitet seit September 2024 für 20 Minuten und ist Teil des Regionen-Teams.
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