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Friday, October 16, 2026

Geteilte Meinungen – Vor der Grippe-Saison: Inwiefern lohnt sich die Impfung?

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Im Herbst rät das Bundesamt für Gesundheit BAG Personen mit erhöhtem Risiko jeweils dazu, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Konkret gilt die Empfehlung für Personen ab 65 Jahren, Schwangere, Personen mit chronischen Erkrankungen und frühgeborene Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren.

Trotz dieser Empfehlung verharrt die Grippeimpfquote in der Schweiz auf relativ tiefem Niveau. Laut dem BAG hätten sich gemäss der letzten Befragung zur Grippe-Durchimpfung im Winter 2023/24 lediglich 37 Prozent der über 65-Jährigen gegen die Grippe impfen lassen.

Wirksamkeit der Grippeimpfung

Doch warum lassen sich nicht mehr Personen impfen? Philip Tarr ist Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten am Kantonsspital Baselland. Er sagt: «Am ehesten liegt das meiner Meinung nach daran, dass die Schweizer Ärztinnen- und Ärzteschaft gemerkt hat, dass die Grippeimpfung nicht besonders wirksam ist.»

Viele Ärztinnen und Ärzte würden diesen Aufwand als sehr gross ansehen, und der Nutzen, also etwa verhinderte Hospitalisationen, sei leider nicht sehr gross. Das Problem sei, dass wir nach wie vor keine wirklich guten Grippeimpfstoffe hätten. Die Grippeimpfung sei entsprechend nicht besonders wirksam.

Person erhält eine Impfung in den Arm.
Legende: Das BAG rät jeweils im Herbst Personen über 65 Jahren sowie Personen mit bestimmten Risiken, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Keystone / ANTHONY ANEX

Die Aussage überrascht angesichts der aktuellen Empfehlung zur Grippeimpfung des Bundesamtes für Gesundheit. Philip Tarr, der ein nationales Forschungsprogramm zum Thema Impfskepsis leitete und Impfungen grundsätzlich befürwortet, stellt nun jedoch genau diese Haltung in Frage und sagt: «Jahrzehntelang wurde nicht darüber geredet, wie beschränkt die Grippeimpfung wirkt. Eine hohe Wirksamkeit war wie ein religiöses Dogma, das man als Arzt oder Forscherin nicht anzweifeln durfte, und entsprechend wenig wurde in die Entwicklung neuer, wirksamerer Grippeimpfstoffe investiert.»

BAG widerspricht

Das Bundesamt für Gesundheit widerspricht auf Anfrage der Darstellung, dass die Grippeimpfung nicht besonders wirksam sei. Zahlreiche grosse Studien würden zeigen, dass die Grippeimpfung das Risiko schwerer Krankheitsverläufe deutlich reduziere, schreibt das BAG in einer Stellungnahme.

Das Risiko grippebedingter Hospitalisierungen bei Erwachsenen und älteren Menschen sinke um durchschnittlich rund 40 Prozent, und jenes grippebedingter Todesfälle sinke um etwa 35–50 Prozent.

Nutzen für Hochrisikopatienten

Christoph Fux ist Chefarzt Infektiologie und Infektionsprävention am Kantonsspital Aarau. Er sagt, dass sich eine Grippeimpfung vor allem für Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko lohne: «Wer vor Kurzem einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag erlitten hat, profitiert maximal von einer Impfung. Schon die Impfung von 30 Personen kann hier ein neues Ereignis verhindern.»

Auch Menschen über 80 könnten profitieren, weil eine kleine Verschlechterung des Allgemeinzustandes dazu führen könne, dass sie nicht mehr selbstständig wohnen können. Er sagt jedoch auch: «Die meisten über 65-Jährigen sind gesund und haben sie einen geringen individuellen Vorteil von der Impfung. Dort geht es primär darum, die Menge der zirkulierenden Viren in der Bevölkerung zu reduzieren.»

Fux erinnert zudem daran, dass man bei Schnupfen durch das Tragen von Masken und Händewaschen wirksam verhindern kann, dass Viren zirkulieren. So könnten auch Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, aktiv zum Schutz von Menschen mit erhöhtem Risiko beitragen.

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