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Friday, October 16, 2026

«Neue Würenlos-Tankstelle»: Oeschinensee wird jetzt verspottet

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  • Der Oeschinensee im Berner Oberland wird auf Tiktok zunehmend zur Zielscheibe von Spott.
  • Wer ein Foto vom Bergsee postet, gilt in manchen Memes als Red Flag.
  • Ein Tourismusforscher erklärt, weshalb beliebte Ausflugsziele plötzlich verspottet werden.
  • Laut dem Experten könnte der Spott dem See sogar noch mehr Besucher bescheren.

Türkisblaues Wasser, steile Felswände und imposante Berggipfel: Der Oeschinensee im Berner Oberland ist ein beliebtes Fotosujet. Auf Tiktok und Instagram teilen Besucher regelmässig Bilder vor der spektakulären Kulisse. Doch genau diese Beliebtheit sorgt inzwischen für Spott.

Auf Tiktok häufen sich Videos und Kommentare, die sich über den Hype um den Bergsee lustig machen. Wer ein Foto vom Oeschinensee postet, gilt in manchen Memes mittlerweile als Red Flag – also als Warnsignal bei der Partnersuche.

«Bodycount wird auf null zurückgesetzt»

Besonders kurios ist ein neu entstandener Scherz, der auf Tiktok die Runde macht: Wer den Oeschinensee besucht, könne damit seinen «Bodycount» auf null zurücksetzen. Gemeint ist die Anzahl der bisherigen Sexualpartner und Sexualpartnerinnen.

Auch die Flut an immer gleichen Bildern sorgt für genervte Reaktionen. «Ich habe jetzt schon so viele Bilder vom Oeschinensee gesehen, ich muss selber gar nicht mehr dorthin gehen», schreibt ein User.

«Oeschinensee ist neue Würenlos-Tankstelle»

Auch der Schweizer Influencer Logik hat sich zum Hype um den Oeschinensee und zum allgemeinen Wandertrend geäussert. Diesem kann er durchaus Positives abgewinnen: «Das ist ja eigentlich gut, man geht aus dem Haus und sieht mehr von der Schweiz.»

Dass der Andrang am Oeschinensee mittlerweile enorme Ausmasse angenommen hat, räumt aber auch er ein: «Ihr habt schon recht. Der Oeschinensee ist die neue Würenlos-Tankstelle», sagt er in einem Video. Dennoch findet er: «Lieber chillt ihr am Oeschinensee als an irgendeiner Tankstelle.»

«Menschen wollen sich von der Masse abheben»

Tourismusforscher Florian Gasser, Dozent an der ZHAW, erklärt sich den Trend so: «Menschen wollen sich von der Masse abheben. Solange nur wenige ein Foto vom Oeschinensee posten, wirkt das wie ein Geheimtipp. Wenn plötzlich alle dasselbe Bild vom selben Punkt zeigen, ist es kein Geheimtipp mehr, sondern Mainstream, und genau darüber macht man sich dann potenziell lustig.»

Laut Gasser erleben beliebte Ausflugsziele häufig einen Boom, bevor die Stimmung kippt. Während die einen den Oeschinensee feiern, kritisieren andere den zunehmenden Andrang. «Der Spott richtet sich also weniger gegen den See als gegen das immer gleiche Foto», erklärt Gasser.

Gemäss Dr. Florian Gasser richtet sich der Spott weniger gegen den Oeschinensee als vielmehr gegen das immer gleiche Foto.

Gemäss Dr. Florian Gasser richtet sich der Spott weniger gegen den Oeschinensee als vielmehr gegen das immer gleiche Foto.privat

Macht der Spott den See noch beliebter?

Dass die negativen Kommentare tatsächlich zu weniger Besuchern führen, ist laut Gasser fraglich. Der Oeschinensee sei bei Familien, Wanderern und Gästen aus dem Ausland beliebt. «Die lassen sich von Tiktok-Memes kaum beeindrucken», sagt er. Ob sich der Spott negativ auf die Besucherzahlen auswirke, lasse sich ohnehin erst über mehrere Saisons hinweg feststellen.

Möglich sei sogar das Gegenteil: «Jedes Meme zeigt den See ein weiteres Mal und nennt seinen Namen, auch wenn es ihn eigentlich auf die Schippe nimmt.» Dadurch erreiche der Oeschinensee auch Menschen, die bisher noch nie von ihm gehört hätten. Einige davon könnten neugierig werden und den Bergsee selbst besuchen wollen.

Was hältst du vom Tiktok-Spott über den Oeschinensee?

Hinzu kommt laut Gasser der Algorithmus von Tiktok. Die Plattform verbreite Videos, über die viel gesprochen werde, unabhängig davon, ob die Reaktionen positiv oder negativ ausfielen: «Damit kann Spott die Bekanntheit eines Ausflugsziels sogar steigern.»

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Ammar Jusufi

Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.

Flurin Pestalozzi

Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.

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