Kult-Knetmasse in Feierlaune – «Shaun, das Schaf»-Erfinder feiern 50-jähriges Jubiläum

Anders ist gut. Anders sorgt für Aufmerksamkeit. Deshalb lieben die Zuschauenden die Animationsfilme von Aardman Animations und ihre Helden wie «Wallace & Gromit» oder «Shaun, das Schaf». Die Filme sind das Gegenteil der glatten, perfekten, computeranimierten Spektakel von Disney («Toy Story 5») oder Illumination («Minions»), die die Kinos dominieren.
Bei Lebensmitteln wirbt man gerne mit «hausgemacht», im Fall von Aardman wäre das Label «handgemacht».
Charmante Unperfektheit
Ob Mensch, Hund, Schaf oder bösartiger Pinguin: Die Figuren sind immer aus Knetmasse. Die detailverliebten Kulissen alle selbstgebastelt. Dass sie handgemacht sind, sieht man den Filmen auch an. Irgendwo gibt es immer eine kleine, nicht perfekte Stelle oder einen Fingerabdruck. Das macht den Charme aus.
In Bewegung gesetzt wird alles durch die sogenannte Stop-Motion-Technik, einen Trickklassiker, den spätestens seit der Animation des grossen Affen in «King Kong» (1933) jeder kennt und der ebenfalls durch kleinteilige, manuelle Arbeit zustande kommt.
Um die Illusion von Bewegung zu erzeugen, werden von einer Figur Einzelbilder aufgenommen und dann aneinandergereiht. Dabei wird bei jedem Bild die Figur einen kleinen Tick bewegt.
Das heisst jede Bewegung in Stop-Motion-Filmen muss genau geplant sein.
Die Animatoren benötigen durchschnittlich einen ganzen Tag für nur zwei bis vier Sekunden Film. Allein das Bewegen einer Augenbraue braucht Stunden.
Nicht nur das Label «handgemacht» macht die Filme von Aardman Animations so erfolgreich. Dazu gehört auch der Humor, der Kinder und Erwachsene gleichermassen anspricht.
Sanfte Satire
Die Macher haben den Anspruch, dass die Witze zeitlos sind, wie Produzent Nick Park dem deutschen SWR verriet: «Man denkt sich einen Gag aus. Und der muss dann vier Jahre später, wenn der Film fertig ist, immer noch funktionieren.» Inhaltlich sind die Filme sanfte Gesellschaftssatiren, in denen es um Themen wie Massenproduktion, Tierhaltung, Bürokratie, den Brexit oder KI geht.
Obwohl die Helden sehr britisch sind und auch die Welt, in der sie leben, funktionieren die Filme überall. Was auch daran liegt, dass sie dialogarm sind. Zwar quasselt der trottelige Erfinder Wallace recht viel, aber sein cleverer Hund Gromit schweigt, genauso wie Schaf Shaun und seine tierischen Kollegen.
Hinter Aardman stehen die Briten Peter Lord und David Sproxton, die sich als 12‑Jährige kennenlernten und für Animation begeisterten. 1972 verkauften sie ihren ersten Kurzfilm über den Superhelden Aardman an die BBC. 1976 zogen sie nach Bristol und das Studio wurde offiziell gegründet.
Der erste Erfolg kam 1977 mit einer Figur für eine BBC‑Kinderserie. Die hiess «Morph», war ein terrakottafarbenes Plastilinmännchen, das eine unverständliche Sprache sprach und auf einem Tisch lebte.
Richtig los ging es, als 1985 der Animator Nick Park an Bord kam. Er entwickelte die grössten Hits des Studios. Der erste «Wallace & Gromit»-Film erschien 1989, Shaun feierte seine Premiere 1995.
Der erste abendfüllende Film «Chicken Run» kam 2000 in die Kinos und war inspiriert vom Kriegsfilmklassiker «The Great Escape» (1963).
Insgesamt war Aardman 13 Mal bei den Oscars nominiert und hat viermal einen gewonnen. Neben den Filmen arbeitete Aardman Animations am legendären Musikvideo «Sledgehammer» (1986) von Peter Gabriel mit und produzierte das Video zu Nina Simones Song «My Baby Just Cares For Me» (1987).
Und Aardman produziert fröhlich weiter. Anfang Oktober kommt «Shaun the Sheep: The Beast of Mossy Bottom» in die Kinos. Und dann? Dann gibt es ein Comeback des bekanntesten Pinguins der Schweiz.
Kurz vor Halloween auf der Mossy Bottom Farm. Der trottelige Bauer zerstört aus Versehen das geheime Kürbisfeld von Shaun und den anderen Schafen. Shaun versucht sich als Wissenschaftler, um schnell neue Kürbisse schaffen. Aber das geht natürlich fürchterlich schief. Die Kürbisse werden gross wie Scheunen und ein riesiges, haariges Monster rennt auf einmal über die Farm.
Von «Frankenstein» bis «Psycho», «Shaun the Sheep: The Beast of Mossy Bottom» zitiert, sanft und kindgerecht, den einen oder anderen Horror-Klassiker.
Wie die Vorgängerfilme ist auch dieser Shaun-das-Schaf-Film niedlich, lustig, detailverliebt und dialogfrei. Ganz nebenbei wird die Vermüllung der Meere thematisiert.
Einer der witzigsten Momente ist das Erscheinen der Tierärztin, worauf sich die Tiere verstecken, weil sie keine Lust auf eine Untersuchung haben. Und als die Veterinärin eine Spritze auspackt, bricht die Panik aus. «Shaun the Sheep: The Beast of Mossy Bottom» ist ein Familienfilm, der Spass macht und zeigt, wofür «Aardman Animations» so berühmt ist.
Schon 2024 kündigte der Spielzeughersteller Mattel an, mit Aardman Animations eine neue Serie über Pingu zu produzieren. Auch wenn noch nicht feststeht, wann die herauskommt: Da kann man sich nur drauf freuen.
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