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Saturday, October 10, 2026

ÖV-Branche wollte Tarife noch drastischer erhöhen

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Brisanter Bericht enthüllt

ÖV-Branche wollte Tarife noch drastischer erhöhen

Die ÖV-Preise steigen im Dezember spürbar an – doch hinter den Kulissen forderten die Schweizer Verkehrsbetriebe ursprünglich noch viel drastischere Aufschläge. Dass das Plus nun bei durchschnittlich 3,6 Prozent liegt, ist einzig dem Preisüberwacher zu verdanken.

Publiziert: vor 28 Minuten

  • Dokumente: ÖV-Branche wollte Preise um bis zu 200 Franken erhöhen
  • Preisüberwacher Meierhans verhandelte und halbierte den geplanten GA-Aufschlag
  • Ab Dezember wird das Reisen trotzdem teurer
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Es war ein Schlag ins Gesicht für alle Pendlerinnen und Pendler: Am 27. März beschloss die Branchenorganisation Alliance Swisspass saftige Tariferhöhungen. Die Organisation kündigte kursorisch an, dass die Preise im Durchschnitt um 3,9 Prozent steigen sollen. Die Gründe: teurere Energie, Personal und Material, sowie wachsende Nachfrage. Im August krebste die Branche schliesslich leicht zurück und gab bekannt, dass die Tarife ab Dezember im Schnitt um 3,6 Prozent steigen.

Doch nun zeigen Dokumente, die «Schweiz Heute» gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip einsehen konnte, was hinter den Kulissen geschah. Wäre es nach der Branche gegangen, hätte sich das GA der 2. Klasse auf einen Schlag um 200 Franken auf 4195 Franken verteuert. Einzelbillette wären um 4,39 Prozent gestiegen, Tageskarten um 4,2 Prozent und selbst der Hundepass um gewaltige 8,3 Prozent.

Der Preisüberwacher schlug zurück

Preisüberwacher Stefan Meierhans (58) spielte da aber nicht mit. Wie «Schweiz Heute» berichtet, geht aus den Unterlagen seine deutliche Kritik an den Verkehrsbetrieben hervor: Die behaupteten Kostensteigerungen seien rechnerisch durch nichts zu begründen. Es folgte ein Verhandlungspoker hinter verschlossenen Türen. Meierhans rang den ÖV-Managern Zugeständnisse ab: Der GA-Aufschlag wurde halbiert, und die SBB mussten Sparbillette im Wert von 90 Millionen Franken zusagen. Trotzdem durchbricht das GA erstmals die Marke von 4000 Franken.

Fest steht: Die ÖV-Unternehmen versuchen, ihr finanzielles Loch auf dem Rücken der Kundschaft zu stopfen. Für die 1. Klasse müssen Pendler ab Dezember 6770 Franken auf den Tisch legen – das sind 250 Franken mehr als heute. Nicht alle Angebote schlagen jedoch gleich stark zu Buche: Der Preis für das Erwachsenen-Halbtax steigt moderat um 5 Franken. Letztmals hatte die Branche die Tarife vor drei Jahren angepasst.

«Wo bleibt da noch der Kunde?»

In der Blick-Community kam die Nachricht zu den höheren Preisen schlecht an: Der Schweizer ÖV wird teurer, ohne besseren Service. «Wo bleibt da noch der Kunde?», fragte Leser Marco Del Santo. Auch Daniel Roth meinte frustriert: «Die ÖV-Preise fressen allmählich die kompletten Löhne der Arbeiter! Der Kluge fährt scheinbar doch nicht mit dem Zug.» Zahlreiche Leserinnen und Leser kündigten an, künftig wieder auf das Auto umzusteigen.

Die Alliance Swisspass stand letztens öfter im Kreuzfeuer. Der Plan, Münzen, Scheine und Billette aus Papier bis Ende 2029 komplett aus Bussen, Trams und Zügen zu verbannen, sorgte auch für Aufsehen. Die Weichen dafür sollen bereits im kommenden Jahr gestellt werden: Ab 2027 ersetzen in Basel und der Zentralschweiz 400 neue Verkaufsgeräte die alten Automaten. Papier gibt es dann keins mehr – Tickets werden stattdessen direkt auf den Swisspass oder eine Prepaid-Karte geladen.

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