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Friday, October 9, 2026

Sie hat Spanien wachgerüttelt: Das waren Maricarmens letzte Worte

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Nach einer Zwangsräumung kam die 87-jährige Maricarmen Abascal ins Spital. Vor ihrem Tod richtete sie einen letzten Appell an ihre Unterstützer.Instagram

Darum gehts

  • Die 87-jährige Maricarmen Abascal ist gestorben – nach ihrer Zwangsräumung wurde sie wegen Erschöpfung ins Spital eingeliefert.
  • Zehntausende Menschen sind in Spanien zu ihrem Gedenken auf die Strasse gegangen, unter anderem bei einem Trauermarsch in Madrid.
  • Maricarmen gilt als Ikone im Kampf gegen die angespannte Wohnsituation in Spanien.

Nach dem Tod der 87-jährigen Maricarmen Abascal sind in Spanien Zehntausende Menschen zu ihrem Gedenken auf die Strasse gegangen. Die Rentnerin war nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung am 23. September wegen Erschöpfung ins Spital eingeliefert worden. Seither gilt sie als Ikone im Kampf gegen die angespannte Wohnsituation im Land.

Vom Spitalbett aus sandte Maricarmen über das Instagram-Profil der Mietergewerkschaft eine letzte Botschaft an jene Menschen in Spanien, die sie unterstützt und für sie sowie das Recht auf Wohnraum demonstriert hatten. «Ich glaube, ihr alle kennt mich – auch wenn ich nicht jeden von euch persönlich kenne, so kenne ich doch all die Menschen, die mich schon lange begleiten», sagte Maricarmen.

«Ich wäre gerne bei euch, um euch bei eurer Kampagne und eurem Kampf zu unterstützen, doch das ist mir leider nicht vergönnt. Deshalb rufe ich euch von hier aus dazu auf: Seid mutig, kämpft und verteidigt das, was euch gehört», forderte sie.

Die 87-Jährige bat die Menschen, «auf sich aufzupassen» und «im Camp zu bleiben – solange euer Körper durchhält und ihr es wollt». Zugleich äusserte sie die Hoffnung, dass die aktuellen Ereignisse bald ein Ende finden und «das, was ihr gerade durchmacht, korrigiert werden kann». Zum Schluss schickte sie allen «ganz feste» Umarmungen.

«Es reicht!»

Am Donnerstagabend zog ein Trauermarsch in der Hauptstadt Madrid vom zentralen Platz Puerta del Sol zum rund drei Kilometer entfernten Haus der Verstorbenen im Stadtteil Retiro. An der Puerta del Sol, wo Hunderte Menschen ein Protestcamp errichtet hatten, war eine improvisierte Gedenkstätte mit Kerzen, Blumen und Plakaten aufgebaut worden.

«Sie hat uns wachgerüttelt und dazu gebracht, zu sagen: ‹Es reicht!›», sagte die 48-jährige Lehrerin und Demonstrantin Rosa Marin der Nachrichtenagentur AFP. «Wir können diese Situation nicht länger hinnehmen.»

Ein Demonstrant nannte Maricarmen den «Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – sie hat all das ausgelöst», sagte er. «Ich hoffe, dass dies ein Wendepunkt ist», fügte er hinzu.

Viele sehen Versagen der Politik

Maricarmens letzte Botschaft wird in spanischen Medien als unbequemes Vermächtnis betrachtet. Ihr Fall sei «ein gesellschaftliches Versagen», meinte Spaniens Parlamentspräsidentin Francina Armengol. Die Worte der Sozialistin sorgen für Empörung, denn viele sehen in der Wohnkrise vor allem ein Versagen der Politik.

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Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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