1 Million Euro und 2 Goldbarren im Auto: Schweizer wieder frei

- Bei einer Grenzkontrolle nahe Lindau (D) entdeckten Beamte im September im Mietwagen des Italo-Schweizers Jörg W. eine Million Euro Bargeld sowie Goldbarren und Goldspäne.
- Die Generalstaatsanwaltschaft München klagte ihn wegen vorsätzlicher Geldwäsche an – das Oberlandesgericht München liess die Anklage zu, der Prozess beginnt am Dienstag in Kempten.
- W., der in Unterweltkreisen als «Gentleman-Gangster» bekannt ist, kam nach rund einem halben Jahr Untersuchungshaft frei und sein Aufenthaltsort ist seither unbekannt.
Eine Million Euro in bar, zwei selbst gegossene Goldbarren und Goldspäne: Bei einer Kontrolle im grenznahen Lindau (D) machten Grenzpolizisten letzten September einen aussergewöhnlichen Fund, wie die «Bild»-Zeitung schreibt. Aber der Schweizer, der mit den Wertsachen unterwegs war, ist inzwischen auf freiem Fuss und sein Aufenthaltsort unbekannt.
Die Beamten hatten den damals 60-jährigen Italo-Schweizer Jörg W. kontrolliert. Auf die Frage, ob er grössere Geldbeträge, Drogen oder verbotene Gegenstände dabeihabe, antwortete er: «Nein». Ein genauerer Blick in seinen gemieteten SUV zeigte allerdings ein anderes Bild.
Eine Million Euro in bar, Goldbarren und -späne
In Hohlräumen der Mittelkonsole und im Heck stiessen die Fahnder laut «Bild» auf insgesamt eine Million Euro in bar. Hinter der Lüftungsöffnung sei zudem eine Bauchtasche mit zwei selbst gegossenen Goldbarren versteckt gewesen. Ihr Wert: mehr als 170’000 Euro. Im Kofferraum fanden die Beamten dann auch noch Goldspäne.
W. ist für die Behörden kein Unbekannter. Gemäss «Bild» soll er unter insgesamt 17 verschiedenen Namen aufgetreten sein und wegen Einbrüchen bereits mehrere Jahre im Gefängnis verbracht haben. In Unterweltkreisen soll er sich dabei Namen wie «Gentleman-Gangster» oder «Lupin des Tessins» eingehandelt haben – Letzteres in Anlehnung an den fiktiven französischen Meisterdieb Arsène Lupin. 1999 wurde sogar in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY … ungelöst» nach ihm gesucht.
Seit Monaten ist sein Aufenthaltsort unbekannt
Nach der Kontrolle kam W. in Untersuchungshaft. Im März erhob die Generalstaatsanwaltschaft München laut «Bild» Anklage wegen vorsätzlicher Geldwäsche. Aber das Landgericht Kempten liess diese zunächst nicht zu. Den Richtern fehlten dem Bericht zufolge genügend Anhaltspunkte für eine Straftat, aus der das Geld stammen könnte. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und W. kam nach rund einem halben Jahr frei. Danach verschwand er und sein Aufenthaltsort sei seither unbekannt.
Kommt W. für seine Million zurück?
Inzwischen hat das Oberlandesgericht München die Anklage laut «Bild» doch zugelassen. Am Dienstag soll der Prozess in Kempten beginnen. Ein Gerichtssprecher sagte gegenüber der Zeitung, aufgrund der letzten Mitteilung der Verteidigerin gehe er davon aus, dass W. erscheinen werde. Auch seine Anwältin kündigte an: «Natürlich kommt er.»
Ein möglicher Grund lieferte sie gleich mit: W. wolle seine sichergestellten Wertsachen zurückhaben. Gemäss der Anklage könnte W. das Bargeld zuvor in Köln übernommen haben. Bei ihm seien Adressen mehrerer Juweliere gefunden worden. Ausserdem soll sein Mietwagen am Tag der Kontrolle in der Nähe mehrerer Juweliergeschäfte gestanden haben. Die Verteidigung will nun einen Freispruch erreichen. Für W. gilt die Unschuldsvermutung.
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Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
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