Ausstellung zu Kunst und KI – «Unser Verständnis von Kreativität wird sich mit KI verändern»

Bis vor wenigen Jahren hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass KI einmal Songs komponieren, Bücher schreiben oder Bilder generieren könnte. Was bleibt dem Menschen noch, wenn KI auch die Kunst übernimmt?
Wer mit solchen Fragen ins Aargauer Kunsthaus geht, kann in der neuen Ausstellung beruhigt aufatmen: Ohne Mensch geht hier gar nichts, auch wenn die Maschinen bereits erstaunlich viel können.
KI liegt im Kinderwagen
Zu sehen ist mehrheitlich Konzeptkunst von 14 Kunstschaffenden, die KI als Werkzeug nutzen. Viele Arbeiten sind interaktiv: Ein nostalgischer Kinderwagen etwa lässt sich durch die Räume schieben. Wer sich darüber beugt, blickt nicht auf ein Baby, sondern in einen Bildschirm, der eine fiktive Biografie generiert. Unsere Zukunft mit KI hat gerade erst begonnen.
«Unser Verständnis von Kreativität wird sich aufgrund von KI verändern», sagt Katharina Ammann, Direktorin des Aargauer Kunsthauses: «Darum ist es uns wichtig zu fragen: Welche Zukunft wollen wir? Das handeln wir hier aus, ohne fertige Antworten zu liefern.»
Mehr als überwältigende Technik-Spielerei
Wer die Ausstellung betritt, erkennt sich gleich in einem Echtzeit-Video wieder. Man hüpft als Eichhörnchen durch fremde Bildwelten, schlägt als Ureinwohner die Trommel oder wechselt auf einmal das Geschlecht.
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Bild 1 von 5. Im Aargauer Kunsthaus sind die Besuchenden eingeladen, die Möglichkeiten und Grenzen von KI zu entdecken … Bildquelle: David Aebi, Burgdorf.
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Bild 2 von 5. … wie in der VR-Animation «HALLUC» von Monica Studer und Christoph van den Berg. Bildquelle: Monica Studer, Christoph van den Berg.
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Bild 3 von 5. Die Schau spannt den Bogen weiter, zu etwa Onome Ekehs «Glittering Witness», einem in ASCII-Computercode-generierten Bild auf Aluminium … Bildquelle: Onome Ekeh.
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Bild 4 von 5. … Theresa Reiwers Mehrkanal-Videoinstallation «Lasting Generation» ... Bildquelle: Theresa Reiwer.
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Bild 5 von 5. … oder Simone C Niquilles «The Image Stack: Training cycle» – einer 3D-Animation mit maschinellem Lernen. Bildquelle: Simone C Niquille.
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Ist das mehr als eine schöne Spielerei in der klischierten Ästhetik, wie wir sie von KI-generierten Bildern kennen? Ja, denn die Arbeit verunsichert: Niemand weiss, was im wilden Geflimmer der Daten eigentlich mit uns geschieht – wir sind Teil davon, ob wir wollen oder nicht.
KI rüttelt an unserem Verständnis von Autorschaft
KI-Kunst hat etwas Unheimliches, und sie rüttelt an unserem Verständnis von Autorschaft. Im nächsten Raum stehen wir vor einem Landschaftsbild, gemalt in luftigen Pinselstrichen im Stil von Cézanne – ein digitales Werk, das man durchaus übers Sofa hängen könnte.
Generiert hat es «Botto», eine KI, die wöchentlich Tausende von Bildern produziert. Am Ende wählt eine Gruppe von Menschen einige Werke aus, die auf den Markt kommen. Der Erlös finanziert die Produktion.
Kann KI also tatsächlich kreativ sein, wie der Titel der Ausstellung behauptet? «KI ist nicht im gleichen Sinn kreativ wie wir, weil immer jemand dahintersteht», sagt Katharina Ammann: «Aber die Künstlerinnen und Künstler, die mit KI arbeiten, begeben sich auf einen neuen Weg. Wohin er führt, wissen wir nicht.»
Wir können die Welt weiterhin gestalten
In der Ausstellung kann man darüber staunen, was technisch bereits machbar ist. Unter den Werken finden sich auch stille Arbeiten, die eigentümlich berühren: Bei der Schweizer Künstlerin Esther Hunziker verschmilzt ein Mensch unklaren Geschlechts mit einem pelzigen Wesen – beide wirken schutzbedürftig und wissen nicht, wie ihnen geschieht.
Andere Arbeiten regen zum Nachdenken darüber an, wie ein gemeinschaftliches Zusammenleben mit Robotern aussehen könnte – jenseits von Weltrettungsphantasien oder Untergangsszenarien. «Wir möchten mit der Ausstellung zeigen, dass KI nichts ist, was uns einfach passiert», sagt Katharina Ammann, «sondern dass wir mitreden und die Geschichte steuern können.»
Ausstellungshinweis
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Die Ausstellung «Künstliche Kreativität» im Aargauer Kunsthaus ist bis 10. Januar 2027 zu sehen.
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