Nestlé streicht Russland-Geschäft aus Bilanz – Milliarden-Vermögenswerte betroffen

Putin übernimmt Werke im Land
Nestlé streicht Russland-Geschäft aus Bilanz – Milliarden-Vermögenswerte betroffen
Nach der Übernahme der Kontrolle über Nestlé-Werke durch den Kreml nimmt der Schweizer Lebensmittelriese das Russland-Geschäft aus der Bilanz. Betroffen sind Vermögenswerte von rund 1,6 Milliarden Franken.
Publiziert: vor 16 Minuten
Ulrich RotzingerWirtschaftschef
Erstmals spricht Nestlé über die Konsequenzen in Russland, nachdem der Konzern Mitte September die Macht über seine dortigen Aktivitäten an die Putin-Regierung abgeben musste. «Da wir derzeit keine Kontrolle über die Leitung der Geschäfte in Russland haben, wird das Geschäft per September 2026 von der Nestlé AG entkonsolidiert», teilt der weltweit grösste Lebensmittelhersteller mit Sitz in Vevey VD mit.
Das bedeutet: Nestlé nimmt das Russland-Geschäft aus der Bilanz. Damit werden Vermögenswerte von rund 1,6 Milliarden Franken ausgebucht. Das belastet die Nettoverschuldung des Konzerns per Ende 2026 mit insgesamt rund 900 Millionen Franken.
Keinen Einfluss mehr auf die 6 Werke in Russland
Nestlé betont auf Rückfrage von Blick, dass dies nicht als «zusätzlicher Barverlust oder Abschreibung» zu verstehen ist. «Nestlé bleibt rechtlicher Eigentümer der Vermögenswerte», so der Sprecher weiter. Nur eben ohne Einfluss und Kontrolle auf das, was die Putin-Regierung mit den sechs Nestlé-Werken mit ihren 7000 Beschäftigten in Russland anstellt.
Wie Nestlé nun bekannt gibt, sorgt das Russland-Geschäft für einen Anteil am Gesamtumsatz von 2 Prozent. Sprich: 1,8 Milliarden Franken von einem Jahresumsatz in der Höhe von 90 Milliarden Franken. Zudem mache es 3 bis 4 Prozent des bereinigten Betriebsgewinns aus, in absoluten Zahlen rund 500 Millionen Franken.
Börse freut sich über Klarheit – Nestlé-Kurs steigt
Spürbar sei der Wegfall des Russland-Geschäfts ab dem vierten Quartal 2026, sagt Finanzchefin Anna Manz (53). Momentan sei die Lage in Russland immer noch im Fluss, heisst es in einem Nestlé-Mediencall zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal am Donnerstag.
Dennoch begrüssen Analysten das Russland-Update. «Die Dekonsolidierung Russlands schafft willkommene Klarheit», kommentiert die Bank Vontobel. Der Aktienkurs legte am Donnerstag um 1 Prozent zu. Das geht aber grösstenteils auf das Konto von Aussagen der Konzernleitung, die bekräftigt hat, die Jahresziele einhalten zu können.
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