Wohnungsnot und Regulierung – Airbnb im Visier: Braucht es schärfere Regeln?

Ferienwohnungen auf Plattformen wie Airbnb sind bei Reisenden beliebt und für Eigentümerinnen und Eigentümer lukrativ. Werden Mietwohnungen dauerhaft an wechselnde Gäste vermietet, fehlen sie der lokalen und arbeitenden Bevölkerung. Deshalb verschärfen mehrere Schweizer Städte ihre Regeln.
Der Konflikt um die 90-Tage-Grenze
In Luzern gilt seit 2025 ein Limit. Wohnraum, der seit 2010 für die Kurzzeitvermietung geschaffen wurde und dabei Wohnraum verdrängt oder vernichtet hat, darf grundsätzlich nur noch 90 Nächte pro Kalenderjahr vermietet werden. Es gibt eine Registrierungspflicht.
Zürich zog mit verschärften Regeln nach, wie auch Interlaken. Für Mario Stübi, Präsident des Mieterverbands Luzern, ist der staatliche Eingriff überfällig: Das Phänomen nehme rasant zu und gehe auf Kosten der Einheimischen.
Eigentum bedeutet Verantwortung.
Es dürfe nicht sein, dass normale Wohnungen dem Markt entzogen werden. Er betonte im Gespräch seine Grundhaltung: «Eigentum bedeutet Verantwortung.» Wer das Modell der regulären Vermietung meide, müsse sich den Spielregeln des Gemeinwesens anpassen.
Wegen eines solch geringen Anteils braucht es kein neues Korsett, das am Ende hohe Kontrollkosten für die Steuerzahler verursacht.
Dem hält Damian Hunkeler, FDP-Kantonsrat und Präsident des Hauseigentümerverbands (HEV) Luzern, liberale Prinzipien entgegen: «Als Liberaler bin ich grundsätzlich gegen Gesetze, gegen Vorschriften, gegen Einschränkungen.»
Er hält die 90-Tage-Regel für willkürlich. In Luzern gehe es um rund 330 Airbnb-Angebote [Stand: Einführung 2025] bei über 48'000 Wohnungen – also unter einem Prozent. «Wegen eines solch geringen Anteils braucht es kein neues Korsett, das am Ende hohe Kontrollkosten für die Steuerzahler verursacht.» Zürich bewilligte für die Durchsetzung bereits fünf Stellen auf drei Jahre.
Hotellerie und Einheimische unter Druck
Widerstand formiert sich auch in den Bergregionen. Im Wallis, dem Kanton mit den meisten registrierten Angeboten, schlagen die Hoteliers Alarm. Olivier Andermatt, Präsident des Walliser Hotelier-Vereins, fordert gleich lange Spiesse für Hotellerie und Parahotellerie
Gewerbliche Kurzzeitunterkünfte müssten dieselben Auflagen bezüglich Brandschutz, Hygiene, Arbeitsrecht, Kurtaxen und Mehrwertsteuer erfüllen. Zudem fehle dringend bezahlbarer Wohnraum für Hotelpersonal und Einheimische. Andermatt plädiert daher für eine strikte kommunale Registrierungspflicht.
Stimmen von Hörern spiegeln das Dilemma wider: Ein Vermieter berichtet von 35'000 Franken Verlust durch Mietnomaden und Schäden vor seinem Wechsel zu Airbnb; ein Privatanbieter bestreitet daraus seine Altersvorsorge. Auf der Gegenseite warnen Betroffene vor gewerblichen Investoren, die ganze Mehrfamilienhäuser in renditestarke Tageszimmer aufteilen. Mehrere Gesprächsteilnehmende wünschen lokale Lösungen. In stark touristischen Destinationen brauche es strengere Regeln als in Regionen mit wenig Nachfrage.
Wo geht die Reise hin?
In einem Punkt sind sich die Streitparteien einig: Eine verlässliche Datengrundlage ist zwingend. Im Nationalrat wurde ein Vorstoss angenommen, der schweizweit Daten zu Kurzzeitvermietungen sammeln soll. Der Ständerat muss noch darüber entscheiden. Die Datengrundlage soll zeigen, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.
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