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Monday, October 19, 2026

Für wen ist der Orgasmus wichtiger? Neue Studie überrascht

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  • Eine neue Studie aus Italien zeigt: Der Orgasmus hängt bei Frauen deutlich stärker mit sexueller Zufriedenheit zusammen als bei Männern.
  • Laut einer weiteren Untersuchung erleben 94,2 Prozent der Männer beim Partnersex häufig oder immer einen Orgasmus – bei Frauen sind es nur 56,3 Prozent.
  • Sexualtherapeutin Melina Dobroka empfiehlt Paaren ein «Orgasmusverbot», um Leistungsdruck abzubauen und gemeinsam herauszufinden, was sich lustvoll anfühlt.

Er kommt, sie nicht. Während für ihn der Sex mit einem Höhepunkt endet, bleibt dieser bei ihr aus. Ein Szenario, das vielen Paaren bekannt vorkommen dürfte. Doch wie wichtig ist der Orgasmus überhaupt für guten Sex? Eine neue Studie aus Italien zeigt: Bei Frauen hängt der Höhepunkt deutlich stärker mit der sexuellen Zufriedenheit zusammen als bei Männern.

Für die im Fachjournal «Sexuality & Culture» veröffentlichte Untersuchung wurden 579 heterosexuelle Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren zu ihrem Sexleben und ihrer Zufriedenheit befragt. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Frauen hinsichtlich der Zufriedenheit mit ihrer sexuellen Beziehung. Bei Männern fiel er schwächer aus.

Warum der Orgasmus für Frauen eine andere Bedeutung haben kann

Die Basler Sexualtherapeutin Melina Dobroka sieht einen möglichen Erklärungsansatz in der unterschiedlichen sexuellen Sozialisation. «Bis heute ist Sexualität häufig von einer männlichen Perspektive geprägt. Die weibliche Lust und das sexuelle Begehren werden dabei nicht immer gleich berücksichtigt.»

Leserinnen berichten, wie fehlende klitorale Stimulation und Kommunikation ihre sexuelle Erfüllung lange verhinderten.

Leserinnen berichten, wie fehlende klitorale Stimulation und Kommunikation ihre sexuelle Erfüllung lange verhinderten.Getty Images

Das zeige sich unter anderem daran, dass Sex häufig stark auf Penetration ausgerichtet sei, obwohl für viele Frauen eine zusätzliche Stimulation der Klitoris entscheidend sei.

Wie gross die Unterschiede beim Höhepunkt sind, verdeutlicht eine weitere Untersuchung mit 2272 Personen. Demnach erleben 94,2 Prozent der Männer beim Partnersex häufig oder immer einen Orgasmus. Bei Frauen sind es 56,3 Prozent.

«Der Druck, unbedingt kommen zu müssen, kann es erschweren»

Doch bedeutet das, dass Frauen ohne Orgasmus automatisch unzufriedener sind? Keineswegs, sagt Dobroka. «Ein Orgasmus kann ein lustvolles Erlebnis beim Sex sein. Es ist jedoch keinesfalls eine Voraussetzung für ‹guten› Sex.»

Wie wichtig ist dir der Orgasmus für guten Sex?

Vielmehr komme es darauf an, welche Bedeutung eine Person dem Höhepunkt zuschreibt. Während für manche Frauen ein Orgasmus zentral sei, seien für andere körperliche Nähe und Vertrautheit wichtiger.

Problematisch werde es, wenn aus Lust Leistungsdruck entsteht. «Der Orgasmus wird oft als Massstab dafür genommen, wie gut und befriedigend Sex wahrgenommen wird.» Wer sich zu sehr darauf konzentriere, unbedingt kommen zu müssen, verliere möglicherweise den Zugang zu den eigenen Körperempfindungen.

Sexualtherapeutin rät zu «Orgasmusverbot»

Deshalb empfiehlt Dobroka Paaren, bei denen eine Person regelmässig zum Höhepunkt kommt und die andere nicht, einen ungewöhnlichen Ansatz: «Ich würde Paaren empfehlen, den Orgasmus für eine Weile bewusst aus der Sexualität zu streichen.»

Dieses sogenannte «Orgasmusverbot» könne helfen, den Druck herauszunehmen. Statt Sex nach einem festen Ablauf aus Vorspiel, Penetration und Orgasmus zu gestalten, sollten Paare gemeinsam herausfinden, welche Berührungen ihnen tatsächlich gefallen.

Auch die Selbstbefriedigung könne helfen, die eigene Lust besser kennenzulernen. Dobroka ermutigt Frauen, mit unterschiedlichen Bewegungen, der Atmung und Muskelspannungen zu experimentieren und die Aufmerksamkeit auf den ganzen Körper zu richten.

«Es geht deshalb nicht darum, dass eine Person etwas bei der anderen erreichen muss, sondern darum, gemeinsam herauszufinden, was sich individuell lustvoll anfühlt.»

Deborah Gonzalez

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.

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