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Sunday, October 4, 2026

Gülsha über Leben und Musik – Ein Tantra-Retreat brachte Gülsha zum Weinen

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Gülsha über Leben und Musik Ein Tantra-Retreat brachte Gülsha zum Weinen

Vom illegal gebrannten Jamiroquai-Album bis zum Song für die eigene Beerdigung: Diese Musik prägte Gülsha Adiljis Leben.

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04.10.2026, 17:59

«Wenn irgendein Influencer das sieht: Bitte nutzt die Musik von Jamiroquai!», sagt Autorin und Journalistin Gülsha Adilji in der Sendung «SRF 3 - Mini Musig. Mis Läbe.». Viele junge Menschen würden die britische Acid-Jazz-Band heute gar nicht mehr kennen – dabei seien es «wahnsinnig gute Künstler».

Sänger mit Hut vor roter Bühnenbeleuchtung, begleitet von drei Sängerinnen.
Legende: Die Welt bräuchte wieder mehr Jamiroquai, findet Gülsha Adilji. Die Band trat diesen Sommer am «Moon+Stars» in Locarno auf. Keystone/Ti-Press/Pablo Gianinazzi

Ihre Musik begleitet Gülsha Adilji schon seit ihrer Jugend. Entsprechend katapultiert sie der Song «You Give Me Something» zurück in ihre Ausbildungszeit.

Die junge Gülsha tanzte zu Jamiroquai

Ein Zimmer im zweiten Stock eines Lehrlingswohnhauses in Zürich: Bett, Pult, Kleiderschrank und ein «grusiger Teppichboden». Hier lebte Gülsha während ihrer Lehre, zusammen mit dreissig anderen jungen Frauen.

Man hat mir beim Karaoke regelmässig das Mikrofon aus der Hand genommen.

Ein Telefon hatte sie nicht, dafür illegal gebrannte CDs von Jamiroquai. Was sie hörte, schrieb sie mit, so gut es mit ihren damaligen Englischkenntnissen eben ging. «Ich habe dort viel Musik gehört und für mich getanzt und gesungen. Das ist etwas, das ich heute nicht mehr mache – oder das ‹man› nicht mehr macht», sagt Gülsha Adilji.

Auch beim Karaoke sei ihr diese Begeisterung schon zum Verhängnis geworden. «Man hat mir regelmässig das Mikrofon aus der Hand genommen, weil ich die Musik fest spüre und den Alkohol auch – aber nicht spüre, dass es sehr falsch klingt.»

«Ich war verliebt in Kevin und Howie D»

Musik war in Gülshas Jugendzeit auch eine soziale Angelegenheit. In den 90er-Jahren war Musik teuer, also hörte man sie im Laden.

Gülsha schnappt sich einen der grossen Over-Ear-Kopfhörer und hört ein Album der Backstreet Boys. «Ich war verliebt in Kevin und Howie D.» Wobei die Rollen im Freundeskreis offenbar ziemlich genau verteilt waren: Wer schon für eines der Bandmitglieder schwärmte, besetzte dieses gewissermassen für die anderen.

Gülsha wich deshalb auf Kevin und Howie D aus. «Aber vielleicht rechnete ich mir auch bessere Chancen aus, weil sie waren ja nicht die Hottesten.»

Ein Tantra-Workshop verändert ihren Blick

Jahre später eröffnete die Musik ihr den Zugang zu einer anderen Welt. In einer Gruppe von Menschen folgt sie den Anweisungen der Tantra-Coachin. «Colors» der Black Pumas läuft, dazu wird bewusst geatmet und getanzt.

Die 40-Jährige geriet in einen Trance-Zustand und musste heftig weinen: «Es musste einfach etwas raus. Das war irre.»

Anfangs sei es «weird» gewesen, mit Fremden zu tanzen. Nach wenigen Tagen verschwand das Gefühl. «Wenn man acht Tage zusammen atmet, weint und über die tiefsten Ängste spricht, ist man wie eine Familienbande. Und der Song ‹Colors› war unser Familiensong.»

Die gelernte Pharmaassistentin bezeichnet sich selbst als «sehr wissenschaftliche Person». Sie möge es, wenn sich Dinge mit Studien und Statistiken belegen liessen.

Die Erfahrung hat ihren Blick auf Tantra verändert: «Ich habe eine neue Offenheit für diese Art und Weise therapeutischer Arbeit erlangt.»

Über diese Songs hat Gülsha Adilji zusammen mit Moderatorin Judith Wernli in der Sendung «SRF 3 – Mini Musig. Mis Läbe.» gesprochen:

  • Raye – «Where Is My Husband!»
  • Leslie Clio – «I Couldn’t Care Less»
  • Backstreet Boys – «As Long As You Love Me»
  • Jamiroquai – «You Give Me Something»
  • Black Pumas – «Colors»
  • Mele – «Deine Cousine»
  • To Athena – «Fäschtmol»
  • Sophie Ellis-Bextor – «Murder On The Dancefloor»

An der Beerdigung soll es abgehen

Gülsha Adilji weiss nicht nur genau, welche Musik sie hören will, sondern auch, wie ihre Beerdigung aussehen soll: ein Haus in der Toskana, ihre Liebsten tanzen und lachen zu «Murder On The Dancefloor» von Sophie Ellis-Bextor.

«Es wäre ein kleiner Gruss aus dem Sarg», sagt sie. «Die Leute sollen denken: Krass, dass sie so viel Geld für diese Party ausgegeben hat.»

Und wenn sie könnte, würde sie vielleicht sogar aus dem Sarg noch einmal zum Mikrofon greifen. Schliesslich ist Gülsha Adilji immer für eine Überraschung bereit.

Nach ihren Lieblingssongs nimmt Gülsha Adilji uns mit in eine weitere persönliche Welt: Im SRF-Podcast «Literaturclub Interview – Buchclub Special» liest und bespricht sie gemeinsam mit Jennifer Khakshouri und Simon Leuthold aus der SRF-Literaturredaktion Benedict Wells’ Roman «Vom Ende der Einsamkeit» – Woche für Woche, Abschnitt für Abschnitt und zusammen mit der Community.

Der fünfteilige Podcast startet am 20. November 2026. Zum Abschluss der Reihe gibt es ein Gespräch mit dem Autor Benedict Wells.

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