Astra will Velofahrer stärker zur Kasse bitten – Lobby empört

- Das Astra erwägt, die Busse für Handynutzung auf dem Velo von heute 40 Franken zu erhöhen.
- Grund dafür sind unter anderem die vielen schweren Velo- und E-Bike-Unfälle.
- Pro Velo kritisiert die Pläne und fordert stattdessen bessere Infrastruktur und tiefere Geschwindigkeiten.
Dass das Smartphone hinter dem Steuer nicht ans Ohr gehört, ist klar. Wird man erwischt, kostet das 100 Franken. Doch auch Velofahrerinnen und -fahrern drohen dann Bussen. Und die könnten den Regelverstossenden bald deutlich teurer kommen. Wie «Blick» schreibt, erwägt man beim Bundesamt für Strassen (Astra), die heutige Ordnungsbusse von 40 Franken zu erhöhen. «Wir können uns vorstellen, diesen Betrag zu erhöhen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Um welchen Betrag, sei noch offen. Die mögliche Erhöhung will das Astra in einer kommenden Vernehmlassung zur Diskussion stellen.
«Jeder schwere Unfall ist einer zu viel»
Grund für die Überlegungen sind die Unfallzahlen: Zwar kam es 2025 zu weniger Todesfällen im Strassenverkehr, allerdings gab es mehr Schwerverletzte (siehe Box). Dem will das Astra entgegenwirken.
Die Unfallzahlen 2025
2025 wurden auf Schweizer Strassen 671 Velofahrerinnen und Velofahrer schwer verletzt, 20 kamen ums Leben. Bei E-Bikes registrierten die Behörden 586 Schwerverletzte und 24 Todesopfer. Bei 95 schweren Velounfällen und 89 schweren E-Bike-Unfällen spielte Unaufmerksamkeit oder Ablenkung eine Rolle.
Für mehr Verkehrssicherheit brauche es einen «Mix aus Prävention, geeigneter Infrastruktur und gezielten regulatorischen Massnahmen», so Rohrbach. Denn «jeder schwere Unfall ist einer zu viel.» Höhere Bussen für Ablenkung am Velolenker seien eine Massnahme.
Fachleute arbeiten an Massnahmenkatalog
Welche Ablenkungsquellen beim Velofahren besonders relevant sind, untersuchen Forschende der Fachhochschule Nordwestschweiz mit Unterstützung des Bundes. Das Projektteam prüfe auch, mit welchen Massnahmen sie sich reduzieren lassen, zitiert «Blick» das Astra. Ziel sei ein Katalog mit Empfehlungen. «Welche zusätzlichen Massnahmen sinnvoll und wirksam sind, soll auch aufgrund der Ergebnisse des laufenden Forschungsprojekts beurteilt werden», sagt Rohrbach.
Bist du viel mit dem Velo unterwegs?
«Das Astra lenkt vom eigentlichen Problem ab»
Von den Plänen wenig begeistert ist man bei Pro Velo Schweiz. Präsidentin Delphine Klopfenstein Broggini kritisiert, dass der Bund die Verantwortung zu stark bei den Velofahrenden suche. Ablenkung sei ein Problem aller Verkehrsteilnehmenden. Entscheidend seien aus ihrer Sicht sichere Velowege, tiefere Geschwindigkeiten und der Schutz vor immer grösseren und schwereren Fahrzeugen. «Mit dem Schwerpunkt auf die Unaufmerksamkeit von Velofahrenden lenkt das Astra vom eigentlichen Problem ab.» Laut Klopfenstein Broggini liegt das Problem bei «mangelhafter Infrastruktur». Ein Aspekt, dem man auch beim Astra zustimmt.
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