Nach Griechenland-Pleite – Klopp sieht «keinen Grund» für Depressionen

Nach der «griechischen Tragödie» bei seiner verpatzten Heimpremiere profitierte Jürgen Klopp von seinem eigenen Skript. Die Mannschaft, die der Bundestrainer am Montag auf dem Trainingsplatz in Herzogenaurach versammelte, hatte fast nichts mehr gemein mit jener des bitteren Augsburger Abends. Doch weder der «Bettenwechsel» im DFB-Camp noch die strahlende Herbstsonne konnten die dunkle Wolke über Klopp und seiner Elf vertreiben.
«Das ist ein Schlag ins Gesicht», bekannte der Bundestrainer nach dem historischen 0:1 gegen biedere Griechen, «aber dass Jürgen Klopp nicht mit Handauflegen alle Probleme löst – ich wusste das vorher. Falls jemand es nicht wusste, weiss er es jetzt.» Für alle anderen war die erste Niederlage gegen Griechenland überhaupt ein brutaler Weckruf, die zarte Euphorie des Aufbruchs ist schnell verflogen.
Viel Fantasie
Klopp aber denkt nicht in derartigen Kategorien. «Ich bin nicht ernüchtert, dafür habe ich im Fussball viel zu viel gesehen», behauptete der 59-Jährige. Ob in Mainz, Dortmund oder Liverpool – überall hat er Teams am Boden übernommen und sie zu ungeahnten Höhen geführt.
Trotz teils guter Ansätze bei seinem Debüt in den Niederlanden (1:1) und am Sonntagabend braucht es viel Fantasie, um eine ähnliche Wende bei der tief gefallenen DFB-Auswahl zu imaginieren.
Wer pfeifen will, soll mich auspfeifen.
«Es gibt für mich keinen Grund, in Depressionen zu verfallen», behauptete Klopp, doch auch der unerschütterliche Optimist musste bekennen: «Wir sind auch noch nicht dort, wo wir gerne wären.» Der Status quo in der Nations League vor dem 3. Spiel am Donnerstag in München gegen Serbien mit 17 frischen Kräften heisst Abstiegskampf statt Viertelfinal-Traum. Von höheren Ansprüchen, das machte Klopp klar, muss sich diese Mannschaft ohnehin erst einmal verabschieden.
Fünf Debütanten eingesetzt
«Wir werden noch besser werden», versprach Joshua Kimmich. Doch wie tief das Misstrauen der vielfach enttäuschten Fans sitzt, wurde Klopp nach dem Schlusspfiff klar. Die vereinzelten Pfiffe missfielen ihm sehr, «vielleicht hat jemand laut ausgeatmet oder hatte Asthma», witzelte er sarkastisch und betonte: «Wer pfeifen will, soll mich auspfeifen.»
Angriffsfläche bietet sein XXL-Experiment genug. 23 Spieler hat Klopp eingesetzt, alle aus «Kader eins» ausser Torhüter Finn Dahmen und Max Rosenfelder. Fünf Debütanten liefen bereits auf, neun mögliche weitere stehen bereit. «Die Zukunft ist so, wie wir sie uns vorstellen. Wir gehen mit allem, was wir haben, ran», sagte Klopp unbeirrt: «Wir werden den Weg weitergehen.»
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