Sohn von Müllermilch-Milliardär zeigt Mike Müller an

- Gegen den Schweizer Komiker Mike Müller (62) ist wegen eines Posts zur AfD-Wahl in Sachsen-Anhalt Strafanzeige erstattet worden.
- Der Anzeigeerstatter, Peter Müller (46), ist der Sohn von «Müllermilch»-Milliardär Theo Müller und bezeichnet sich selbst als AfD-Wähler.
- Mike Müller reagiert gelassen – Strafrechtsexperten halten einen Freispruch oder eine Nichtanhandnahme für wahrscheinlich.
Gegen den Schweizer Schauspieler und Komiker Mike Müller (62) ist wegen eines Posts zur AfD-Wahl in Sachsen-Anhalt Strafanzeige eingereicht worden. Wie der «SonntagsBlick» berichtet, wirft ihm der Anzeigeerstatter Verleumdung, üble Nachrede und Beschimpfung vor. Die Zürcher Staatsanwaltschaft habe den Eingang der Anzeige vom 16. September bestätigt.
Müller hatte nach der Landtagswahl auf X geschrieben, er verstehe nicht, weshalb der Kanzler eines Landes mit 80 Millionen Einwohnern «wegen einer knappen Million Nazis in einem gescheiterten Gliedstaat» zurücktreten solle. Gemeint waren damit die Wählerinnen und Wähler der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei hatte bei der Wahl 43,8 Prozent erreicht.
Sohn von «Müllermilch»-Milliardär stellt Anzeige
Bemerkenswert ist laut «SonntagsBlick» die Person hinter der Anzeige. Es handle sich um Peter Müller (46), Sohn des deutschen Lebensmittelunternehmers und Milliardärs Theo Müller (Müllermilch). Peter Müller lebe seit zehn Jahren im Kanton Zürich und bezeichne sich wie sein Vater als AfD-Wähler. Er halte das Programm der AfD in weiten Teilen für mit jenem der SVP vergleichbar. Theo Müller wiederum gelte als Unterstützer der Partei und bezeichne AfD-Co-Chefin Alice Weidel als Freundin.
Peter Müller wirft laut Bericht seinem Schweizer Namensvetter vor, die Wähler einer demokratischen Partei pauschal mit den Verbrechern des Nationalsozialismus gleichzusetzen. Er empfinde die Aussage nicht nur als beleidigend, sondern auch als Relativierung der NS-Verbrechen.
Mehr zu diesem Thema
Mike Müller reagiert gelassen
Mike Müller zeigt sich von der Anzeige wenig beeindruckt. Er betont, er habe nicht einzelne Personen als Nazis bezeichnet. Zudem verweist er darauf, dass die AfD in Sachsen-Anhalt vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft werde und Parteivertreter von «millionenfacher Remigration» sprächen. Dieses «völkische Zeug» gehe für ihn in eine Richtung, auf die sein verwendeter Begriff passe.
Wie der «SonntagsBlick» weiter schreibt, ist offen, ob die Strafanzeige rechtliche Folgen für den Komiker haben wird. Ehrverletzungsverfahren wegen allgemeiner politischer Zuschreibungen würden häufig an der fehlenden Antragsberechtigung oder an der Meinungsäusserungsfreiheit scheitern.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
